Theater

Komödie mit Biss: Eve formt Adam ganz nach Wunsch

„Pygmalion“ mit Perspektiven-Wechsel: Eike Weinreich und Lise Wolle

Foto: Laura Nickel

„Pygmalion“ mit Perspektiven-Wechsel: Eike Weinreich und Lise Wolle Foto: Laura Nickel

Oberhausen.   Neil LaButes „Das Maß der Dinge“ ist Andrea Loibners erste Regiearbeit. Eine Studentin verwandelt einen drögen Nerd in den Geliebten ihrer Wahl.

Er sitzt muffelig seine Zeit ab als studentisches Aufsichtspersonal in einem Kunstmuseum. Sie will barocke Prüderie entlarven – und mit der Farbspraydose auf das Feigenblatt einer Skulptur losgehen: So lernen sich Adam und Eve (eigentlich Evelyn) in Neil LaButes Komödie „Das Maß der Dinge“ kennen.

Die Premiere am Freitag, 17. März, um 19.30 Uhr im Malersaal des Theaters ist zugleich die Debüt-Inszenierung von Andrea Loibner. Vor zweieinhalb Jahren war die 26-Jährige aus Graz, Österreichs zweitgrößter Stadt, „ins Ruhrgebiet gestolpert“, wie sie sagt. Jetzt feilte sie mit Dramaturg Tilman Raabke an einem typischen „well made play“ von LaBute, dem Sohn eines Lastwagenfahrers aus Detroit. Der englische Begriff übersetzt sich so leichthin als „gehobener Boulevard“ – meint aber viel mehr. „LaButes Werke muss man knacken“, sagt Andrea Loibner. „LaBute arbeitet mit Liebe und Klugheit“, sagt Tilman Raabke.

Unattraktiver Nerd

Die Konstellation des Spiels gleicht einer Umkehrung des „Pygmalion“ von G. B. Shaw: Eve (Lise Wolle) verliebt sich in Adam (Eike Weinreich) und beginnt, den zunächst unattraktiven Nerd nach ihren Vorstellungen zu formen. Das Spiegel-Bild des jungen Paares sind die befreundeten Jenny und Philip (Angela Falkenhan und Moritz Peschke) mit ihrer konventionell amerikanischen Attitüde.

„Das Maß der Dinge“ hatte Neil LaBute 2000 geschrieben und – als ungemein produktives Multitalent – 2003 auch unter dem Titel „The Shape of Things“ mit Paul Rudd und Rachel Weisz verfilmt.

Überraschungsmoment

„Wir sind behutsam mit LaButes Realismus umgegangen“, sagt Andrea Loibner, die auch das Bühnenbild für ihre erste Regiearbeit schuf. Weil das große Überraschungsmoment der Handlung auf Eves Examensarbeit an der Kunstakademie zusteuert, werden nach und nach alle Gebrauchs-Gegenstände in dieser messerscharfen Komödie, so erklärt’s die junge Regisseurin, „zu Objekten von Eves großer Installation“.

Andrea Loibner hatte in Wien studiert, folgte aber einem Angebot für eine erste Regie-Hospitanz an das deutschsprachige Theater in Bozen nach Südtirol. Dort hörte sie von Oberhausen.

Kaum junge Menschen oder Cafés

„Hier habe ich durch die Assistenz ganz intensiv das Handwerk gelernt.“ Als Herausforderung erlebte die 26-Jährige die Stadt selbst: „Es gibt sehr wenige junge Menschen hier – kaum Cafés. Aber ich habe hier trotzdem meine Orte gefunden und meine Menschen.“

Karten für die Premiere kosten 18 und 5 Euro, für die zweite Aufführung am 30. März sind’s 14 und 5 Euro, Telefon: 0208 - 8578 - 184.

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