Fluss-Umbau

Nächster Schritt zur sauberen Emscher in Oberhausen

Man beachte die klitzekleinen Arbeiter mit orangefarbener Jacke am Fuß der 45 Meter tiefen Baugrube.

Man beachte die klitzekleinen Arbeiter mit orangefarbener Jacke am Fuß der 45 Meter tiefen Baugrube.

Oberhausen.   Die Renaturierung der Emscher geht in die nächste Runde. Nun wurde der Auftrag für den Bau des Pumpwerks in Oberhausen vergeben.

Die Dimensionen sind gewaltig, doch von außen kaum erkennbar, denn das Meiste hat sich bislang unter der Erde abgespielt: Die 45 Meter tiefe Baugrube für das Pumpwerk Oberhausen an der Kurfürstenstraße in Biefang ist jetzt komplett ausgehoben, der Sockel ist betoniert: Der Aufbau des eigentlichen Pumpwerks kann beginnen.

Die Renaturierung der Emscher geht nun in Oberhausen weiter

Die Emschergenossenschaft, die das Jahrhundertprojekt der Renaturierung von Dortmund bis Dinslaken verantwortet, hat jetzt den Auftrag für den Bau der Oberhausener Anlage vergeben. „Der Zuschlag ging an die österreichische Firma Porr, das Auftragsvolumen umfasst knapp 23,5 Millionen Euro“, erklärt Ilias Abawi, Sprecher der Emschergenossenschaft.

In der gigantischen Baugrube mit einem Durchmesser von 46 Metern wird nun ein zylinderförmiger Schacht als Tiefbauteil hergestellt, der später die Maschinenräume für die Pumpen beherbergt. Auch an der Erdoberfläche tut sich etwas: Dort entsteht das Betriebsgebäude für das Pumpwerk mit Räumen für Transformatoren und Schaltanlagen.

Eine Brücke entlastet das Straßennetz in Oberhausen

Die Firma Porr ist laut Emschergenossenschaft bereits am Renaturierungsprojekt beteiligt – dieses Unternehmen verlegt den Abwasserkanal Emscher (AKE) unterhalb des Oberhausener Stadtgebietes in mehr als 30 Metern Tiefe. Auch den östlich angrenzenden, knapp 3,4 Kilometer langen Abschnitt des Abwasserkanals auf Bottroper Gebiet haben die österreichischen Spezialisten verlegt.

Für die Baumaßnahmen an der Kurfürstenstraße hat die Emschergenossenschaft im Jahr 2016 eigens eine neue, 75 Meter lange Brücke über die Emscher gebaut, um das ohnehin arg strapazierte Biefanger und Holtener Straßennetz von Lastwagen-Verkehr zu entlasten. Mit Hilfe eines 500-Tonnen-Krans war im vorigen Oktober die Brückenmontage vollendet worden. Die Baustellen-Transporte erreichen nun über die Brücke direkt die Oxea-Werkszufahrt und von dort aus schnell die Anschlussstelle Holten der Autobahn 3. Diese Lösung war immer wieder von Anwohnern gefordert worden.

Einst der dreckigste Fluss Europas

Die Emscher-Renaturierung startete Anfang der 1990er Jahre. Das Ziel eines Flusses ohne Abwasser klang seinerzeit noch wie eine Utopie – doch die Ziellinie rückt näher: Voraussichtlich Ende 2020 soll die Emscher, die einst als der dreckigste Fluss Europas galt, weitestgehend vom Abwasser befreit sein. An geeigneten Flussabschnitten – wie im Holtener Bruch – soll sie in Kurvenform gelegt werden und sich so natürlichen Gewässerformen annähern.

Die jetzt prognostizierten Gesamtkosten für die Renaturierung belaufen sich auf über fünf Milliarden Euro. Sie werden zu rund 80 Prozent von den Mitgliedern der Emschergenossenschaft (Bergbau, Industrie und Kommunen) getragen. Knapp 20 Prozent steuern das Land NRW und die EU bei.

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