Hausverwaltung

Mieter beschwert sich über die Verwaltung des Europahauses

An „Sperrmüll abladen verboten“ hält sich hier nicht jeder. Der abgeladene Müll hat auch schon gebrannt, die Spuren wurden weiß übermalt.

An „Sperrmüll abladen verboten“ hält sich hier nicht jeder. Der abgeladene Müll hat auch schon gebrannt, die Spuren wurden weiß übermalt.

Foto: Kerstin Bögeholz

Der Vermieter hat das Kautionskonto von Klaus Grambau grundlos gepfändet. Nach 38 Jahren wird aus seiner Wohnung am Friedensplatz ausziehen.

Die Liste seiner Beschwerden ist lang: Sperrmüll, Scherben und Zigarettenkippen im Innenhof, ein Wasserschaden, um den sich niemand kümmert, und ein grundlos gepfändetes Mietkautionskonto. Seit 38 Jahren wohnt Klaus Grambau im Europahaus, der einstigen Vorzeigeimmobilie am Friedensplatz. Bald wird er ausziehen: „Das hält man ja nicht mehr aus hier.“

Erst vor ein paar Tagen hätten Kinder in der Tiefgarage mit Feuerlöschern gespielt. „Mein Auto sieht jetzt aus wie mit Puderzucker bedeckt“, sagt Klaus Grambau. Das Problem seien aber nicht die Kinder, sondern das defekte Garagentor. Denn nur weil dieses dauerhaft offen steht, kamen die Kinder überhaupt in die Tiefgarage hinein. Der Mieter beklagt: „Das funktioniert schon seit zwei Monaten nicht. Einige Tage stand es halb offen, da kam man weder rein noch raus.“ Ob das Auto geschützt in einer Tiefgarage stehe oder an der Straße, das habe ja schließlich Relevanz für die Versicherung.

Der Verwalter des Europahauses, die Zentral Boden Vermietung und Verwaltung GmbH (kurz: ZBVV), die die Immobilie im Mai 2017 von der Firma Industria Wohnen übernommen hat, hat sich bislang nicht um das defekte Tor gekümmert. In dem Duisburger Büro des Unternehmens, das seinen Hauptsitz in Erlangen hat, sei kaum jemand zu erreichen, so der Mieter.

Kein Hausmeister vor Ort

Auch Mails und Anrufe der Redaktion blieben unbeantwortet. Ruft man den für das Europahaus zuständigen Mitarbeiter an, landet man in einer Warteschleife. „Zahl der Anrufer vor ihnen: 18“, sagt eine Computerstimme. Einen Hausmeister, der regelmäßig vor Ort ist, gibt es laut Klaus Grambau schon lange nicht mehr. „Seit dem letzten Vermieterwechsel ist es besonders schlimm.“

Die ZBVV wirft ihm vor, eine Monatsmiete im Rückstand zu sein. „Da kommt man aus dem Urlaub und hat schon wieder eine Mahnung im Briefkasten“, erzählt er. Besonders seiner Frau mache die Situation zu schaffen. Klaus Grambau hat sich an den Mieterschutzbund gewandt. Das Problem: Grambau hat die Miete für Mai 2017 noch an den alten Vermieter gezahlt. Dieser hat das Geld aber nicht an die ZBVV weitergeleitet.

Das hat auch der zuständige Mitarbeiter erkannt. „Ich denke in der Praxis fehlt die Mai Miete, welche Sie, wie alle anderen Mieter, noch an die Industria überwiesen haben. Leider kam von der Industria kein Geld von Ihnen. Ich werde mich aber jetzt an die wenden und fragen, ob Geld von Ihnen noch dort liegt“, schreibt er im Januar 2018 in einer Mail, die der Redaktion vorliegt. Anfang Oktober kündigte die Commerzbank schließlich an, sein Mietkautionskonto – knapp 1100 Euro – innerhalb von vier Wochen zu pfänden.Das ist inzwischen geschehen, woraufhin Klaus Grambau auf Anraten des Mieterschutzbundes die Mietzahlungen eingestellt hat.

Niemand fühlt sich verantwortlich

„Das halte ich nervlich nicht mehr aus“, sagt der Mieter, der inzwischen eine neue Wohnung für sich und seine Frau gefunden hat. „Aber so ein Umzug kostet natürlich auch.“ Die Grambaus müssen sich fast komplett neu einrichten, ihre Wohnung im Europahaus hat viele Einbaumöbel.

Und dann ist da ja noch das Problem mit dem Wasserschaden im Bad. „Eine Badewanne in der vierten Etage ist übergelaufen“, erzählt der Oberhausener. Die Spuren sind auch in seiner Wohnung im ersten Stockwerk zu sehen. „Die alte Verwaltung hat das so lange hinausgezögert, bis sie nicht mehr zuständig waren. Der neue Vermieter sagt, man sei nicht verantwortlich, weil der Schaden aus der Zeit stammt, als die Industria noch Verwalter war.“ Alle Mails und Briefe, die Klaus Grambau zu diesem Thema geschrieben hat, hat er aufbewahrt. „Ich hoffe, dass das bei den Wohnungsübergabe keine Probleme gibt.“

Das Europahaus steht unter Denkmalschutz

Das Europahaus am Friedensplatz wurde von 1955 bis 1957 von den Architekten Hans Schwippert und Erich Schöllgen gebaut. Es steht seit 2010 unter Denkmalschutz. Das Europahaus hat rund 170 Wohnungen und 15 Ladenlokale.

Im Europahaus gibt es auch einen Kinosaal, in dem einmal 1200 Leute Platz fanden. Derzeit wird der Saal nicht genutzt. Bis 2014 beheimatete das Europahaus auch ein Hotel. Dieser Teil des Hauses wurde zu Wohnungen umgebaut.

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