Interview

Grüne möchten Lkw-Verkehr von der Mülheimer Straße verbannen

Grünen-Fraktionssprecher Andreas Blanke fordert mehr Tempo beim Ausbau des Radverkehrs.

Foto: Christoph Wojtyczka

Grünen-Fraktionssprecher Andreas Blanke fordert mehr Tempo beim Ausbau des Radverkehrs. Foto: Christoph Wojtyczka

Oberhausen.   Waren könnten mit Elektro-Autos transportiert werden, meint Fraktionschef Blanke. Radwege müssen ausgebaut, Fahrradgaragen angeschafft werden.

Damit künftig mehr Oberhausener das Rad benutzen, muss die Infrastruktur in der Stadt ausgebaut werden. Das fordert Andreas Blanke, Fraktionssprecher der Oberhausener Grünen und Mitglied des Stadtrates.

Redaktion: Anfang 2016 haben wir darüber berichtet, dass nur 6,4 Prozent der Oberhausener einer repräsentativen Umfrage nach das Fahrrad als Verkehrsmittel nutzen. Bis zum Jahr 2025 soll der Anteil 25 Prozent ausmachen, die Stadt Oberhausen will ein Mobilitätskonzept auf den Weg bringen. Passiert den Grünen all das nicht zu langsam?

Andreas Blanke: Ja, in Oberhausen ist das ein unheimlich langes Bohren dicker Bretter. Auch in der Politik fühlen wir uns als Einzelkämpfer. Es gibt immer diesen Reflex: Wenn ich dem Radfahrer etwas zuspreche, nehme ich dem Autofahrer etwas weg. Wir wollen nicht unbedingt auf das Mobilitätskonzept warten, wir möchten jetzt da aktiv werden, weil einige Probleme bekannt sind.

Es dauert Ihnen also zu lange?

Blanke: Viel zu lange. Im Bereich des Freizeit-Radfahrens sind wir gut aufgestellt, das Netz ist sehr gut ausgebaut. Das hat offenbar einen beruhigenden Charakter. Aber: Wir haben in Oberhausen Probleme mit dem zweckgebundenen Fahrradverkehr. Radfahrer müssen sich teils unter lebensgefährlichen Bedingungen die Straße mit Autos teilen. Das schafft keine Akzeptanz.

Im Umweltausschuss haben Sie dafür plädiert, mehr Stellplätze für Räder zu schaffen.

Blanke: Wir brauchen Fahrradgaragen für Anwohner – gerade in den Innenstädten. In Städten wie Essen oder Bochum gibt es abschließbare Parkgaragen, die man mieten kann. Darüber wird das Angebot finanziert. Zum Teil verfügen sie über Ladestationen für E-Bikes. In Oberhausen diskutieren wir dann darüber, dass dafür ein paar Parkplätze wegfallen würden.

Wie möchten Sie als Grüner mehr Oberhausener aufs Fahrrad bringen?

Blanke: Der Ausbau der Radwege, der Infrastruktur und eine passende Peripherie ist das eine. Gleichzeitig müssen Aktionen wie das Stadtradeln mehr forciert werden. Hierfür müssen Haushaltsmittel bereitgestellt werden.

Dabei spielt die Diskussion um Diesel-Fahrverbote doch in die Hände der Grünen.

Blanke: Das ärgert mich massiv. Seit 2007 weisen die Oberhausener Grünen darauf hin, dass Verkehrs-Hot-Spots wie an der Mülheimer Straße entschärft werden müssen. Da muss erst ein Skandal kommen, damit man das Thema angeht. Die Belastungen an dieser Straße sind schon lange exorbitant hoch. Der Grenzwert wird immer noch überschritten.

Zweifeln Sie denn den Grenzwert der EU - 40 Mikrogramm - nicht an?

Blanke: Ob ich ihn anzweifele oder nicht – auch wenn die Werte in Oberhausen bereits gesunken sind, er wird schlichtweg um acht Mikrogramm überschritten. Wir wollen nicht, dass alle Oberhausener nur noch Fahrrad fahren – das wäre utopisch. Wir wollen auch keine Fahrverbote erzwingen. Wir wollen aber, dass die Belastung und das Gesundheitsrisiko für die Anwohner sinkt.

Wie wollen Sie das erreichen?

Blanke: Wir müssen den Schwerlastverkehr von der Mülheimer Straße bekommen.

Wie sollen die Händler dann ihre Waren bekommen?

Blanke: Man könnte Zwischenstationen am Stadtrand anbieten, wo die Waren umgepackt und dann weiter mit Elektrofahrzeugen ausgeliefert werden. Da wäre Oberhausen auch nicht die erste Stadt, die das umsetzt. Und schon auf der Autobahn muss darauf hingewiesen werden, dass man mit Lkw nicht in die Umweltzone fahren kann. Dann muss Straßen NRW eben entsprechende Schilder installieren.

Ein Lkw-Fahrverbot auf der Mülheimer Straße müsste kontrolliert werden.

Blanke: Ja, wir müssen unbedingt stärker kontrollieren, wer gegen die Umweltzone verstößt – schon jetzt. Es muss deutlich sanktioniert werden.

Sie sind nicht unbedingt für ein Diesel-Fahrverbot, aber auch nicht dagegen?

Blanke: Wenn es denn nicht anders geht, ist es die Ultima Ratio. Das liegt aber nicht in kommunaler Entscheidung.

Was muss auf der Mülheimer Straße noch passieren, um den Verkehr zu reduzieren?

Blanke: Wir brauchen ausgebaute Fahrradwege. Und warum nicht auch einen Grünstreifen in der Mitte? Und es braucht eine gescheite Vorrang-Ampelschaltung für Radfahrer.

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