Baustellen

Neue Technik macht Baustellen im Ruhrgebiet leiser

Detlef Demming von der Firma Mesken zeigt, dass man den Flüssigboden nach mehreren Tagen ganz einfach entfernen kann.

Detlef Demming von der Firma Mesken zeigt, dass man den Flüssigboden nach mehreren Tagen ganz einfach entfernen kann.

Foto: Kerstin Bögeholz

OBERHAUSEN.   Oberhausen testet ein neues Mittel, um Baugruben zu füllen. Es macht weniger Lärm als das alte Betonverfahren. Das Ruhrgebiet könnte profitieren.

An der Vandalenstraße in Schmachtendorf testen Arbeiter im Auftrag der Wirtschaftsbetriebe Oberhausen (WBO) erstmals eine neue Technik, um Baugruben zum Beispiel bei Kanalerneuerungen in Zukunft effektiver zu verfüllen. Statt Beton gießen sie sogenannten Flüssigboden in die Grube – das hat viele Vorteile.

Flüssigboden ist allerdings nur eine umgangssprachliche Bezeichnung, die richtige lautet „zeitweise fließfähiger selbstverdichtender Verfüllbaustoff“. Der wird in die Baugrube gegossen, fließt von alleine um das eingesetzte Kanalrohr und verschließt alle Hohlräume. Es ist nicht nötig, den Flüssigboden zum Beispiel durch den Einsatz von Rüttelplatten zu verdichten. Dieser für Anwohner besonders nervige Lärm an Dauerbaustellen fällt weg – und zudem entstehen weniger Vibrationen. Das ist vor allem in Wohngebieten ein Vorteil im Vergleich zum üblichen Beton.

Außerdem kann der Flüssigboden leichter wieder entfernt werden, falls noch einmal an den Rohren gearbeitet werden muss. Detlef Demming von der Firma Mesken macht es vor. Mit einem einfachen Spaten hebt er den Boden leicht aus, der vor Tagen in die Baugrube gefüllt wurde. „Ein bisschen wie in Holland am Strand“, findet WBO-Sprecher Jan Küppers.

Die Baustelle an der Vandalenstraße ist die erste in Oberhausen, an der der Flüssigboden eingesetzt wird. Das Institut für Unterirdische Infrastruktur (IKT) mit Sitz in Gelsenkirchen, verschiedene Kommunen und die Wirtschaftsbetriebe haben einen Arbeitskreis gegründet, um herauszufinden, welche Anforderungen der Flüssigboden erfüllen muss, um als Standardmaterial genutzt werden zu können.

Denn das ist das Ziel. „Wenn die Ressourcen knapper werden, dann wird das immer mehr eingesetzt werden“, ist sich der WBO-Bauabteilungsleiter Jörg Alders sicher.

Aus drei Komponenten hergestellt

Hergestellt wird der Flüssigboden aus drei Komponenten: Sand, Wasser und einem Zusatzstoff, genannt Compound. Wie bei einem Kuchenrezept müssen die Mengen stimmen. Mit Hilfe eines Baggers und einer speziellen Schaufel wird er dann in die Baugrube gefüllt – etwa drei Meter hoch, darüber kommen dann rund 65 Zentimeter Schotter und Asphalt.

Das Infrastruktur-Institut hat an der Vandalenstraße Proben genommen. „Wir haben hier bislang sehr gute Erfahrungen gemacht“, sagt Alders. Entscheidend sei, dass der Boden so fest ist, dass er der Belastung des Verkehrs standhält.

Bislang kostet das neue Verfahren noch genauso viel wie das herkömmliche mit Beton. Das könnte sich ändern, wenn der alte Sand, der aus der Baugrube ausgehoben wurde, für den Flüssigboden verwendet werden kann. So könnten Transport und Deponierungskosten reduziert werden. Das wird derzeit ebenfalls getestet.

>>> VOM INFRASTRUKTUR-INSTITUT GESCHULT

Die G. Mesken GmbH, Hoch-, Tief- und Straßenbauer aus Bocholt, erneuert an der Vandalenstraße den Kanal auf rund 150 Meter zwischen Ferdinandstraße und Schmachtendorfer Straße. Im Juni sollen die Arbeiten abgeschlossen sein.

Auch die Mitarbeiter verwenden den Flüssigboden zum ersten Mal. Sie wurden einen Tag lang im Institut für Unterirdische Infrastruktur geschult und am ersten Tag auf der Baustelle von Experten begleitet, um eine falsche Anwendung zu verhindern.

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