Auslandsjahr

In Bolivien neue Erfahrungen für ein ganzes Leben gesammelt

Die Kinder aus dem Heim Hogar de Niños in Santa Cruz (Bolivien) betreute Larissa Camillus aus Oberhausen mit dem Projekt „Seitenwechsel“ vom Bistum Essen ein Jahr lang.

Foto: Larissa Camillus

Die Kinder aus dem Heim Hogar de Niños in Santa Cruz (Bolivien) betreute Larissa Camillus aus Oberhausen mit dem Projekt „Seitenwechsel“ vom Bistum Essen ein Jahr lang. Foto: Larissa Camillus

Oberhausen.  Die Oberhausenerin Larissa Camillus hat ein Jahr in einem Kinderheim gearbeitet. Sie half bei Hausaufgaben und lernte eine neue Kultur kennen.

Verschiedene Souvenirs wie Kissen und Tücher zeugen noch von der bolivianischen Kultur, wenn man das Wohnzimmer von Larissa Camillus und ihren Eltern in Buschhausen betritt. Zahlreiche Andenken hat die 21-Jährige mitgebracht. Insgesamt ein Jahr hat sie im Kinderheim „Hogar de niños“ in Santa Cruz, der Stadt mit den meisten Einwohnern in Bolivien, verbracht. Das Bistum Essen ermöglichte ihr ein Auslandsjahr mit dem Freiwilligen-Programm „Seitenwechsel“, das Jahr für Jahr junge Erwachsene Erfahrungen in einem fremden Land machen lässt.

Schon vor ihrem Abitur stand für Larissa Camillus fest, dass sie anderen Menschen helfen möchte. „Durch meinen Vater bin ich dann auf das ,Seitenwechsel’-Projekt aufmerksam geworden und habe bei einem Info-Abend die Ehemaligen und ihre besuchten Länder kennenlernen dürfen“, erzählt sie. Ihre Wahl sei schnell auf Bolivien, zentral in Südamerika gelegen, gefallen. „Ich wollte unbedingt etwas Nützliches machen.“

Im August 2016 ging es dann mit dem Flieger los Richtung Santa Cruz. Insgesamt neun Freiwillige haben mit Larissa ihren Dienst in verschiedenen Ländern, darunter Peru, Panama, Nicaragua und als einziges afrikanisches Land Tansania, angetreten.

90 Jungen im Heim

Vor Ort stellt Larissa schnell fest: Hier herrscht Hitze pur. Fast dauerhaft 35 Grad Temperatur. Auf die neue Studentin der Sozialen Arbeit warten 90 Jungen im Alter zwischen fünf und 17 Jahren. Problematisch? „Keineswegs“, antwortet Larissa. „Die kleineren Kinder freuen sich total, wenn jemand für sie da ist und sie mal umarmen kann. Mit den Älteren entwickelte sich eine tolle Freundschaft, für sie war ich wie eine Schwester.“ Auch sei sie nicht die einzige Frau dort gewesen, neben Köchinnen (von den Kindern liebevoll „Mamis“ genannt) sind auch Krankenschwestern und eine Ärztin im Heim. Einige der Jungen sind Waisen, die meisten sind dort, weil ihre Eltern viele Kinder haben und nicht alle versorgen können.

Bei den Hausaufgaben hat sie mitgeholfen, Fußball gespielt oder auch mal Marmelade gekocht und sie dann mit den Kindern zusammen verkauft. „Das Heim finanziert sich nur durch Spenden“, erklärt sie. Auch Englisch hat sie im Heim unterrichtet. Apropos Sprachen: Wie klappte die Kommunikation auf Spanisch? „Auch wenn ich zwei Jahre in der Schule gelernt hatte, dauerte es etwas, da die Leute dort sehr schnell und manchmal undeutlich reden“, erzählt die junge Frau, deren Mutter und Vater beide aus Sri Lanka stammen. „Nach einigen Wochen klappte es einigermaßen, manchmal muss man sich mit Händen und Füßen verständigen.“ Dabei half auch ein Sprachkurs zu Anfang.

Nach etwa einem halben Jahr sei es ihr dann leicht gefallen. „Trotzdem sind die Kinder überhaupt nicht böse, wenn man mal etwas nicht versteht. Sie freuen sich eher, dass jemand vor Ort ist.“ Der Abschied sei ihr sehr schwer gefallen, zurück möchte sie gerne – durch den Uni-Start erhofft sie sich etwas Ablenkung. Ihre Erinnerungen an ihren Aufenthalt vergisst sie jedoch sicher nicht.

Freie Zeit zum Reisen genutzt

Gewohnt hat Larissa Camillus direkt im Heim, dabei sei auch eine nähere Bindung entstanden. Von montags bis freitags war zwischen 8 und 18 Uhr arbeiten angesagt, inklusive einer zweistündigen Mittagspause. Mit den Kindern ist sie weiter über Facebook in Kontakt.

Die Wochenenden waren frei, zudem gab es 30 Tage Urlaub. Die Zeit nutzte sie zum Reisen, zum Beispiel zur Salar de Uyuni, der größten Salzpfanne des Planeten, sowie für den Besuch der Eltern. „Ich habe viele kulturelle Erfahrungen gesammelt, als ich im August zurückkam, war das für mich wie ein Kulturschock“, erzählt Larissa.

„Ich kann den Seitenwechsel besonders für junge Leute, gleich nach dem Abi empfehlen. Man wird ins kalte Wasser geworfen, tut etwas Gutes und lernt viel für sich selbst.“ Die Kosten für Flüge, Unterbringung und ähnliches übernimmt das Bistum Essen.

Bewerbungsfrist geht bis 15. Oktober

Interessierte junge Leute, die im nächsten August zwischen 18 und 28 Jahren alt sind, können sich für den neuen „Seitenwechsel“ bis Sonntag, 15. Oktober, beim Bistum Essen bewerben. Weitere Infos unter http://blog.bistum-essen.de/seitenwechsel/

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