Stadtentwicklung

Klarer Aufschwung im Wohnpark Bebelstraße in Oberhausen

Im neu gestalteten Innenhof des Wohnparks Bebelstraße versammelten sich die Teilnehmer an der SPD-Sommerschule am Mittwoch.

Im neu gestalteten Innenhof des Wohnparks Bebelstraße versammelten sich die Teilnehmer an der SPD-Sommerschule am Mittwoch.

Foto: Foto: Michael Dahlke / FUNKE Foto Services

Oberhausen.  Von bemerkenswerten Fortschritten im früheren Problemviertel City West erfuhren Teilnehmer an der SPD-Sommerschule beim Besuch in Lirich.

Er ist eine Hochhaussiedlung der 1970er Jahre, der Wohnpark Bebelstraße in Lirich. Auch heute sind hier eher nicht die Menschen zuhause, die es sich auf der Sonnenseite des Lebens bequem gemacht haben. Trotzdem ist die Anlage recht ansehnlich. Sauber ist es hier, von Graffiti und Vandalismus keine Spur. Ruhig geht es zu. Bunt sind die Fassaden und großzügig die Außenanlagen. Von all dem hat sich die Sommerschule der SPD am Mittwochnachmittag einen Eindruck verschafft.

Rund 30 Personen waren dazu in den Innenhof des Wohnparks gekommen. Dort gaben ihnen Benedict Neugebauer und Yvonne Grupe einen umfassenden Überblick. Neugebauer koordiniert die sozialen Aktivitäten im Wohnpark. Grupe vom niederländischen Eigentümer Brack Capital Properties (BCP) verwaltet als Quartiersmanagerin die 475 Sozialwohnungen.

Siedlung mit 475 Sozialwohnungen

Dass der Wohnpark mittlerweile keine negativen Schlagzeilen mehr macht, liegt auch daran, dass alle vor Ort tätigen Akteure eng kooperieren: der Eigentümer, die Stadt, ihre Kindertagesstätte, die Arbeiterwohlfahrt mit ihrer Sozialberatung und dem Kindertreff sowie der Verein Jugendclub Courage.

Nach den nüchternen Fakten ist die frühere Neue-Heimat-Siedlung auch heute ein sozialer Brennpunkt, wie Neugebauer darlegte: In einem Drittel der Familien lebt meist die Mutter allein mit den Kindern zusammen. Jede fünfte Familie hat mindestens drei Kinder. Mehr als ein Drittel der Haushalte lebt von Sozialhilfe, bei den rund 700 Kindern und Jugendlichen sind es über 50 Prozent. Knapp die Hälfte der Bewohner hat eine Zuwanderungsgeschichte. Insgesamt hat der Wohnpark rund 2400 Bewohner.

Bewohner mit vielfältigen Problemen

„Selten haben die Menschen hier nur ein Problem allein“, fuhr Neugebauer fort. Damit deutete er an, dass Armut, Arbeits- und Jugendarbeitslosigkeit, Sprachschwierigkeiten, gesundheitliche Probleme wie Suchtkrankheiten häufig in Kombination auftreten würden. Das schränke die Chance, ein selbstbestimmtes Leben führen zu können, stark ein. Andererseits seien die Wohnungen bezahlbar, die Betreuungsangebote gut, der hohe Anteil junger Menschen halte die Siedlung lebendig und der Zusammenhalt sei ausgeprägt, vor allem unter den Müttern.

Seit 2008 wird Schritt für Schritt modernisiert

Neugebauer und Grupe waren sich einig, dass sich die Siedlung in den letzten Jahren zu ihrem Vorteil entwickelt hat. 2008 übernahm BCP sie von der Landesentwicklungsgesellschaft (LEG). Seitdem hat der neue Eigentümer beständig darin investiert, auch dank öffentlicher Fördermittel. „Von 2012 bis 2016 haben wir die Außenanlagen erneuert“, berichtete Grupe. Von den 2,1 Millionen Euro, die das gekostet hat, hat BCP 600.000 Euro übernommen. Alle Spielplätze seien nach den Vorstellungen der Kinder neu gestaltet worden. Überhaupt würden die Bewohner, so gut es geht, in Entscheidungen eingebunden. Sie selbst für Aktivitäten zu gewinnen, sei aber schwierig.

Kaum noch Leerstände

Ende 2017 sei von Fernwärme auf eine neue Gaszentralheizung umgestellt worden, erklärte die Quartiersmanagerin. 18 von insgesamt 21 Aufzügen wurden für 1,3 Millionen Euro erneuert. Noch in diesem Jahr seien neue Haustüren an der Reihe, von 2021 dann abschnittsweise die Fenster. All das reduziere die Wohnkosten, mache die Wohnungen auch für Mieter, die keine Sozialhilfe beziehen, angesichts ihrer zentralen Lage interessant. Der Anteil der leer stehenden Wohnungen sei gegenüber 2008 von 25 Prozent auf drei bis fünf Prozent gesunken. Die Kita habe sich vergrößern können. Zwei Wohnungen dienten künftig als Seniorentreff. Vereinsamung sei aber ein noch ungelöstes Problem.

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