Ausstellung

Malerische Tricks mit Lupen, Linien und Rillen

Durch die Lupe: Erst entdeckte der Maler die Vergrößerungsgläser im Kaufhaus – etwas später fand er die trickreiche Verwendung für eine neue Gemälde-Serie.

Foto: Kerstin Bögeholz

Durch die Lupe: Erst entdeckte der Maler die Vergrößerungsgläser im Kaufhaus – etwas später fand er die trickreiche Verwendung für eine neue Gemälde-Serie. Foto: Kerstin Bögeholz

OBERHAUSEN.   Andreas Bausch bemalt Zehn-Meter-Papierbahnen und Schellack-Schallplatten. Seine Ausstellung im Zentrum Altenberg ist nur an drei Tagen geöffnet.

Schade – so eine kleine Ausstellung für so große Kunst. Nur an drei Tagen öffnet die „Kurzausstellung“ des Vereins für aktuelle Kunst (VfaKR) mit der Werkschau des 51-jährigen Malers und studierten Filmemachers Andreas Bausch im Zentrum Altenberg. Eine kleine Chance, die allzu schnell verpasst ist. Dabei sollte man sich Zeit nehmen – nicht nur, um an den gewaltigen „Musterbildern“ im Gardemaß von anderthalb mal zehn Metern betrachtend entlang zu flanieren.

Wie schon mit seiner vielfältigen Sommerausstellung „Members please“ lässt sich der VfaKR auch von Andreas Bausch gerne an die Grenzen seines gestrengen Farbfeld-Konzeptes führen. Der Wiesbadener malt in seinem Kölner Atelier sogar Werkreihen, die man als neuzeitlich-ironische „Seestücke“ deuten kann – mit Bootssilhouetten auf grauem Horizont. „Mit Landschaftsmalerei kann ich hier nicht aufwarten“, weiß der vielseitige Maler.

Muss er auch nicht, denn auch sein Oeuvre konkreter Malerei zeigt sich in der weiten Halle so vielfältig wie gewitzt. „Ganz frei und spontan“ entstehen seine Musterbilder auf langen Papierbahnen. Er hatte sogar schon eine Hundert-Meter-Rolle gekauft – „die konnte ich kaum heben“. Die Grammatik dieser Werkreihe, sagt Andreas Bausch, „ist die Wiederholung bis hin zur Auflösung“. Man könnte die Wirkung auch als malerisches Äquivalent einer Tonschleife beschreiben. Tatsächlich möchte Bausch, der in Köln auch beim Filmemacher Robert van Ackeren („Die flambierte Frau“) studiert hatte, seine Musterbilder abfilmen, um sie wie als Loop zu schneiden.

„Ganz schlimme Schlager“

Ihm gefällt auch die Idee, seine Schallplatten-Bilder in kreisende Bewegung zu setzen. Eine Nadel kann man allerdings nicht mehr auf die mit Nitroacryl- Sprayfarbe übermalten Schellack-Schätzchen setzen. „Das waren ganz schlimme Schlager“, sagt der 51-Jährige fast entschuldigend, „ich habe alle Platten vorher angehört“.

Er schätzt die „pelzige“ Oberfläche des äußerst zerbrechlichen Schellacks, schätzt „die Rille und das Runde“ als Vorgaben für die aufgesprayten Formen, deren unscharfe Ränder selbst bei der still an der Wand hängenden Platte kreisende Bewegung vortäuschen.

Als „Trickser“ mit feinem Sinn für Humor beweist sich Andreas Bausch auch mit seinen Lupen-Objekten. Denn das Bild-Fünftel unter der Lupe zeigt eine ganz andere Oberfläche – oder andere Farben – als die nicht vom Vergrößerungsglas überdeckte Bildfläche. Der Effekt, den man also zunächst dem „Zoom“ zuschreiben möchte, ist vor allem ein malerischer. Der Künstler erinnert an die „Renaissance-Idee von den Augen, die einen aus einem Gemälde im Vorbeigehen verfolgen“.

Die Kurzausstellung eröffnet am Sonntag, 8. Oktober, um 11.30 Uhr. Danach ist sie nur noch am Samstag, 14.10., von 15 bis 18 Uhr und Sonntag, 15.10., von 11 bis 14 Uhr zu sehen.

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