Bildung

Kapitän Greiner verlässt die Brücke seines Berufskollegs

Der Schulleiter des Hans-Böckler-Berufskollegs in Oberhausen, Wolfgang Greiner, geht zum Ende des Schuljahres in Pension.

Foto: Kerstin Bögeholz

Der Schulleiter des Hans-Böckler-Berufskollegs in Oberhausen, Wolfgang Greiner, geht zum Ende des Schuljahres in Pension.

Oberhausen.   Sieben Jahre war Wolfgang Greiner Schulleiter am Hans-Böckler-Berufskolleg. Im Ruhestand übernimmt er ab August die Leitung einer anderen Schule.

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Die Kisten sind gepackt. Die Regale wie leergefegt. Ein paar Bilder hängen noch an der Wand. Nur der Blick aus dem Fenster bleibt der gleiche, wenn der Leiter des Hans-Böckler-Berufskollegs am Freitag zum letzten Mal die Bürotür hinter sich schließt. Noch aber sitzt Wolfgang Greiner hier, an seinem Konferenztisch, und sagt lachend: „Es war eine schöne Zeit, wir haben viel auf den Weg gebracht.“

Der Mann strahlt Ruhe aus. Wie ein Kapitän hat er sein Berufsschul-Schiff mit rund 100 Lehrkräften und 2200 Schülern sicher durch so manchen Sturm gelenkt.

„Unser Angebot im Berufsfeld Wirtschaft und Verwaltung für die kaufmännischen Berufe in Industrie, Handel, privatem Dienstleistungssektor und öffentlicher Verwaltung ist breit“, sagt Greiner. Die Schule sei für Ausbildungsberufe in Büro, Handel, Gesundheit, Recht und Justiz zuständig.

Diese Einrichtung mit 16 Bildungsgängen, Handelsschule und Höherer Handelsschule, mit einer Ausbildungsvorbereitung für Schüler, die unversorgt geblieben sind, und internationalen Förderklassen auch für Flüchtlingskinder, stellte ihn vor Herausforderungen.

Junge Kollegen haben frischen Wind gebracht

Allesamt meisterte er gerne. Er sagt: Gerade die internationalen Förderklassen hätten seinem Berufskolleg gut getan. „Weil wir dadurch viele neue Kollegen einstellen konnten.“ Die habe die Schule vor allem aus den eigenen Reihen besetzt, also den Referendaren zu einer Anstellung verholfen. „Wir haben die Altersstruktur in unserem Kollegium so sehr verjüngen können“, freut sich Greiner.

Mit den jungen Kollegen sei frischer Wind in die Schule geflogen. „Neue Lehransätze, Ideen, Methoden – das kann für jede Schule nur positiv sein.“ Notebooks, Beamer und Internetanschlüsse: „Die Gesellschaft verändert sich, da müssen wir mithalten.“

Auf seine Schüler sieht Wolfgang Greiner mit liebevollem Blick. Den zunehmenden Anteil junger Menschen mit Migrationshintergrund betrachtet er als Bereicherung. „Natürlich gibt es kulturelle Unterschiede.“ Aber er habe in all den Jahren seiner langen Berufstätigkeit stets diese eine Erfahrung gemacht: „Begegne ich meinen Schülern mit Wertschätzung, erhalte ich Wertschätzung zurück.“ Nehme er die Probleme der Kinder ernst, hörten auch sie den seinen zu.

Ansprüche an Auszubildende sind gestiegen

Die ewig gleichen Sprüche aus so vielen Ausbildungsbetrieben, die Jugendlichen heute taugten und könnten nichts – die könne er nicht mehr hören. „Die Kinder sind und waren immer die gleichen.“ Statt dessen habe sich der Umgang mit ihnen verändert, seien die Ansprüche an sie deutlich gestiegen.

Wolfgang Greiner war und ist Schulleiter aus Leidenschaft. „Im Ruhestand nur Kaffee trinken und Brötchen holen – dafür fühle ich mich zu jung.“ Er hat nach einer Perspektive gesucht – und die richtige für sich gefunden. Am 1. August tritt er seine neue Stelle als Schulleiter einer Fachschule für Heilpädagogik in Duisburg an. „In Teilzeit, an zwei Tagen in der Woche.“ Damit bleibt er am Ball und hat Zeit für schöne Unternehmungen mit seiner Frau, für gemeinsame Hobbys wie Wandern, Tango tanzen, Reisen.

Am Donnerstag aber feiert Wolfgang Greiner erst einmal seinen Abschied. Schüler und Lehrer sollen auf keinen Fall etwas für ihn aufführen. „Ich möchte den Menschen in meiner Schule lieber leise Servus sagen.“

>>> Ein Versehen führte ihn nach Essen

Wolfgang Greiner ist 1952 in Welzheim bei Stuttgart geboren. In Saarbrücken studierte er Wirtschaftspädagogik und Politik. Das Referendariat führte den Diplom Handelslehrer nach Aachen, das zweite Staatsexamen schloss er in Essen ab. „Damals gab es bundesweit nur wenige Referendar-Stellen“, erinnert er sich. In NRW sah es etwas besser aus. Dass die Essener ihn nahmen, sei aber ein Versehen gewesen. „Die Stellenausschreibung richtete sich an Landeskinder – ich kam nicht aus NRW, betrachtete mich dennoch als Kind des Landes, also Deutschlandes, und bewarb mich trotzdem.“


Es klappte. 2006 folgte der Wechsel als stellvertretender Schulleiter nach Duisburg. Seit 2009 ist Greiner am Hans-Böckler-Berufskolleg in Oberhausen tätig, seit 2011 als Schulleiter.

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