Karneval

Karneval in Oberhausen: Dreigestirn beim Auftritt abgewürgt

Da war die närrische Welt noch in Ordnung: Das Dreigestirn mit Prinz Chris I. (Höppner) marschiert bei der Prunksitzung der KG Weiss-Grün Hoag in die Luise-Albertz-Halle ein.

Da war die närrische Welt noch in Ordnung: Das Dreigestirn mit Prinz Chris I. (Höppner) marschiert bei der Prunksitzung der KG Weiss-Grün Hoag in die Luise-Albertz-Halle ein.

Foto: Kerstin Bögeholz / FUNKE Foto Services

Oberhausen.  St. Marien holt die Light Girls zurück. Bühnen-Zankerei bei der Hoag. Blaue Funken berichten vom Flashmob in Köln. Unsere närrische Konferenz.

Noch mal einsteigen, noch mal mitmachen – das Narrenkarussell hat in Oberhausen deutlich an Fahrt aufgenommen. Am letzten Wochenende vor den tollen Tagen trafen sich die Blauen Funken zum kostümierten Funkenschwof im Resonanzwerk (Freitag, 500 Besucher). Die Karnevalsgesellschaft Weiss-Grün Hoag (Samstag, 600 Besucher) bespielte zur Prunksitzung die große Luise-Albertz-Halle und die Karnevalsgesellschaft Blau-Gelb St. Marien gab im Ebertbad (Samstag, 360 Besucher) ein seltenes Gastspiel. Was dort passierte, verrät unsere närrische Konferenzschalte.

Kostüm-Welle im Resonanzwerk

Ich glaub, ich steh‘ im Wald: Gärtner, Eichhörnchen, Rehe und Fliegenpilze tanzen einen gemeinsamen Ringelpiez. Die Narren zelebrieren den Rollenwechsel im ausverkauften Resonanzwerk – und die Kostümquote liegt bei 99,9 Prozent. Die Funken feiern zum siebten Mal den Schwof. Das Konzept ist eine Adaption aus Köln, wo als Ergänzung zu den Sitzungen jüngere Jecken groß Party machen. „Wir tanzen den Showtanz der Blauen Funken, danach gehört die Tanzfläche ganz den Gästen“, sagt Orga-Leiter Daniel Schwan. Frohsinn pur!

Schalke-Parodie in der Stadthalle

Büttenredner haben es schwer, aber Jörg Hammerschmidt behält die Stadthalle gut im Griff. Die KG Weiss-Grün Hoag mischt das Programm geschickt, bringt den Spaßmacher nicht zu spät. Dieser imitiert Kanzlerin Angela Merkel („Nach Februar kommt März – oder eben Merz“) und lässt als Franz Beckenbauer über Fußball scherzen, auch wenn es Königsblaue schmerzt. „Prinz Harry zieht es nun zu Schalke – er gewöhnt sich an ein Leben ohne Titel!“ Auch die Kölner Mundartband Op Kölsch kommt an. Und die Eigenleistungen des Elferrats der Hoagianer sind sowieso aller Ehren wert.

Überschäumende Gefühle im Ebertbad

Die Liebe ist ein seltsames Spiel. Vielleicht feiert die KG Blau-Gelb St. Marien auch deshalb eine „Galanacht der Herzen“. Im Hauptausschuss sind sie nicht organisiert, stammen aus dem Pfarrkarneval – feiern im schäumenden Ebertbad aber wie die Großen. Fast alles ist selbst gemacht. So wie das Gesangsensemble L‘Amour. Ein Quartett singt den deutschen Schlager huldigend herbei. „Nach vier, fünf Rotwein, Amore mio!“ Hach! Loriots „Kosakenzipfel“ serviert eine Sketch-Gruppe mit Kaffee und Kuchen. Propst Markus Pottbäcker aus Gelsenkirchen und Linda Lieber moderieren munter. Und selbst bei gestandenen Präsidenten werden die Augen feucht: Der Verein besitzt nun eine eigene Standarte, natürlich von einer Vereinsmutter selbst genäht.

Riesenluftballons im Resonanzwerk

Bei Festivals ein Knüller – und beim Funkenschwof ein Partygag. Zur Livemusik fliegen riesige Luftballons für die Köpfe. Diese werden von einer Ecke zur nächsten geboxt. Pong, Pong, Pong! Der Beweis, dass auch spät in der Nacht bei der Sause noch nicht die Luft raus ist. Apropos: Eine Delegation des Traditionskorps reiste zuletzt nach Köln. Auf der Tribüne des Rhein-Energie-Stadions machten die Oberhausener Funken beim Flashmob von 5000 rheinischen Tanzgarden mit. „Für die Beteiligten ein tolles Erlebnis“, erzählt die ehemalige Gardeleiterin Christine Mertens. Alle Garden hatten eine gemeinsame Choreografie einstudiert.

