Klimawandel

Naturschützer: 100-jähriger Ahorn wurde einfach abgeholzt

Die Baumscheibe an der Otto-Weddingen-Straße.

Die Baumscheibe an der Otto-Weddingen-Straße.

Foto: Jörg Schimmel / FUNKE Foto Services

Oberhausen.  Die Naturschützer vom Bund werten die jüngste Baumfällung an der Otto-Weddigen-Straße als falsches Signal und fordern Aufklärung.

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Die jüngste Fällung eines rund 100 Jahre alten Silberahorns an der Otto-Weddigen-Straße erhitzt weiterhin die Gemüter. Die Oberhausener Kreisgruppe des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) zeigt sich nun erschrocken darüber, dass so ein „mächtiger und gesunder Silberahorn mit einer Dringlichkeitsentscheidung zu Fall gebracht wurde“.

„Dem Klimawandel entgegenwirken“

Der BUND verweist auf die aktuelle Diskussion um Klimawandel und Sommerhitze: Eine hohe Anzahl der Oberhausener Stadtbäume sei aufgrund des extrem heißen und trockenen Sommers 2018 abgestorben und solle gefällt werden. In Zeiten des Klimawandels seien Bäume unverzichtbar, um das Treibhausgas CO₂ zu binden und so dem Klimawandel entgegenzuwirken.

Sprecherin Cornelia Schiemanowski vom BUND unterstreicht: „Wir müssen die Bäume erhalten, das ist für uns Menschen wichtig, aber auch für viele Tierarten.“ Der Silberahorn zum Beispiel gelte dabei als einer der wichtigsten Bienenbäume überhaupt. Er blühe früher als die meisten anderen Ahornarten. So erscheine die Blüte bereits im Februar noch vor dem Laubaustrieb und reiche bis Ende März. Zu dieser Zeit gebe es fast keine andere Blütentracht für Bienen und Hummeln.

Von Bienen gierig belagert

Fast kein anderer Ahorn bilde zudem so viel Nektar wie der Silberahorn. Er werde zur Hauptblütezeit von Bienen gierig belagert. Die BUND-Aktiven erklären: „Für Bienen und andere Insekten ist die Fällung eines 100 Jahre alten gesunden Silberahorns ein großer Verlust und trägt zum Artenschwund bei. Selbst wenn mehrere Ersatzbäume dieser Art gepflanzt würden, könnte der Verlust in vielen Jahren nicht ausgeglichen werden, denn der Ahorn zeigt erst nach ca. 12 Jahren seine ersten Blüten.“

„Ein falsches Signal“

Am Montag haben nun Mitglieder der BUND-Kreisgruppe Oberhausen sich vor Ort an der Otto-Weddigen-Straße den Baumstumpf den Silberahorns und die Baustelle angesehen. Cornelia Schiemanowski: „Es ist ein falsches Signal, wenn in einer fragwürdigen Dringlichkeitsentscheidung ein ökologisch wertvoller Baum gefällt wird, obwohl es unbeantwortete Fragen zur Notwendigkeit der Fällung gab. Wir fordern die Stadtverwaltung auf, Baumschutz und Klimaschutz endlich ernstzunehmen.“

„In Zukunft genauer hinschauen“

In Gesprächen mit den Anwohnern sei zudem deutlich geworden, dass die Baumfällung von vielen Menschen im Umfeld sehr bedauert werde. Die Aufklärung der zweifelhaften Dringlichkeitsentscheidung könne vielleicht dazu beitragen, „dass in Zukunft bei beantragten Baumfällungen genauer hingeschaut wird und vor allem, dass der Erhalt der Bäume Priorität haben sollte“.

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