Kurzfilmtage

Mit Untertiteln erzählen Schüler eine neue Geschichte

Fünftklässler machen inklusive Untertitel: Die jungen Filmschaffenden der Fasia-Jansen-Gesamtschule in Oberhausen waren mit Begeisterung bei der Sache.

Foto: Kerstin Bögeholz

Fünftklässler machen inklusive Untertitel: Die jungen Filmschaffenden der Fasia-Jansen-Gesamtschule in Oberhausen waren mit Begeisterung bei der Sache. Foto: Kerstin Bögeholz

Oberhausen.   Was Zuschauer oft stört, ist für Gehörlose unerlässlich: Untertitel. 13 Oberhausener Schüler schreiben sie beim Projket der Kurzfilmtage selbst.

Weiß wie die Kinoleinwand ist das Mädchen mit dem Wurm in der Hand. Ekel ist ihr ins Gesicht geschrieben – doch es hilft nichts: im norwegischen Kurzfilm „Vill mark“ (deutsch: „Eindringlinge“) würgt sie den sich windenden Wurm wirklich herunter.

Ein Schlucken oder ein „Igitt“ – davon ist nichts zu hören. Denn der Ton auf dem Laptop von Medienpädagogin Cathrin Ernst ist ausgeschaltet; und alle paar Sekunden drückt die Projektleiterin dazu die Pausetaste. „Was passt jetzt dazu?“, fragt sie ihre Schüler, die alle in bequemen roten Sesseln der Lichtburg sitzen. „Musik?“

Redeverbot schützt vor Ideenklau

„Fünftklässler machen inklusive Untertitel“ heißt das Projekt der Oberhausener Kurzfilmtage. 13 Schüler der Fasia-Jansen-Gesamtschule und der Essener David-Ludwig-Bloch-Schule machen mit. Einige von ihnen können hören. Einige können es nur schwer oder gar nicht. Freilich, nicht nur deshalb ist die Arbeit am fünfminütigen Film anders und mitunter schwierig: „Drei Tage, davon zwei hier im Kino und einmal an der Schule – das erfordert von den Kindern volle Konzentration und viel Kreativität“, erklärt Cathrin Ernst.

Die Lichtburg dient den Schülern als Arbeitsplatz, finanziert wird der Workshop durch die „Aktion Mensch“.

Zwei Teams, ein Film – daher herrscht Redeverbot zwischen den Gruppen. Fasia-Schüler Ken Thuong ist wie die anderen aufgeregt, aber auch zum Stillschweigen verpflichtet. „Wir dürfen ja nicht erzählen, was für eine Geschichte wir haben.“ Wozu jedoch diese Geheimniskrämerei? Ist das Absicht?

Selma Brand ist ebenfalls Medienpädagogin und leitet die zweite Gruppe. Sie erklärt ausführlich: „Es geht uns darum, dass alle selbst überlegen, was im Film geredet werden könnte und sich von jedem Kind etwas in der Geschichte wiederfindet. Am Ende wollen wir natürlich zwei verschiedene Filme herausbekommen.“

Dafür haben die Schüler drei Tage Zeit. Dann erfolgt die Premiere – inklusive Popcorn. Geplant sei, die zwei Filmfassungen im Mai während der Kurzfilmtage zu zeigen; vor einem deutlich größeren Publikum. Ob er im Mai selbst wiederkommt, weiß Ken nicht. „Meistens ändert sich diese Meinung aber nochmal“, sagt Cathrin Ernst, „weil die Eltern und Verwandten dabei sind“.

Sie sei stolz auf das, was die Schüler bisher erreicht haben, denn „im Prinzip schreiben die Kinder mit den Untertiteln ja komplett neue Drehbücher. Sie bestimmen, wie die Charaktere heißen und worum es geht.“

Musik soll dramatisch sein

So handelt eine Geschichte von Engeln und bösen Hexen ohne Warzen, während in der Gruppe von Ken eine fiese „Gang“ auf zwei Mädchen namens Lara und Lilli trifft, die nur ihre Regenwürmer beschützen möchten.

Nur bei der Musik sind sich die Teams einig: Dramatisch soll sie sein. Und dabei wird deutlich: Hierfür braucht es vor allem eins: ein feines Gespür für Untertitel.

>>>Norwegische Regisseurin Thea Hvistendahl

Die Kurzfilmtage widmen sich bei ihrer 64. Auflage vom 3. bis 8. Mai dem Schwerpunkt „Abschied vom Kino“. „Vill Mark“ ist ein Kurzfilm (5:24 min.) der norwegischen Regisseurin Thea Hvistendahl von 2016.

Zuletzt arbeitete sie als Regieassistentin beim Science-Fiction-Thriller „Thelma“ von Joachim Trier. In der ursprünglichen Version von „Eindringlinge“ geht es um zwei Schwestern, die am Fluss in ihrem neuen Wohnviertel spielen. Plötzlich werden sie in ihrer Zweisamkeit von zwei anderen Mädchen gestört, die wissen wollen, wer sie sind und was sie in ihrem Revier zu suchen haben.

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