Schulprojekt

Kampfsportler hilft Schülern im Kampf gegen Mobbing

Neben Taekwondo gehören auch Kick- und Thaiboxen und verschiedene Selbstverteidigungskurse zum Angebot von Mike Kaul. 

Neben Taekwondo gehören auch Kick- und Thaiboxen und verschiedene Selbstverteidigungskurse zum Angebot von Mike Kaul. 

Foto: Kerstin Bögeholz

oberhausen.   Mike Kaul ist Inhaber der Fight Residenz in Oberhausen. Er besucht Grundschulen und spricht über die Gefahren von Gewalt

Mike Kaul kann sich noch genau erinnern, wie es sich anfühlt, Opfer von Mobbing-Angriffen zu sein. „Ich habe einen älteren Bruder, der geistig behindert ist. Er und ich wurden deshalb oft in der Schule gemobbt. Genau aus solchen Fällen entsteht dann eine Angst, überhaupt zur Schule zu gehen.“ In Oberhausen hat der Kampfsporttrainer deshalb mit seinem Projekt „Save the People“ begonnen, Grundschulen zu besuchen und Kindern zu zeigen, wie wichtig es ist, respektvoll miteinander umzugehen.

Deutscher Taekwondo-Meister

Bereits mit sechs Jahren entdeckte Kaul seine Leidenschaft für den Kampfsport, wo er es unter anderem 2002 und 2003 bis zum Deutschen Taekwondo-Meister brachte. Daneben gehören aber auch Kick- und Thaiboxen und verschiedene Selbstverteidigungskurse zum Repertoire der Fight Residenz, die er seit 2014 auf der Weierstraße leitet. Sein Hobby hat er zum Beruf gemacht. „Das war ein harter Weg. Ich habe klein angefangen und mich stetig vergrößert“, so Kaul.

Durch seine Arbeit, aber auch dank seines guten Gespürs in der Zusammenarbeit mit Kindern entstand schließlich der Wunsch, auch gegen Mobbing aktiv zu werden. „Immer mehr Eltern haben mir nach den Kursen davon berichtet, dass ihre Kinder regelmäßig gemobbt werden und sie durch unsere Kurse an Selbstvertrauen gewonnen haben. So entstand schließlich die Idee zu „Save the People“.

Dabei sind es ganz unterschiedliche Übungen, die der 32-Jährige mit den Schülern und Lehrern an jeweils zwei Tagen in zwei Unterrichtsstunden unternimmt. Da wird zum Beispiel ein Kind gebeten, in der Regel der „Pausenclown“, sich für kurze Zeit vor die Tür zu stellen. Wenn dieser dann wieder in die Klasse zurück kommt, sollen ihn die anderen Schüler völlig ignorieren. „So möchte ich spürbar machen, wie unangenehm es ist, wenn man von den anderen Mitschülern ausgegrenzt wird“, berichtet Kaul.

Auch haben die Kinder die Möglichkeit, ihre angestaute Wut raus zulassen, indem sie gegen Boxpratzen schlagen. Dabei sind die Ursachen für Gewalt und Mobbing laut Kaul äußerst vielschichtig, wie er aus den Gesprächen mit den Kindern erfährt. Oft fühlen sich die Kinder von ihren Eltern allein gelassen. Auch führt Kaul die vielen Gewaltvideos im Internet als weiteren Grund an. „Das Internet hat das Mobbing wesentlich erweitert. Jedes Kind hat heutzutage ein Smartphone und überall die Chance, Gewalt in jeglicher Form zu beobachten.“

Zwar hat Kaul erst fünf Schulen besucht, doch soll dies erst der Anfang sein. Genau dafür hat er sich prominente Unterstützung mit ins Boot geholt. Am 7. und 8. Juli wird nämlich Carsten Stahl einen neuen Stützpunkt seines bekannten Anti-Mobbing-Camps in der Fight Residenz eröffnen. „Das wird eine tolle Sache, um für Kinder und Jugendliche eine neue Anlaufstelle zu schaffen. Carsten Stahl hat einen guten Draht zu ihnen, gerade weil er nicht dieser typische Pädagoge ist.“

Vom Opfer zum Helfer

Von der Nachhaltigkeit seiner Schulbesuche überzeugt sich Kaul übrigens regelmäßig selbst, wenn er einige Wochen später nochmal vorbeischaut und sich mit den Lehrern austauscht. Und von deren Berichten ist er dann oft selbst überrascht: „Die Resonanz der Lehrer ist in der Regel sehr positiv. Viele Schüler, die früher gehänselt haben, gehören jetzt zu den Ersten, die dazwischen gehen und helfen.“

>>> Anti-Mobbing-Berater Carsten Stahl kommt im Juli nach Oberhausen

Carsten Stahl macht nicht den Eindruck, als müsse er sich vor anderen verstecken. Groß, muskelbepackt, tätowiert kommt er daher: „Aber so bin ich ja nicht auf die Welt gekommen.“ Als Schüler sei er übergewichtig gewesen und deshalb Opfer von Gewalt seiner Mitschüler geworden. Schließlich wechselt er die Seiten, wird im kriminellen Milieu Berlins selbst zum Täter. Mittlerweile hat er sich von diesem Umfeld verabschiedet, startete mit der Doku-Soap „Privatdetektive im Einsatz“ sogar eine Fernsehkarriere. Seit vier Jahren ist er nun mit seinem Programm „Stoppt Mobbing“ unterwegs und hat vor fast 30 000 Schülern gesprochen. Für ihn eine Herzensangelegenheit.

Herr Stahl, warum ist Ihnen der Kampf gegen Mobbing so ein wichtiges Anliegen?

Ein Schlüsselerlebnis war, als mein Sohn eingeschult und direkt von vier Mitschülern verprügelt wurde. Da kam er nach Hause und hat mich weinend angefleht, dass er nie wieder in die Schule muss. Für mich war sofort klar: Jetzt reicht’s. Mir ist das passiert, meinem Sohn auch, jetzt muss sich etwas ändern.

Was genau muss sich verändern?

Gewalt an Schulen wird gerne totgeschwiegen. Viele Schulen wollen nicht als Problemfall dastehen, was aber Quatsch ist, da es kein Problem der Schule an sich ist, sondern ein gesellschaftliches. Nur der offene Umgang mit einem Problem kann dazu führen, dass sich effektiv etwas verändert. Jeder Direktor der behauptet, an seiner Schule gibt es kein Mobbing, lügt.

Wie sieht Ihr Austausch mit Schülern aus?

Das entscheidende Wort heißt Prävention, das Thema also möglichst ansprechen, bevor es überhaupt zur Gewalt kommt. Dabei geht es mir nicht darum, die Täter an den Pranger zu stellen. Vielmehr will ich klar machen, wie es sich anfühlt, auf der einen oder anderen Seite zu stehen.

Am 7. und 8. Juli eröffnen Sie mit der Fight Residenz einen Stützpunkt vom „Camp Stahl“ in Oberhausen. Welche Idee steckt dahinter?

Das Ganze ist daraus entstanden, dass ich Anlaufstellen für Schüler, Eltern und Lehrer schaffen wollte, an die sie sich jederzeit wenden können. Schließlich kann ich nicht überall sein. Deshalb bin ich Menschen wie Mike Kaul dankbar, dass sie sich für das Thema einsetzen und mich unterstützen. Denn nur durch solches Engagement kann sich wirklich etwas verändern.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben
    Aus der Rubrik