Hoher Spardruck

Katholisches Klinikum Oberhausen baut Jobs in der Pflege ab

Mit seinen Mitarbeitern demonstrierte Michael Boos schon 2015 für mehr Geld an die Krankenhäuser.

Mit seinen Mitarbeitern demonstrierte Michael Boos schon 2015 für mehr Geld an die Krankenhäuser.

Foto: Michael Dahlke

Oberhausen.   Der wirtschaftliche Druck auf Krankenhäuser ist durch massive Rechnungskontrollen der Krankenkassen gestiegen. Sie fordern Millionen Euro zurück.

Der wirtschaftliche Druck auf die Krankenhäuser der Region ist in den vergangenen Jahren so stark gestiegen, dass sich das Katholische Klinikum Oberhausen (KKO) zu Spareinschnitten gezwungen sieht: An den drei Krankenhaus-Standorten in der Stadt (St.-Clemens-/St.-Marien-/St.-Josef-Hospital) werden Stellen abgebaut – vor allem in der ohnehin über hohe Arbeitslast klagenden Krankenpflege mit 435 Mitarbeitern.

Michael Boos, Geschäftsführer des KKO, versichert, dass die Reduzierung der Arbeitsplätze im Krankenhausbereich sozialverträglich ohne betriebsbedingte Kündigungen erfolgen wird. 15 Krankenschwestern würden zur ambulanten Pflege versetzt, da die Nachfrage von Oberhausener Pflegebedürftigen sehr groß sei und sofort Einnahmen generiert werden. Zehn Stellen werden im Laufe des Jahres ganz gestrichen – hier nutzt das Klinikum die natürliche Fluktuation beim Personal, das im Klinikbereich insgesamt 1050 Köpfe zählt.

Klinikchef: Nicht auskömmlich

„Wir müssen die Arbeit in den Krankenhäusern leider weiter verdichten und professionalisieren. Uns bleibt nichts anderes übrig, weil die Krankenkassen unsere Arbeit nicht auskömmlich genug bezahlen“, sagt Boos.

Seit der Fusion von drei hiesigen Krankenhäusern, ambulanten Pflegediensten und mehreren Pflegeheimen zum Katholischen Klinikum im Jahre 2013 ist das KKO der größte Gesundheitsversorger in Oberhausen. Seitdem weitete das Klinikum seine Krankenhausleistungen vor allem durch seine neue Kardiologie um acht Prozent aus – und erhöhte die Zahl der Beschäftigten von 1003 auf 1047.

Nach Darstellung von Boos gerät das Klinikum durch mehr Kontrollen des Medizinischen Dienstes der Krankenkassen (MDK) unter Sparzwang. Statt wie früher nur 10 bis 15 Prozent der Klinik-Rechnungen für die Kassen zu kontrollieren, sind es seit gut einem Jahr etwa 40 Prozent.

Krankenkassen-Polizei fordert Geld zurück

An allen Krankenhäusern der Region finden die Kontrolleure nach Angaben des MDK Nordrhein oft Fehler in der Abrechnung: Zu hoch eingestufte oder zu lange Behandlungen, Fehler in der genauen Dokumentation – und schon fordert die Krankenkassen-Polizei Geld zurück. „Das ist ein erheblicher Betrag, den der MDK für die Krankenkassen zurückholt“, sagt seine Sprecherin Barbara Marnach. In der letzten Zeit führe man nun echte Begehungen vor Ort durch – und könne so viel mehr Fälle begutachten. In Augenschein nimmt der MDK dabei die Hochkostenfälle – und bemängelte 2016 von 182 000 Rechnungen im Gebiet Nordrhein 84 Prozent. Im Schnitt holte der MDK hier 1000 Euro je Fall für die Kassen heraus.

KKO-Chef Boos beziffert die Höhe der Rückzahlung für sein Haus auf 2,5 Millionen Euro im Jahr – bei einem Jahresumsatz von 108 Millionen kein Pappenstiel. Denn viel Gewinn bleibt nach Worten von Boos im Klinikbereich nicht übrig – da könne man durch Rückzahlungen schnell ins Minus rutschen, wenn man nicht gegensteuert.

>>> Festpreise für Diagnose-Fälle

Die Krankenhäuser rechnen mit den gesetzlichen Krankenkassen über festgelegte Preispauschalen pro Fall ab. Dabei müssen die Diagnosen nach einem internationalen Krankheits-Klassifizierungssystem ICD-10 verschlüsselt werden.

Im Prinzip gilt: Je komplizierter der Fall eingestuft wird, desto mehr Geld gibt es. Bei 14 000 ICD-Codes gilt eine richtige Verschlüsselung als schwierig – und ist abhängig davon, wie man den Fall bewertet. Darüber streiten sich Kontrolleure und Kliniken.

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