Sanktionen

Jugendliche Hartz IV-Empfänger fördern und fordern

Junge Menschen unter 25 Jahren können vom Jobcenter intensiver betreut werden als ältere, weil der Personalschlüssel deutlich besser ist.

Junge Menschen unter 25 Jahren können vom Jobcenter intensiver betreut werden als ältere, weil der Personalschlüssel deutlich besser ist.

Foto: Patrick Pleul

Oberhausen.   Die Idee, Hartz IV-Sanktionen für junge Menschen komplett abzuschaffen, finden Oberhausener Arbeitsmarktexperten überzogen. Konsequenz sei nötig

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Als „unangemessen hart und unsozial“ kritisierten die NRW-Wohlfahrtsverbände jüngst die Sanktionen gegen jugendliche Hartz-IV-Empfänger, die Termine versäumen oder anderen Verpflichtungen nicht nachkommen. Sie gehörten sofort abgeschafft. Oberhausener Sozial- und Arbeitsmarktexperten möchten sich dieser Generalkritik so nicht anschließen, sondern die Angelegenheit differenzierter betrachten: Jugendliche sollten durchaus Konsequenzen von Fehlverhalten erfahren, so der Tenor. Häufig führe erst ein „Schuss vor den Bug“ wie eine Mittelkürzung zu einer Verhaltensänderung. „Auch junge Menschen haben die Verpflichtung mitzuwirken, wenn ihnen dafür die Chance auf eine berufliche Zukunft eröffnet wird“, findet Jochen Kamps, arbeitspolitischer Sprecher der Arbeitsgemeinschaft der Wohlfahrtsverbände.

Intensive Betreuung

Die Situation vor Ort: 794 erwerbsfähige Menschen unter 25 Jahren werden (Stand Mai) vom Jobcenter Oberhausen betreut – mit dem Ziel, sie zu einem Schulabschluss, in eine Ausbildung oder Arbeit zu bringen, die sie langfristig in die Lage versetzten, ihr Leben unabhängig von Sozialleistungen führen zu können. „Damit das gelingt, hat der Gesetzgeber die Jobcenter personell so ausgestattet, dass Jugendliche intensiv betreut werden können: Maximal 75 junge Menschen kommen auf einen Jobcenter-Mitarbeiter, im Erwachsenenbereich sind es doppelt so viele“, erklärt Jobcenter-Geschäftsführer Uwe Weinand. Intensiv betreut, das heiße auch, dass sie allmonatlich zum Gespräch über weitere Maßnahmen, Fortbildungen, Bewerbungen, etc. geladen würden. Gemessen daran seien insgesamt 47 Sanktionen, die ganz überwiegend wegen Terminversäumnissen eintreten, eher wenig. „Der überwiegende Teil der jungen Menschen macht gut mit.“

Der Großteil der betreuten Jugendlichen lebe noch in der elterlichen Bedarfsgemeinschaft: „Trotzdem sind wir häufig die einzigen, bei denen die Jugendlichen Konsequenzen von Fehlverhalten erfahren“, so Weinand. Meistens wirkten die Mittelkürzungen wie ein „Weckruf“ und erzielten den gewünschten Effekt.

Konsequenzen zu spüren bekommen müsse ja nicht negativ sein: „Es gibt ja auch gute Konsequenzen“, ergänzt Jobcenter-Sprecher Josef Vogt: Zum Beispiel, wenn Jugendliche, die sich vorher 100 Mal vergeblich beworben haben, durch eine Weiterbildung einen Job finden.“ Im Mai dieses Jahres waren es 45 junge Menschen, die so in Arbeit oder Ausbildung gekommen sind.

>>> „RESET“-PROGRAMM FÜR JUGENDLICHE

Es gebe auch Fälle, in denen Sanktionen gegen Jugendliche zu Stress mit der Familie führten – und letztlich dazu, dass die Jugendlichen abhauen und auch vom Jobcenter wegbleiben. „Dann hatten wir früher keine Handhabe mehr“, erklärt Weinand. Inzwischen gebe es Sozialarbeits-Angebote wie das „Reset“-Programm, durch die Jugendliche, die jede Bindung an die Gesellschaft verloren haben, wieder erreicht werden können.

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