Irish Folk

Irlands erfolgreichste Folk-Musikerin feiert in Oberhausen

Sharon Shannon, die irische Akkordeonistin, entzückte zuletzt 2018 ihr Publikum im Oberhausener Zentrum Altenberg.

Sharon Shannon, die irische Akkordeonistin, entzückte zuletzt 2018 ihr Publikum im Oberhausener Zentrum Altenberg.

Foto: Sven Thielmann

Oberhausen.  Wie vor anderthalb Jahren bringt Akkordeonistin Sharon Shannon am 21. April eine erstklassige Band mit – und die Melodien ihrer „Winkles Tapes“.

Hätte Sharon Shannon sich nicht als 16-Jährige doch noch anders entschieden – ihre Karriere hätte sie nicht in Konzerthallen geführt, sondern womöglich zum Aachener CHIO. Denn Irlands bekannteste Akkordeonistin war als Teenager auch Springreiterin auf hohem Turnierniveau. Allerdings hatte sie auch schon das Tourleben mit einer Folk-Band kennengelernt – und so gastiert die heute 51-Jährige am Dienstag, 21. April, um 20 Uhr wieder im Zentrum Altenberg, das sie und ihre zündende Musik bereits vor anderthalb Jahren gefeiert hatte.

Als 14-Jährige unterwegs zur ersten USA-Tournee

Das Mädchen aus der Grafschaft Clare an der Westküste, von vielen als windumtoste Heimat des irischen Folk-Revivals besungen, spielte schon mit acht Jahren in der Band „Disirt Tola“, mit der sie als 14-Jährige eine Tournee durch die USA wagte. Die fünf Jahre ältere Karen Tweed wurde schließlich in den frühen 1980ern ihre Lehrmeisterin in der Kunst des Akkordeonspiels – die Sharon Shannon schließlich weit über die üblichen Folk-Formeln hinausführen sollte. Just als das junge Talent aus Clare seine erste CD aufnehmen wollte, kam eine verwegene Band dazwischen, die neben U2 und den Simple Minds auf dem Weg gen Stadionrock schien.

Doch Mike Scott hatte zwischenzeitlich genug von epischen Hymnen im Cinemascope-Sound: Er verfrachtete sich und seine Waterboys von London nach Dublin – und weiter an die irische Westküste. Mit der Creme lokaler Musiker aus den Grafschaften Galway und Clare entstanden viele Stunden folkloristischer Popmusik, die für Fans erst Jahrzehnte später komplett auf dem zu sechs CDs ausgeweiteten Album „Fisherman’s Blues“ zu hören waren. Sharon Shannon war dabei.

Für anderthalb Jahre ein „Watergirl“

Im Mai 1989 bat Mike Scott sie, sich den Waterboys anzuschließen. Im gleichen Monat wollte sie ihr erstes Soloalbum aufnehmen, und versammelte alte und neue Freunde für eine dreitägige Session im „Winkles Hotel“ in Kinvara. Die Hoteliers Tony und Phil Moylan waren als Gastgeber bei Musikern beliebt – entsprechend prominent besetzt war die Session, inklusive Mike Scott und Co-Waterboy Steve Wickham, Donal Lunny, der wohl jedes zweite irische Folk- (Rock-) Album produziert haben dürfte, und U2-Bassist Adam Clayton.

Doch erst einmal zog Sharon Shannon für anderthalb Jahre mit den Waterboys durch die Welt. Abschied nahm sie erst, als sich die Band vom folkloristischen Sound verabschiedete und zum Rock zurückkehrte. 1992 war’s dann soweit mit ihrem Solo-Debüt – das prompt zum bestverkauften Album mit traditioneller irischer Musik avancierte. Doch nur zwei Aufnahmen von den „Winkles Tapes“ hatten es auf diesen Bestseller geschafft.

Alle drei Wochen ein neuer Schatz aus den „Winkles Tapes“

In ihrer inzwischen 30-jährigen Karriere veröffentlichte die Akkordeonistin zehn Studioalben, vier Live-Alben, sowie Compilations und Live-DVDs und tourte mit großen Namen der Szene von Nigel Kennedy, der sich als Violinist vom Klassik-Star zum punkigen Jazzer wandelte, bis zum „Pogues“-Unikat Shane McGowan und zu Imelda May, die fast im Alleingang für ein Rockabilly-Revival in Dublin gesorgt hat.

Schließlich erschienen im November 2019 „The Winkles Tapes“ mit 16 unveröffentlichten Aufnahmen aus der damaligen Session als Shannons aktuelles Album. Mike Scott hatte bei der Aufbereitung im Studio geholfen. 14 weitere unveröffentlichte Songs erscheinen bis November 2020 in dreiwöchigem Abstand und sollen Ende des Jahres als Jubiläums-Album veröffentlicht werden. Sharon Shannon ist offensichtlich stolz auf ihr Frühwerk – aus dem sie live mit ihrer Band wieder ein klangvolles Fest seliger Melodien und rasanter Rhythmen machen dürfte.

Karten kosten im Vorverkauf 23 Euro, online zentrumaltenberg.de

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