Kultur und Kulinarisches

Genusstour durch Oberhausen mundet Gästen und Händlern

Erster Stopp im Ebertbad: Organisator Heinz Wagner (rechts) stößt mit einigen Teilnehmern an.

Erster Stopp im Ebertbad: Organisator Heinz Wagner (rechts) stößt mit einigen Teilnehmern an.

Foto: Kerstin Bögeholz

oberhausen.   Los ging es mit Artilleriefeuer. Am Ende der ausgebuchten Premieren-Tour waren Organisator Heinz Wagner und die Teilnehmer satt und zufrieden.

Deckel ab und „Feuer frei“: Ein Schluck „Artilleriefeuer“ zum Start – „datt schmeckt“, sagt ein Tourgast. Dafür sind sie ja auch hier, die 25 Teilnehmer der ersten „Genusstour“; unbekannte Köstlichkeiten und Handwerksbetriebe wollen sie entdecken. Heinz Wagner hat das zusammen mit der Wirtschaftsförderung auf die Beine gestellt. Drei Touren soll’s vorerst geben und zur Premiere am Freitagabend waren alle Tickets ruckzuck vergriffen.

Doch Heinz Wagner wird vor Oli’s Büdchen langsam ungeduldig, das Gedränge ist groß – auch seine Gäste wollen los. Endlich: Punkt 19 Uhr trifft das letzte Paar ein. Ab ins Ebertbad. Die Teilnehmer bekommen noch einen Erkennungsbutton an die Jacke, dann treibt Heinz Wagner die Herde in den schmalen Hinterhof des Theaters. Auf der obersten Stufe der Metalltreppe erwartet sie bereits der Chef: Hajo Sommers kündigt launig die Backstage-Passage der Tour an – „Bitte erschrecken sie nicht, wenn sie auf der Bühne ankommen: Da sitzen dann schon Leute, die haben bezahlt.“

Erst Bier, dann Kaffee und Popcorn

„Einen Blick hinter die Kulissen zu werfen, finde ich schon spannend“, sagt Vera Kreuder. Die Schauspieler der Vorstellung „Höchste Zeit“ sind sichtlich unvorbereitet auf die Gruppe von Schaulustigen. Sonst ist in der Garderobe eben nur Theaterpersonal erlaubt. Da wird noch rasiert (am Mann) und getupft und gepudert (an der Frau), was das Zeug hält. Zügig ist die Gruppe durch die engen Gänge und schmalen Treppen geschleust und steht nach ein paar Minuten bereits mitten vorm noch spärlich besetzten Saal. „Tja, mehr gibt’s hier auch nicht zu sehen – kleines Theater, kleine Bühne“, ruft der Theater-Boss Sommers den Teilnehmern zu.

Das erste Bier kippen die Tourgäste an der Theaterbar in Rekordzeit runter, denn Heinz Wagner will weiter, zu Kaffee und Popcorn. Klingt erstmal komisch, aber mit dem eigenen gemahlenen Muntermacher und Popcorn namens „Pottkorn“ hat Mario Grube sein Geschäft „Mahlgrad“ in Königshardt ziemlich groß gemacht. In über 170 Feinkostenläden stehen seine Kreationen, der eigene „Pottkorn“-Laden in Düsseldorf sei zudem ständig voll. „Eigentlich sind wir ein Catering-Service, aber unser verrückter Koch hat uns erst zum Kaffeeröster und nun zum ,Pottkorn‘-Fabrikanten gemacht“, erklärt Grube. Derweil probieren die Gäste sich durchs Sortiment an Snacks, und Grube zapft geduldig frischen Espresso, Cappuccino und Kaffee für jeden – bis Heinz Wagner wieder den Spielverderber geben muss, weil die Wurst wartet.

„Und alles, watte siehst, is Oberhausen!“

Genauer gesagt sind es die Spezialitäten des Fleischers Bischoff, gar nicht weit entfernt vom Kaffeeröster. Während der kurzen Busfahrten zwischen den Stationen wird launig gesungen: „Und alles, watte siehst, is Oberhausen!“ Der 69-jährige Wagner liebt seine Stadt, da gehört das Oberhausen-Lied natürlich dazu. An der Fernewaldstraße 68 hält der Bus zum zweiten Mal: Bei Kerzenschein wartet der Chef neben frisch geräucherter Mettwurst. „Seit 1926 gibt es die Fleischerei“, erzählt Jörg Bischoff (59) seinen immer noch hungrigen Gästen. Er erklärt die Wurstfabrik, Pökelmaschinen und Brühkessel – wo die Schnitzel geplättet und Bret gewürzt wird. Alles interessant, aber die Gäste stieren ungeduldig gen Probeaufschnitt.

Früher sei er ein normaler Fleischer gewesen, heute eher Spezialitätenhändler, sagt Jörg Bischoff. „Die Zeit, wo eine Wursttheke im Rewe oder Edeka Konkurrenz für uns war, ist aber längst vorbei“, erklärt er. „Die Leute kommen jetzt zu uns, wenn sie etwas Besonderes wollen.“ Draußen vor der Fabrik brät der Sohn ein paar hausgemachte Currywürste für die Gäste, dann geht es wieder zurück in den Bus.

Eine halbe Stunde hat Heinz Wagner pro Station geplant. Einige Gäste hatten bereits nach Schnaps und Bier im Ebertbad („Wir sind ja gleich besoffen“) Befürchtungen, das Ende der Tour zu verpassen, aber Wagner setzt bewusst auf eine bunte Mischung.

Zum Abschluss Wein im „Le Baron“

Deshalb sind bei der vorletzten Station im „Forellenhof Kiefer“ noch alle dabei und lauschen der Stimme von Sänger Holger Gries (50). Der stimmt passend zum Räucherambiente vor dem Blockhaus „Die Forelle“ von Schubert an. Leckeres Bier zum Fisch hat der frischgebackene Bierproduzent Oliver Meininghaus ebenfalls mitgebracht.

Zum Abschluss und nach einem kurzen Fußmarsch ins „Le Baron“ genießen die Besucher dort einen schönen Schluck Importwein in der Weinlounge. Organisator Heinz Wagner ist da längst rundum zufrieden. „So gut und so engagiert, wie alle Händler und Handwerker sich heute hier präsentiert haben, das habe ich vielleicht gehofft. Aber das, was dabei rausgekommen ist, habe ich nicht erwartet!“

>>>> Die nächsten Touren sind schon ausgebucht

Die nächsten beiden Genusstouren sind zwar bereits ausgebucht, aber für Gourmets und Oberhausen-Liebhaber hält Heinz Wagner – zusammen mit der Tourismusförderung – ein weiteres Schmankerl bereit.

„Am 9. Dezember wird es die Wanderung durch die Innenstadt geben. Dabei sind dann wieder viele Händler und Handwerker, die sich und ihre Produkte auch an einem Sonntag gerne den Bürgern Oberhausens präsentieren.“

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben