Historisch wohnen

Mieter an Gustavstraße fordern Sanierung der Arbeiterhäuser

Kämpfen für die Sanierung (v. li.): Künstler Thomas Lehmen, Monika Okon und Klaus Theis.

Foto: Kerstin Bögeholz

Kämpfen für die Sanierung (v. li.): Künstler Thomas Lehmen, Monika Okon und Klaus Theis. Foto: Kerstin Bögeholz

OBERHAUSEN  Kleine, historische Arbeitersiedlung an der Gustavstraße strahlt besondere Atmosphäre aus. Mieter dringen auf zügige Sanierung der zwölf Häuser.

. Der Verein zum Erhalt der Gustavstraße mit der Vorsitzenden Monika Okon an der Spitze fordert eine zügige Sanierung der dortigen historischen Arbeiterhäuser. Bei der Prozession zum jüngsten Theaterfest hielten Vereinsmitglieder und Unterstützer Plakate in die Höhe. Ihre Forderung lautet: Es muss schnell eine klare Perspektive für die Backsteinhäuser geben.

Die Gustavstraße liegt in der Nähe des Zentrums Altenberg, denn in der ehemaligen Zinkfabrik gingen die Menschen, die hier um 1900 lebten, zur Arbeit. In den 1890er Jahren entstanden die eineinhalbgeschossigen Häuser, die sich schnurgerade aufreihen; neun stehen auf der südlichen Seite der Straße, drei auf der nördlichen; macht zusammen zwölf Häuser.

Seit 1985 steht die Siedlung unter Denkmalschutz

Einst waren es sogar 13 Gebäude, doch eines der Häuser an der Ecke Gustavstraße/Wernerstraße wurde in den frühen 1980er Jahren abgerissen. Seit 1978 gehört die Siedlung der Stadt. 1985 wurde sie unter Denkmalschutz gestellt.

Die über 100 Jahre alten Arbeiterhäuser strahlen einen einzigartigen Charme aus. Umgeben von viel Grün stellen sie ein steinernes Denkmal der Industrialisierung Oberhausens dar. Die Häuser verfügen über einen so genannten Kreuzgrundriss. Es gibt vier Wohnungen je Gebäude (= 48 Wohnungen), jeweils mit einem eigenen Eingang ausgestattet und 55 Quadratmeter groß, was heutigen Ansprüchen in den meisten Fällen nicht mehr genügt.

Zehn Wohnungen stehen schon leer

„Zehn Wohnungen in der Siedlung stehen bereits leer“, klagt Monika Okon. „Wenn das so weiter geht, gibt es hier bald nur noch die Hälfte der Bewohnerschaft.“

Das wollen Monika Okon und ihre Mitstreiter verhindern. „Wir wollen wissen, wie der aktuelle Verhandlungsstand ist“, sagt Klaus Theis, Diplom-Sozialwissenschaftler. Im September 2015 gab es einen Ortstermin, an dem ranghohe Vertreter aus Stadtverwaltung und NRW-Städtebauministerium teilnahmen. Damals sei signalisiert worden, dass es gute Aussichten gebe, die Sanierung der Häuser mit Landes- und EU-Mitteln zu realisieren.

Doch seitdem sei nichts passiert, klagen Monika Okon und Klaus Theis. Überfällig sei die (energetische) Sanierung der Siedlung, die vielfach noch mit Kohle beheizt werde; zudem sei der Zuschnitt der Wohnungen zu verändern, damit größere Flächen für neu einziehende Familien entstehen. Aus Sicht der Bewohner hat schnell etwas zu geschehen. Beim nächsten Theaterfest wollen sie mit ihren Plakaten möglichst nicht wieder protestieren müssen.

Stadt wartet auf den Förderbescheid

Bei der Stadt ist man sich durchaus bewusst, dass die Gebäude an der Gustavstraße saniert werden müssen. Renovierung und Modernisierung sind daher fest geplant, Gelder dafür sollen aus dem Topf des Projektes „Brückenschlag“ kommen.

„Wir gehen davon aus, dass das auch klappen wird“, sagt Oberhausens zuständige Dezernentin Sabine Lauxen. Aber der Förderbescheid sei noch nicht da. Die Verzögerung erklärt Lauxen mit dem Wechsel der Landesregierung.

Leere Wohnungen sind als Ausweichquartier zu nutzen

Ziel der Umbauten: Heizkosten sollen gespart werden, klimaschädliche Ausstöße durch die jetzigen Kohleöfen minimiert werden. Auch ein weiterer Wunsch der Mieter soll in Erfüllung gehen: neue Grundrisse der Wohnungen.

Dass derzeit einzelne Wohnungen leer stehen, ist für Immobiliendezernent Jürgen Schmidt ein Vorteil: Wenn die Sanierung starte, brauche man leere Wohnungen, in die die jetzigen Mieter während der laufenden Bauarbeiten ausweichen können.

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