Integratives Reitturnier

Hoch zu Pferde wird die Behinderung zur Nebensache

Erstes Reitturnier für Kinder mit und ohne Behinderung auf dem Sterkrader Reiterhof :Annika führt Mia.

Erstes Reitturnier für Kinder mit und ohne Behinderung auf dem Sterkrader Reiterhof :Annika führt Mia.

Foto: Kerstin Bögeholz

OBERHAUSEN.   Beim jährlichen Turnier auf dem Sterkrader Reiterhof in Oberhausen konnten am Samstag zum ersten Mal auch Kinder mit Handicap starten.

Kann ein Rollstuhlfahrer eigentlich auf einem Pferd reiten? Die Teilnehmer des ersten Oberhausener Reitturniers für Kinder mit und ohne Behinderung sagen ganz klar „Ja“. Die rund 100 Starter aus Oberhausen und Umgebung traten auch sogleich den Beweis dafür an: Sie maßen sich am Samstag auf dem Sterkrader Reiterhof in verschiedenen Wettbewerben miteinander. Eine besondere Veranstaltung, die sogar prominenten Besuch auf die Reitanlage an der Kirchhellener Straße lockte.

Für Menschen mit körperlicher oder geistiger Behinderung kann Reiten eine therapeutische Wirkung haben. Auf dem Pferderücken werden das Gleichgewicht und die Koordination geschult. Auch der Umgang mit den sanften Tieren kann sich positiv auf das Wohlbefinden auswirken. Wer allerdings den sportlichen Wettbewerb sucht, steht oft vor großen Hürden: Die Teilnahme an einem Reitturnier bleibt den meisten Behinderten verwehrt. Dass das nicht sein muss, zeigte das Team des Sterkrader Reiterhofs. Auf dem jährlichen Turnier konnten in diesem Jahr zum ersten Mal auch Kinder mit Behinderung starten.

„Die freuen sich alle wahnsinnig, hier mitzureiten“, sagt Sandra Peters. Sie ist Richterin auf dem Turnier und weiß genau, wie herausfordernd die Prüfungen für die jungen Reiter sind. „Je nachdem, was für eine Behinderung das ist, ist das ganz schön schwierig“, betont sie. Zusammen mit ihren Richterkollegen versucht sie, allen Kindern auf dem Turnier ein positives Feedback zu geben. Denn für die viele ist das ihr allererster Turnierstart.

Lange Vorbereitung

Die neunjährige Nele übt schon seit Wochen für ihren Auftritt. Sie sitzt im Rollstuhl und nimmt seit vier Jahren an therapeutischem Reitunterricht teil. Für sie ist es ganz selbstverständlich, auf einem Pferd zu sitzen. „Da ist eigentlich nichts schwierig“, sagt sie. Die größte Herausforderung am Samstag ist der Start auf einem ihr fremden Pferd. Denn weil Nele kein eigenes Pferd besitzt, leiht sie sich eines der Lehrpferde des Sterkrader Reiterhofs für das Turnier. Die ausgebildeten Schulpferde sind besonders ruhig und geduldig und daher ideale Partner für die Kinder.

Wie weit Reiter im Sport trotz Behinderung mit viel Ehrgeiz kommen können, demonstrierte die international erfolgreiche Para-Dressurreiterin Nora Kristina Hamann den Zuschauern. Sie gehörte jahrelang zum Kader der deutschen Para-Reiter. Mit ihrem Pferd Bonhomme’s Fürst Salix – genannt „Fürsti“ - führte sie als Höhepunkt der Veranstaltung eine Dressur-Kür vor. Weil sie ihre Beine nach einem Unfall nicht mehr richtig bewegen kann und Koordinationsschwierigkeiten hat, ist sie auf Hilfsmittel angewiesen, um mit ihrem vierbeinigen Partner zu kommunizieren. Spezielle Steigbügel geben ihr Halt und statt mit dem Druck ihrer Schenkel lenkt sie ihr Pferd mit zwei Gerten durch die Bahn.

Der prominente Besuch lockte zahlreiche Interessierte zu dem Turnier. Veranstalter und Inhaber des Sterkrader Reiterhofs Simon de Witt ist zufrieden. „Für’s erste Mal ist das sehr schön“, sagt er. Für die Zukunft plant er, auch integrativen Reitunterricht für Kinder mit Behinderung anzubieten.

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