Industriekultur

Klein Philipp schwingt in Oberhausen den Schmiedehammer

Schmied Ludger Ellefred zeigt Maximilian, wie man am Amboss den Hammer schwingt.

Schmied Ludger Ellefred zeigt Maximilian, wie man am Amboss den Hammer schwingt.

Foto: Jörg Schimmel / FUNKE Foto Services

Oberhausen.  Bei Ludger Ellefred im LVR-Industriemuseum an der Essener Straße kann man lernen, wie man ein heißes Eisen anpackt.

Mächtige Zeugnisse der Industriekultur stehen auf dem Hof des LVR-Industriemuseums Peter-Behrens-Bau an der Essener Straße: eine Turbinenwelle, Kessel und ein Roheisen-Transportwaggon, außerdem eine riesige Pleuelstange von einem Antrieb auf der ehemaligen Zeche Oberhausen, abgelegt auf einem betagten achtachsigen Schwerlastwagen der Eisenbahn. Hammerschläge ertönen von der Seite. Unter einem großen Sonnenschirm, der diesmal den Regen abhält, demonstriert Schmied Ludger Ellefred Interessierten an diesem Sonntagmittag sein Handwerk. Mehr noch: Sie dürfen mit ihm zusammen schmieden.

„Man muss ja in den Herbstferien irgendetwas mit den Kindern unternehmen“, sagt Andreas aus Schmachtendorf, der Vater von Philipp (8) und Maxim (11). Und da habe er sich mit seinen Jungs für das Angebot des Museums entschieden, mal das Schmieden auszuprobieren. An jedem dritten Sonntag im Monat bietet Ellefred es hier im Sommerhalbjahr an, an diesem Tag zum letzten Mal in diesem Jahr.

Arbeitshandschuhe in Kindergröße

Philipp kommt etwas zögerlich nach vorn. Bruder und Vater stehen neben einem mächtigen Ofen aus Eisen, dem Schmiedeherd, auf dem ein offenes Feuer lodert. Wuchtig wirkt er vor allem deshalb, weil sein blecherner Aufsatz, die Esse, so hoch ist. Sie schützt das Feuer vor Zugluft und lässt den Rauch abziehen. Der Schmied hängt dem kleinen Jungen eine Schürze um, die ihm bis zu den Schuhen reicht. Dann finden sich sogar ein paar Arbeitshandschuhe in Kindergröße.

Der kräftige Mann geht ein paar Schritte zurück in seinen Werkstattcontainer, ergreift eine auf dem Boden liegende Eisenstange und einen Bolzenschneider und trennt damit ein etwa 20 Zentimeter langes Stück Eisen von der Stange ab. Dann schiebt er noch eine Holzkiste vor den aufgebockten Amboss, auf dem er gleich zusammen mit Philipp ein Stück Eisen bearbeiten wird.

Aber zunächst schiebt er das Eisen an einer Zange in die Glut. „Das ist Steinkohle, 1000 Grad heiß“, erklärt er. Funken und eine grelle Flamme steigen auf. Das Feuer wird mit Luft von unten angefacht. Nach vielleicht 20 Sekunden zieht der Schmied das Eisen, das jetzt an seinem Ende goldgelb glüht, mit der Zange aus der Glut und trägt es hinüber zum Amboss, diesem schweren Eisenklotz. Auch Philipp ergreift jetzt einen schweren Hammer. Abwechselnd schlagen der große und der kleine Schmied auf eine Seite des Eisens, das der Schmied mit der anderen Hand auf den Amboss hält.

Von goldfarben in dunkelrot verwandelt

Philipp muss beide Hände für den schweren Hammer nehmen. Aber auch unter seinen Schlägen nimmt die runde Stange nach und nach Form an. Immer wieder schiebt der Schmied sie erneut in die Glut. Dann wieder bearbeiten die beiden Handwerker es erneut, bis es sich von goldfarben in dunkelrot verwandelt hat. „Es glüht in dieser Zeit um 500 Grad ab“, sagt der Fachmann.

Aus der einen Seite des Eisenrohres ist inzwischen eine flache Klinge geworden. Die andere Seite wird ebenfalls bearbeitet, indem Philipp und sein Meister daraus zunächst eine sich schneckenförmig einrollende Spitze formen und das glühende Stück schließlich mit aller Kraft an der Zange im Kreis drehen, nachdem es in einen Schraubstock gespannt wurde. Die zopfartige Form, die dadurch entsteht, kennt man von schmiedeeisernen Zäunen. Das Ganze wird noch etwas beigeschlagen und in einem Wasserbecken des Schmiedeherds abgekühlt, ehe Philipp es neugierig in der Hand hält.

Brieföffner oder Messer

Was er damit einmal anfängt, weiß der Junge noch nicht. „Wir spitzen es an und schnitzen damit“, sagt Vater Andreas. Jetzt ist Maxim an die Reihe, übernimmt die Schürze und folgt ebenfalls den Anweisungen des Meisters. In der Zwischenzeit hat sich eine weitere Familie dazugesellt und beobachtet die Arbeiten. Insgesamt zehn Personen können an einem Sonntag an der Aktion teilnehmen. Mit einer jungen Frau wird Ludger Ellefred gleich einen Brieföffner herstellen. Vater und Söhne aus Schmachtendorf haben aber genug von dem anstrengenden Handwerk und vom nasskalten Wetter. Die drei Museumsbesucher machen sich auf den Weg zurück ins Gebäude, halten sich noch an einer alte Haubitze auf und treten wenig später die Heimfahrt an.

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