Konzert

Inez Timmer im K 14: charmant verrucht und schwer gewitzt

Die Sängerin Inez Timmer im Oberhausener Kulturzentrum Fabrik K14.

Die Sängerin Inez Timmer im Oberhausener Kulturzentrum Fabrik K14.

Foto: Sven Thielmann

Oberhausen.  Night-Club-Feeling in Oberhausen: Inez Timmer wandelte in der Fabrik K 14 auf der Spur von Weltstars – auf ihre ganz eigene, formidable Weise.

Wow, was für ein Auftritt, was für eine Bühnenpräsenz! „Nichts haut mich um …“, versprach die einst so wunderbar rothaarige, doch mittlerweile in allen Ehren ergraute Inez Timmer ihren Zuhörern in der bestens gefüllten Fabrik K14. Und meinte damit, ihnen eine Gänsehaut nach der andern über den Rücken zu jagen.

Was für die holländische Sängerin vor dem fabelhaft geschmeidig aufspielenden „Jan Bierther Trio“ zur leichten Übung geriet. Und für ihr auch nicht mehr so ganz junges Publikum zu einem erfrischenden Wechselbad zwischen Städte-Touren, Wasser-Kuren und Seelen-Massagen. Da funkelte etwa Cole Porter’s alter Klassiker „All of You“ nicht nur zur Freude aller Herren in schöner Ironie als „Ich lieb’ Dich ganz pauschal“. Nun ja, warum auch nicht, wenn’s so charmant arrangiert wird wie von Jan Bierther.

Hübsche Gitarrensounds, feiner Bass, filigrane Rhythmen

Der lieferte mit leichter Hand hübsche Gitarren-Sounds zu Eric Richards’ feinem Bass und Sebastian Bauers filigranen Rhythmen: zweckdienlich, wo nötig, unkonventionell, wo möglich. Und Gelegenheit dazu gab’s reichlich. Denn mit ihrem ausdrucksstarken Sopran, der von samtiger Verruchtheit bis in fast Diven-hafte Höhenlagen eine faszinierende Flexibilität aufweist, servierte die 64-jährige Vokalistin jede Menge attraktiver Songs. Unverwässert und packend natürlich auch da, wo „Aqua“ ihr Leitmotiv war.

So wandelte Inez Timmer genüsslich auf Frank Sinatras Spuren („I Cover The Waterfront“) oder ließ Erinnerungen an Sundance Kid als „Raindrops Are Falling“ auf ihre gebannten Zuhörer perlen. Ein weiteres Leitmotiv ihres abwechslungsreichen Programms waren berühmte Orte. Grandios ihr Besuch von „Woodstock“, wo sie zu Jan Bierthers knackiger Gitarre hinreißend Joni Mitchell huldigte. Was hübsch swingend von der New-Orleans-Hymne „Do You Know What It Means“ konstratiert wurde, dessen Titelzeile man an diesem unterhaltsamen Abend gut und gerne mit „if you miss Inez Timmer“ fortsetzen konnte. Denn wie sie erst stimmgewaltig den legendären Exzentriker Quentin Crisp als Sting’s „Englishman“ durch den Big Apple schickte, um gleich nach der Pause komplementär Udo Jürgens’ Aussteiger-Traum „Ich war noch niemals in New York“ abzufeiern, das war großes Kino für die Ohren. Kein Wunder also, dass ihre begeisterten Zuhörer, die zwischendurch auch mal gekonnt als Chor firmierten, bei der vom „Jan Bierther Trio“ lässig vorgelegten Cole-Porter-Nummer „You’re the Top“ nur zustimmend nicken konnten.

Denn charmant plaudernd mit gelegentlich amüsant aufblitzendem holländischen Akzent, bot die auch als Musical-Star gefeierte Grande Dame an diesem denkwürdigen Abend im K14 gemeinsam mit ihren formidablen Begleitern erfrischend jazzige Unterhaltung voller Eleganz und Klasse, wie man sie früher in den Night Clubs der großen weiten Welt erleben konnte.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben