Kurzfilmtage

Kino-Trailer zwischen Werbung und Avantgarde

Trailer-Kunst aus dem historischen Hollywood: So dramatisch dröhnend wie das Schriftbild muss man sich auch die Sprecherstimme zu dieser B-Movie-Ankündigung vorstellen.

Trailer-Kunst aus dem historischen Hollywood: So dramatisch dröhnend wie das Schriftbild muss man sich auch die Sprecherstimme zu dieser B-Movie-Ankündigung vorstellen.

OBERHAUSEN.  Kurzfilmtage widmen großes Themenprogramm vom 1. bis 6. Mai der „Sprache der Verlockung“. Das Kuratoren-Duo aus LA blickt in die Werbe-Historie.

Jeder kennt sie, jeder sieht sie – Kinotrailer. Sie werben, erklären und übertreiben. Sind Trailer aber nur ein „dienendes“ Genre, reiner Werbefilm? Was macht ihre besondere Filmsprache aus? Wie hat sie sich mit der Entwicklung der Filmindustrie verändert? Die 65. Internationalen Kurzfilmtage widmen ihr großes Themenprogramm 2019 diesem Kurzfilm-Genre.

In acht Filmprogrammen mit knapp hundert Trailerbeispielen und zahlreichen Arbeiten von Künstlern wirft das Festival vom 1. bis 6. Mai einen genauen Blick auf ein Genre, dessen filmische Sprache zwar formbar, aber dennoch immer wiedererkennbar geblieben ist. Die beiden Kuratoren Cassie Blake und Mark Toscano kommen – wie sollte es anders sein – aus der (Lang)Filmhauptstadt Los Angeles.

Sogar mit frommen Ermahnungen

Zum Einstieg präsentiert Vinzenz Hediger eine Auswahl von Trailern, die mit ganz verschiedenen Methoden arbeiten, denn der Zusammenschnitt spektakulärer Filmszenen ist nur eine Möglichkeit unter vielen. Genutzt wurden im Lauf der Filmgeschichte ebenso zusätzlich gedrehtes Material, Blicke „hinter die Kulissen“ oder eigens gedrehte Präsentationen von Regisseuren oder Stars, die alle über den beworbenen Film hinausweisen.

Keith M. Johnston stellt ein Programm von Trailern zusammen, die neue Technologien anpreisen; von Cinemascope und Technicolor, die ihren Siegeszug im Kino antraten, über kurzlebige Gimmicks wie Odorama oder Percepto. Dem seltenen Phänomen weiblicher Stimmen im Trailer ist ein Programm gewidmet, und schließlich geht es auch um den Rest des Vorprogramms – um Werbung für Popcorn und Erfrischungen, aber auch für die Kindermatinee, oder sogar um fromme Ermahnungen, regelmäßig in die Kirche zu gehen.

Ein zweiter Strang des Themenprogramms präsentiert Künstler und Filmemacher, die Trailer für ihre eigene Arbeit nutzen. Unter dem Titel „Thin Premises / Shocking Exposés“ zeigen die Kurzfilmtage Arbeiten von Chris Langdon (heute Inga Uwais), die mit Hilfe des Trailerformats Themen und Kulturpraktiken von Picasso über Bondage bis zu Konzeptkunst satirisch und oft komisch aufs Korn nahm.

Parodistischer Tribut an das Genre

Der amerikanische Filmemacher Damon Packard hingegen, fasziniert vom Genrekino der 1970er und ‘80er Jahre, produzierte Arbeiten, die formal von ihren Vorbildern kaum zu unterscheiden sind. Titel wie „The Early 70s Horror Trailer“ oder „Space Disco One“ sind gleichzeitig parodistischer Tribut ans Genre. Ein Programm mit Arbeiten von Peggy Ahwesh und Stan Brakhage zeigt, wie Künstler und Filmemacher die Sprache der Trailer in ihren Arbeiten neu interpretiert und kommentiert haben.

>>>>>> Bis April gibt’s nur Gutscheine

Der Karten-Vorverkauf für die 65. Internationalen Kurzfilmtage vom 1. bis 6. Mai startet erst im April – ein genaues Datum ist noch nicht terminiert. Gutscheine gibt’s allerdings bereits jetzt im Festival-Kino Lichtburg, Elsässer Straße 26, „in beliebiger Höhe“, wie Kufita-Sprecherin Sabine Niewalda versichert.

Einzeltickets kosten 8 Euro, Zehnerkarten 40 Euro und der Festivalpass für alle sechs Tage 90 Euro, ermäßigt 70 Euro. Online informiert die Webseite www.kurzfilmtage.de.

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