Gleichstellung

In Oberhausen sind zu wenige Frauen in Führungspositionen

Frauen aus Oberhausen sind laut Gleichstellungsplan in Führungsposition unterrepräsentiert.

Foto: Jan-Philipp Strobel

Frauen aus Oberhausen sind laut Gleichstellungsplan in Führungsposition unterrepräsentiert.

oberhausen.   Der aktuelle Gleichstellungsplan zeigt Defizite bei Stadt und Stadttöchtern auf. 62 Prozent der Stadtbediensteten sind Frauen.

Obwohl die Mehrheit der städtischen Bediensteten Frauen sind, sind sie in Führungspositionen, vor allem in Teilzeit, noch immer unterrepräsentiert. Besonders in den Führungsetagen der städtischen Gesellschaften gibt es nur wenige Geschäftsführerinnen und weibliche Aufsichtsratsmitglieder. Das wird aus dem aktuellen Gleichstellungsplan deutlich, den die Politiker im Gleichstellungsausschuss am Dienstag erstmalig und einstimmig vorberieten.

Die städtischen Gremien

In den städtischen Aufsichtsratsgremien beträgt der Anteil der Frauen nur 31,2 Prozent, in den Managementgremien sind es mit 9.5 Prozent sogar noch weniger. Dabei sieht das Landesgleichstellungsgesetz vor, dass in „wesentlichen Gremien“ Frauen mit einem Mindestanteil von 40 Prozent vertreten sein müssen.

Lediglich die Wirtschaftsbetriebe Oberhausen (WBO) und die Gasometer GmbH werden von Frauen geleitet, während die anderen Stadttöchter von insgesamt 19 Männern geführt werden. In den Aufsichtsräten sieht es etwas besser aus, von insgesamt 253 Mitgliedern sind 174 Männer und 79 Frauen.

Gleichstellungsbeauftragte Britta Costecki appellierte an die anwesenden Politiker, an der Besetzung der Aufsichtsräte durch mehr Frauen mitzuwirken. Steffi Opitz von den Grünen machte an dieser Stelle allerdings eine interessante Anmerkung: Übernehmen zum Beispiel Mütter ein Aufsichtsratsmandat, wird ihnen das Elterngeld gestrichen, weil die Bezüge aus dem Aufsichtsrat als Einnahmen gelten. „Wo soll denn dann die Familie bleiben“, fragt Opitz. Frauen würden auf diesem Wege „bewusst rausgekickt.“

Die Stadtverwaltung

Bei der originären Stadtverwaltung lässt sich ein leicht positiver Trend erkennen (Stichtag 1. Januar 2018). Insgesamt beträgt der Frauenanteil in der Stadtverwaltung 62 Prozent. Die Zahl der Bereichsleitungen hat um 7,3 Prozent zugenommen, die der Fachbereichsleitungen um 7,8 Prozent. Britta Costecki verwies im Ausschuss allerdings auf die absoluten Zahlen. Demnach arbeiten insgesamt 27 Frauen in führenden Positionen, zehn Jahre später sind es 29. „So ehrlich muss man auf diese Zahlen gucken“, meinte Costecki bei der Vorstellung des Gleichstellungsplans, der zuvor Frauenförderplan hieß. Gleichzeitig ist bei den stellvertretenden Bereichsleitungen der Anteil um 3,4 Prozent gesunken. Positiv: Eine Fachbereichsleitungsstelle ist nun durch zwei Teilzeitbeschäftigte besetzt worden. Aber auch hier, so Costecki, gibt es noch viel Handlungsbedarf. Grundsätzlich könne sich die Gleichstellungsstelle auch vorstellen, dass eine Führungsposition von einer Teilzeitkraft besetzt wird – mit einer starken Assistenz an ihrer Seite, machte Costecki einen Verbesserungsvorschlag.

Im Jahr 2021 sollen laut Gleichstellungsplan 35 Prozent der Bereichsleitungen mit Frauen besetzt sein.

Die Lohn- und Stundenverteilung

Von den 2289 Beschäftigten bei der Stadtverwaltung sind 1427 weiblich (62%), 862 männlich (38%). Blickt man auf die Verteilung der Arbeitsstunden leisten die Frauen 59 Prozent – ein Hinweis auf Teilzeitarbeit. Von insgesamt 22 Prozent Teilzeitarbeit übernehmen den größten Batzen Frauen, nämlich 93 Prozent.

Ein Bild der Ungerechtigkeit bietet sich bei dem Blick auf die Personalkostenverteilung: 57 Prozent der Kosten verteilen sich auf Frauen, die wie erwähnt den größten Teil der Stellen ausmachen. Das zeige, dass Frauen „im Schnitt weniger verdienen“, lautetet das Fazit der Gleichstellungsbeauftragten Costecki.

>>> VÄTER MEHR IN DEN BLICK NEHMEN

Der Gleichstellungsplan will nicht nur eine Bestandsaufnahme sein, sondern unterbreitet auch Ziele und Vorschläge, um diese zu erreichen. So soll ein grundsätzliches Konzept zur Teilung von Führungspositionen erarbeitet werden. Im Themenfeld „Vereinbarkeit von Beruf und Familie“ sollen aber auch verstärkt Belange von Vätern in den Blick genommen werden.

Der Gleichstellungsplan gilt bis 2021 und wird am Ende vom Rat der Stadt verabschiedet.

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