Serie: schöne Geschäfte

„Innenarchitekten sind mehr als nur Kissenknicker“

Eike Lamster weiß: „Weiß ist nicht gleich Weiß.“ Auf einer seiner vielen Farbtafeln suchen er und seine Kunden gemeinsam den perfekten Farbton.

Eike Lamster weiß: „Weiß ist nicht gleich Weiß.“ Auf einer seiner vielen Farbtafeln suchen er und seine Kunden gemeinsam den perfekten Farbton.

Foto: Gerd Wallhorn / FUNKE Foto Services

Oberhausen.  Wer’s schön haben will, muss zahlen. Eike Lamster verdient als Innenarchitekt gut, doch sein Job ist auch mehr als nur das Knicken von Kissen.

Wie Architektur das Leben, das Miteinander und sogar die Gefühle von Personen beeinflussen kann, hat jeder schon mal erlebt. Auf dem Dachboden will niemand kriechen und in alten Kellern keiner buckeln — und dennoch verlassen sich nur wenige Leute auf den Rat eines Experten wie auf das Wort von Eike Lamster, wenn es vor oder nach einem Aus- oder Einzug um die Einrichtung geht.

Der Hauptgrund: Den meisten Menschen fehlt schlicht das Geld. Denn die Arbeit von Innenarchitekt Eike Lamster ist kein billiges Vergnügen — er verlangt „moderate“ 95 Euro allein für die Farbberatung. Doch zeichnen, beraten und gestalten von Schlafzimmern, Bädern, Küchen ist eine kreative Leistung, die nur wenige wirklich können. Bevor eine Mauer oder ein Möbelstück im Raum steht und ein Pinselstrich getan ist, hat Eike Lamster alles im Kopf begangen, gefühlt und in Einklang miteinander gebracht.

Seine Ausstellung und sein Büro in der Langemarkstraße 20 teilt er sich seit ein paar Jahren mit seiner Frau Helene. Sie hat sich als Feng Shui Beraterin selbstständig gemacht, passend zum Geschäft ihres Mannes. „Alles ist Energie“, erklärt die 57-Jährige. Deshalb sieht ihr Büro aus, wie kein Büro sonst aussieht.

Feng Shui Büro und Architekten-Kammer

Langfloor-Teppich, Steine und Kristalle, zwei Stühle nebeneinander; kein Schreibtisch. Im Gegensatz zum klassischen Arbeitsplatz ihres Mannes mit Monitor, Rechner und Drehstuhl eine ganz andere Welt. Gewollt. „Meine Kunden muss ich besuchen, weil man schlechte Stimmungen nur vor Ort fühlen kann.“

Blockaden lösen, Harmonien herstellen und fördern: Feng Shui muss der Kunde wollen. Vorurteile und Skepsis zu seinem Job kennt Eike Lamster: „Unter den Architekten werden wir Innenarchitekten oft als eigentlich ,über’ betitelt.“ Kissenknicker, so nennen die Kollegen abschätzig Menschen wie ihn.

Eike Lamster stört das nicht. Seine Kunden vertrauen seiner Vorstellungskraft, seinem Gespür und seiner Arbeit so sehr, dass sie bereit sind, viel Geld zu bezahlen. „Natürlich finde ich es schade, wenn nur wenige Menschen sich mein Honorar leisten können — aber nicht alle meine Kunden sind reich.“

Das Langzeit Projekt: GSO

Die Bar in der Eishalle Vonderort, einen Schuhladen in der Langemarkstraße und das Stoag-Verwaltungsgebäude hat er als Innenarchitekt betreut. Helle Farben, freundliche, offene Räume — das sei ein Trend, im Gegensatz zu dunklen Betonbauten der 1970er und 1980er Jahre. Auch die Gesamtschule Osterfeld gehört seit zehn Jahren zu seinen Projekten.

„Dort hat der Vandalismus durch die Umgestaltung der Räume wohl nachgelassen — haben mir die Lehrer erzählt“, erklärt der 64-Jährige. Ein Verdienst der hellen Farben, mit denen kennt sich der gelernte Malermeister bestens aus. Bis 2017 bot er selbst noch die Streich- und Spachtelarbeiten an.

„Heute bin ich zu 100 Prozent Innenarchitekt“, betont Eike Lamster. Wenn er zurückblickt ins Jahr 1984, als der junge Eike sich selbstständig macht, er würde es wieder tun. „Aber diesmal ohne Malerarbeiten, denn dafür ist zu viel Zeit draufgegangen.“ Bewusst kleiner geschrumpft hofft er zudem, ein paar Jahre weiterarbeiten zu dürfen. „Das“, so sagt er, „ist alles, was ich will. Die Innenarchitektur ist mein Hobby und gleichzeitig meine Berufung.“

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