Archäologie

Jagd auf die Motte

Beate Sikorski, Archäologie-Studentin an der Ruhr-Universität Bochum, erforscht mit einem Studententeam den Boden an der Burg Vondern mit Hilfe eines speziellen Messgerätes. Foto: Ulla Emig

Beate Sikorski, Archäologie-Studentin an der Ruhr-Universität Bochum, erforscht mit einem Studententeam den Boden an der Burg Vondern mit Hilfe eines speziellen Messgerätes. Foto: Ulla Emig

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Oberhausen. In Vondern ist das Jagdfieber ausgebrochen. Am Samstag sucht gleich eine ganz Schar von Personen eine Motte - und das bei grellem Tageslicht.

Bei der Motte handelt es sich natürlich nicht um den nachtaktiven Falter, sondern um einen archäologisch bedeutenden Fund, einer Art Fliehburg, die von den Menschen in der Umgebung als Zufluchtsort genutzt wurde. Pläne aus dem Jahr 1822 verweisen nämlich auf einen solchen Vorgängerbau der eigentlichen Burg. Nachgewiesen werden konnte dieser bis jetzt jedoch nicht. Das soll durch ein Projekt des Vereins „Freunde der Archäologie Raum Oberhausen“ (FARO) und der Ruhr-Universität Bochum nun anders werden. Dazu schnürt sich Beate Sikorski, Studentin an der Ruhr-Universität Bochum, eine seltsam anmutende Gerätschaft um. Ein solides Gerüst aus Karbon trägt fünf einzelne Stäbe, an denen jeweils Sensoren befestigt sind. „Das ist ein Fünfkanalmesssystem, so wie es normalerweise beim Kampfmittelräumdienst verwendet wird“, sagt Beate Sikorski. Es ist ein Verfahren der Geomagnetik, das einen schnellen Überblick über die unterirdischen Strukturen liefern soll. Anhand der Magnetfelder könnten zum Beispiel alte Mauerreste erkannt werden.

Beate Sikorski schreitet langsam über eine markierte Fläche direkt vor dem Burggraben. Die fünf Sensoren sind mit einem Abstand von 25 Zentimetern befestigt, das ermöglicht, eine Breite von 1,75 Meter zu überprüfen. Das Messgerät erzeugt bei der Arbeit keine Geräusche, sondern übermittelt alle Daten direkt an einen Computer, der am Rückteil der Gerätschaft befestigt ist. Geomagnetische Prospektion nennt sich das Auf- und Ablaufen der Studentin über die Rasenfläche.

Mit dem Projekt wollen die Beteiligten nicht nur das Umfeld der Burg Vondern genauer erforschen, sondern auch die Grundlage für eine übergreifende archäologische Datenbank schaffen. Beate Sikorski: „Bisher gab es viele einzelne Stellen, an denen Informationen gesammelt werden. Eine übergreifende Datenbank würde es ermöglichen, Flugbilder, Scandaten und Karten kompakt zu sammeln. So etwas gibt es in Nordrhein-Westfalen bisher leider nicht.“

Auch für die Stadt ist die Untersuchung des Erdreichs interessant. Kulturdezernent Apostolos Tsalastras und Bürgermeister Klaus-Dieter Broß verschafften sich in Vondern selbst ein Bild. Alle Ergebnisse erhält die Stadt in einem Bericht, dieser soll dann im Kulturausschuss besprochen werden. Bei einem Fund würden die Daten als Grundlage für mögliche Ausgrabungen dienen. Auch am nächsten Samstag wird weiter geforscht, dann folgen Ergebnisse.

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