Bundeswehr-Werbung

Linke fordern Stopp von Bundeswehr-Werbung auf Bus und Bahn

Auch auf Großplakaten wie diesem wirbt die Bundeswehr für sich.

Auch auf Großplakaten wie diesem wirbt die Bundeswehr für sich.

Foto: Maurizio Gambarini/dpa

Oberhausen.   Der Bundestagsabgeordnete Niema Movassat kritisiert die Oberhausener Verkehrsbetriebe. Straßenbahn in Camouflage-Optik wirbt für die Bundeswehr.

Die Bundeswehr wirbt auch in Oberhausen um neue Rekruten. Plakate hängen unter anderem an Bushaltestellen, die Straßenbahn der Linie 112 fährt in Camouflage-Optik zwischen Oberhausen und Mülheim. Die Linke kritisiert die Verkehrsbetriebe (Stoag) dafür scharf.

„Die Werbung der Bundeswehr im öffentlichen Raum, im öffentlichen Nahverkehr, an Haltestellen und auch im direkten Umfeld von Schulen, ist verharmlosend, einseitig und manipulativ“, schreibt der Bundestagsabgeordnete Niema Movassat in einer schriftlichen Erklärung.

„Perfide und unehrliche Strategie“

Die größtenteils noch minderjährigen jungen Menschen sollen „auf emotionaler Ebene durch Abenteuer, Technik, Korpsgeist und Karriereperspektiven angesprochen werden, während die realen Gefahren, traumatisiert, verletzt oder sogar getötet zu werden und in Kriegseinsätzen auch selbst töten zu müssen, absichtlich ausgeblendet werden“. Für Movassat eine „perfide und unehrliche Strategie“ der Bundeswehr.

Die Stoag, als städtisches Tochterunternehmen, besitze eine ganz besondere Bedeutung für den Schutz von Kindern und Jugendlichen in Oberhausen „und sollte nicht als Werbefläche für den gefährlichen militärischen Dienst zur Verfügung stehen“, sagt Movassat. Er fordert das Unternehmen auf, die Kooperation mit der Bundeswehr umgehend zu beenden.

Stoag von Kritik wenig beeindruckt

Bei der Stoag zeigt man sich dagegen wenig beeindruckt von der Kritik der Linken. Er sehe keinen Grund dafür, Werbung einer staatlichen Einrichtung abzulehnen, lässt Geschäftsführer Werner Overkamp über seine Sprecherin Sabine Müller wissen. Kommentieren könne die Stoag dabei auch lediglich die Werbung auf der Straßenbahn, für Plakate an den Haltestellen sei ausschließlich die Firma Ströer verantwortlich.

Für die Bundeswehr-Werbung auf der Straßenbahn ist dagegen die Stoag verantwortlich. Zum allgemeinen Prozedere erklärt Sabine Müller: Unternehmen melden sich bei der Stoag mit der Bitte, auf Bussen oder Bahnen werben zu dürfen. Die Stoag prüft – und wenn die Werbung weder gegen das Gesetz noch gegen „gute Sitten“ verstoße, wird ein Vertrag aufgesetzt, der die Dauer der Werbung sowie die Bezahlung regelt. Zum Vertrag mit der Bundeswehr macht die Stoag keine weiteren Angaben.

UN-Ausschuss für die Rechte des Kindes

Niema Movassat argumentiert indes mit dem UN-Ausschuss für die Rechte des Kindes, der die Bundesregierung wiederholt aufgefordert habe, Werbung für die Bundeswehr bei Kindern und Jugendlichen zu unterlassen. Die Zahl der minderjährigen Soldaten in der Bundeswehr habe sich in den vergangenen Jahren mehr als verdreifacht. Sie beträgt laut Movassat inzwischen nahezu zehn Prozent der freiwillig Grunddienstleistenden.

Für Movassat ein Skandal. „Junge Menschen werden mit falschen Erwartungen geködert. Die Linke fordert den sofortigen Rekrutierungsstopp Minderjähriger inklusive der Einstellung sämtlicher an Jugendliche gerichtete Werbemaßnahmen.“

Leserkommentare (2) Kommentar schreiben