Integration

Migranten sorgen als Rettungsschwimmer für Sicherheit

Sorgen für die Sicherheit der Badbesucher (v.l.): Dogus Tunc, Volkan Albayrak, Ramadan Zulfiji und Ludwig Asenso.

Sorgen für die Sicherheit der Badbesucher (v.l.): Dogus Tunc, Volkan Albayrak, Ramadan Zulfiji und Ludwig Asenso.

Foto: Martin Möller / FUNKE Foto Services

Oberhausen.  In Oberhausen kümmern sich Migranten als Rettungsschwimmer um das Wohl der Schwimmbad-Besucher. Thema Sicherheit wird dabei zur heißen Kartoffel.

Jugendliche haben in diesem Sommer Schwimmmeister im Essener Oststadtbad angegriffen. In Haltern gab es eine Schlägerei mit rund 20 Beteiligten. Dortmunder Freibäder setzen an Wochenenden neuerdings regelmäßig Sicherheitskräfte ein. Der Bundesverband Deutscher Schwimmmeister beklagt eine generell zunehmende Aggressivität und Probleme, die auch auf „kulturelle Unterschiede“ durch Zuwanderer zurückzuführen seien. Nur in Oberhausen herrschen offenbar paradiesisch-harmonische Zustände.

„Wir haben hier keine Probleme“, versichert Jens Vatheuer, Leiter des Aquaparks dem hohen Besuch, der sich aus dem NRW-Integrationsministerium für diesen Tag angekündigt hat: Staatssekretärin Serap Güler habe in der Zeitung von einem deutschlandweit einmaligen Projekt in Oberhausen gelesen – und gedacht: „Wow, das ist doch mal ein guter Ansatz, auch vor dem Hintergrund der vielen negativen Schlagzeilen der vergangenen Monate.“ Unter dem Titel „Jugendliche Migranten sollen für Ruhe im Schwimmbad sorgen“ berichteten wir vor wenigen Wochen über dieses Projekt, Medien in ganz Deutschland griffen das Thema auf.

Sicherheit zunächst kein Thema

Doch nun, beim Ortstermin im Aquapark, zu dem auch Vertreter der Bild-Zeitung und des WDR gekommen sind, liegt der Fokus woanders: Das Projekt mit dem Titel „Sprungbrett in den Job“ diene in erster Linie der beruflichen Integration, darauf legen die Beteiligten im Gespräch mit Serap Güler großen Wert. Über das Thema Sicherheit in Freibädern oder Probleme mit Zuwanderergruppen verliert zunächst niemand ein Wort. Die zu Rettungsschwimmern ausgebildeten Jugendlichen erzählen, wie sehr es ihnen im Spaßbad gefällt, wie spannend die Arbeit und wie toll das Kollegen-Team ist. Und wie dankbar sie sind, eine Chance bekommen zu haben, auf dem Arbeitsmarkt Fuß zu fassen. Betriebsleiter Jens Vatheuer verweist auf den Fachkräftemangel bei Schwimmmeistern und meint, das Projekt habe sich schon jetzt bewährt.

Dagegen unterstrich der Oberhausener Integrationsrat vor wenigen Wochen noch den Sicherheitsaspekt: Jugendliche aus Zuwandererfamilien könnten gerade in Konfliktsituation mit Migranten besser helfen. Denn von Streit und üblen Taten sei auch der Aquapark nicht gefeit – sowohl von Urdeutschen als auch von Zuwanderern. Tatsächlich stellt man beim Blick in die Polizeiberichte fest: Im vergangenen Jahr gab es einen Streit zwischen zwei Männern, der im anliegenden Parkhaus mit dem Einsatz einer Gaspistole und einer gefährlichen Körperverletzung endete. In den beiden Jahren zuvor kam es zu mehreren Fällen von sexueller Belästigung.

„Probleme werden hier auf Deutsch gelöst“

Der Integrationsrat hat das Projekt mit dem Kommunalen Integrationszentrum, der Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) und dem Aquapark initiiert und betreut. Integrationsrats-Geschäftsführer Ercan Telli verwies damals auf eine besondere Fähigkeit der Jugendlichen: Sie sprechen viele verschiedene Sprachen – dies wirke deeskalierend.

Doch dies hat für Dieter Kalthoff vom Integrationszentrum kaum Bedeutung: „Probleme werden hier auf Deutsch gelöst.“ Ein Rettungsschwimmer, der eine der vielen afrikanischen Sprachen spreche, käme auch nicht weiter, wenn ein Streithahn nur Türkisch rede. Der Integrationsrat konnte sich beim aktuellen Termin nicht äußern – sowohl Geschäftsführer Ercan Telli als auch die Vorsitzende Nagihan Erdas weilen noch im Urlaub.

Heiße Kartoffel

Doch warum behandeln die übrigen Akteure bei der Pressekonferenz das Thema Sicherheit wie eine heiße Kartoffel? Nach eigener Aussage hat sich Dieter Kalthoff vom Integrationszentrum sehr über schlimme Kommentare im Internet geärgert. Rechte Hetzer hatten den Bericht über das Projekt damals genutzt, um vor allem in den sozialen Medien auf üble Weise Stimmung gegen Menschen mit Migrationshintergrund zu machen.

Positive Wirkung hat das Projekt dagegen auf umliegende Städte. Dort wolle man das Konzept übernehmen und ebenfalls Zuwanderer zunächst zu Rettungsschwimmern und nach Möglichkeit im Anschluss zu Schwimmmeistern ausbilden, erklärt Oberhausens neuer Sport-Dezernent Jürgen Schmidt.

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