Stadtdechant als Punker im Ebertbad

Er hat es wieder getan. Stadtdechant Peter Fabritz greift in den Kostümschrank und verwandelt sich in den Punker von der Marktstraße. Eine Büttenrede mit Schmiss, die wunderbar ankommt. „Großartig“, „treffend“ und „wirklich witzig“ machen bei den Gästen im Ebertbad die Runde. Stadtgeschehen, Gesellschaft und Kirche: kaum ein Thema wird mit kritischer Note ausgespart. Sogar Polizeipräsident Alexander Dierselhuis im Publikum ist beeindruckt.

Piccolos in der Stadthalle

Nicht nur die Piccolo-Tanzgarde ist der Stolz der KG Weiss-Grün Hoag. Neben der mittleren Altersklasse sind noch „Krümel“ und „Senioren“ organisiert. Schon im Kindergartenalter ab drei Jahren zeigen sich die jungen Jecken in Kostümen. Putzig! Der Showtanz führt die jungen Tänzer nach Mexiko. Einen Mini-Sombrero tragen sie spazieren. Den Gardetanz zeigen dann alle gemeinschaftlich und dürfen im klatschenden Spalier von mehreren Hundert Gästen auf die Bühne laufen. Ein Erlebnis!

Promi aus dem Sack im Ebertbad

Geheimnisvolles Raten im Ebertbad. Die Marianer zeigen in mehreren Video-Einspielern einen geheimnisvollen Prominenten, der mit verzerrter Stimme um seine Person eine Mystery-Aura aufbaut. Die Gäste erhalten Tipps, wer den Promi errät, der gewinnt eine Überraschungsbox. Irgendwann erscheint eine Eule, ein Osterfelder – und am Ende schlüpft Eulenorden-Präsident Walter Paßgang aus dem Sack. Das erfordert vollen Einsatz. „Er hat sich für die Videos übrigens nicht doubeln lassen“, verraten die Moderatoren.

Keanu Reeves im Resonanzwerk

Zugegeben, stimmt nicht ganz. Seine berühmteste Filmrolle hatte der amerikanische Schauspieler Keanu Reeves aber in diesem Science-Fiction-Film der Wachowski-Geschwister. Die „Matrix“ sorgt im Resonanzwerk diesmal für erstaunliche Klangwellen. Die Coverband mit dem berühmten Namen beschallt, was das Zeug hält. Aber nicht nur Viva Colonia, auch die Ärzte und Toten Hosen sind plötzlich lebendig. Ihre Instrumente spielt die Gruppe vom Niederrhein freilich selbst – und für Unkaputtbare gibt es sogar den Pur-Hitmix. Helau again!

Zankerei in der Stadthalle

Ein (ungeplantes) Lustspiel startet bei der Prunksitzung der KG Weiss-Grün Hoag. Das Dreigestirn steckt gerade im letzten Viertel seines Programms. Dann endet die Musik abrupt. Hoag-Chef Uwe Dehne gibt sich als „Zeremonienmeister Gnadenlos“. Das Zeitfenster ist überschritten, weitere Künstler warten. Saft weg! Bei Prinz Chris hebt der hohe Puls fast die Kappe nach oben – er poltert wenig royal zurück: „Unter aller Sau!“ Es wird hin und her gemurmelt. Am Ende hat der Abschied keine Zeit eingespart. Karneval kurios – zumindest die Laien im Publikum werden gestaunt haben.

Leichte Mädchen im Ebertbad

Was für eine Überraschung! Eigentlich haben sich diese leichten Mädchen der Marianer vor zwei Jahren aufgelöst und die wohlverdiente Tanzrente angetreten. Doch noch einmal möchten es alle wissen – und sie kapern die Prunksitzung. Die Girls sind eigentlich Jungs und heute mehrheitlich im Alter von Familienvätern. Vor 30 Jahren trat die erste Generation des Männerballetts im Pfarrkarneval auf. Und jetzt? Jubel. Trubel. Und fliegende Beine. Keiner hat vorher etwas gewusst. Unter ihren Kostümen tragen die „Light Girls“ ihre Korsage versteckt – den Can Can tanzen sie furios! Nach dem Auftritt dominiert heiße Euphorie, am nächsten Tag wohl das Wärmepflaster.

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