Emscher

Emscherumbau nähert sich Biefang

In gut 40 Metern Tiefe wird der neue Abwasserkanal der Emscher gebuddelt – zurzeit geht’s in Richtung Biefang.

Foto: Ralf Rottmann

In gut 40 Metern Tiefe wird der neue Abwasserkanal der Emscher gebuddelt – zurzeit geht’s in Richtung Biefang. Foto: Ralf Rottmann

Oberhausen.  Die Emschergenossenschaft verlegt eine zehn Kilometer lange Doppelrohrtrasse in Richtung Biefang als weiteren Schritt zum sauberen Fluss.

Der Bau des Abwasserkanals Emscher unter dem Stadtgebiet von Oberhausen macht Fortschritte. Die Emschergenossenschaft (Eglv) verlegt derzeit in 40 Metern Tiefe eine zehn Kilometer lange Doppelrohrtrasse. Sie wird ihr Ziel in Biefang nach jetziger Schätzung im Frühjahr erreichen: die Baugrube des neuen Pumpwerks, dessen Bau im Mai 2016 im Holtener Bruch begonnen hat.

Die Arbeiten liegen im Zeitplan, sagt der Sprecher der Emschergenossenschaft, Ilias Abawi: „Wir hatten zwar kürzlich einen Fehlalarm, bei dem Löschpulver ausgelöst wurde. Das hat uns aber gezeigt, dass die Schutzvorkehrungen funktionieren.“

Sehr lange Strecken können bewältigt werden

Abawi nennt zudem Zahlen des Projekts: „Das südliche Rohr hat bereits 8448,66 Meter erreicht, es wurden insgesamt 7065 Kanalringe verlegt. Das nördliche Rohr misst mittlerweile 8399,04 Meter, bei insgesamt 7024 Ringen. Ein Kanalring besteht aus sechs einzelnen Elementen, die erst unter Tage wie ein Puzzle zu einem Rohr zusammengefügt werden.“ Dieses Vorgehen nennen Experten Tübbingausbau: Ein moderner Tübbing ist ein vorgefertigtes Betonsegment im Tunnelbau; in der Regel bilden sechs bis sieben Segmente einen vollständigen Ring.

Die Vorteile dieser Technik schildert Abawi: „Wir können damit sehr lange Strecken bewältigen. Anders als beim normalen Vortrieb, wo die Kanalrohre von hinten weitergeschoben werden, wird hier ein etwa 80 Meter großer Bereich ausgehoben, in dem dann der Kanal gebaut wird. Dieses Stück bleibt an Ort und Stelle, wird also nicht mehr verschoben.“ Das reduziere die Reibung, „denn die ist oft nicht gut“.

Der jetzige Bauabschnitt beginnt an der Stadtgrenze Bottrop/Oberhausen und endet in Biefang nahe de Autobahn 3. Im September 2014 hatte die Emschergenossenschaft mit den Tunnelbauarbeiten in Bottrop-Süd begonnen. Die beiden rund 80 Meter langen Tunnelbaumaschinen bohren sich seither parallel durch den Boden.

5,3 Milliarden Euro in 30 Jahren

Alle Baustellen entlang der Emscher sind Teil der Umgestaltung des Abwasserkanals mit seinen insgesamt 51 Kilometern von Dortmund bis Dinslaken. Sie sind wesentliche Bestandteile des Generationenprojekts Emscher-Umbau, in das die Emschergenossenschaft über fast 30 Jahre voraussichtlich rund 5,3 Milliarden Euro investieren wird.

Diese Kosten werden zu rund 80 Prozent von den Mitgliedern der Emschergenossenschaft getragen, also von Bergbau, Industrie und Kommunen. Knapp 20 Prozent steuern das Land NRW und die Europäische Union bei.

Der Umbau der Emscher wurde 1991 beschlossen und Anfang 1992 begonnen. Ende 2020 soll die Emscher, einst der „dreckigste Fluss Europas“, weitgehend vom Abwasser befreit sein und – wo Platz ist – naturnah umgestaltet werden.

Rodungen bereiten nächste Baustelle vor

Mit dem Bau mächtiger Kanalröhren allein ist es für die Neugestaltung der Emscher nicht getan. Und so wird die Emschergenossenschaft noch bis Ende Februar entlang des Hauptkanals Sterkrade Bäume roden. Das geschieht in einem Gebiet westlich der Erlenstraße zwischen der Autobahn-Anschlussstelle Holten und dem dortigen Sportplatz.

Diese Arbeiten dienen der Vorbereitung der Flächen für den später anstehenden Kanalbau entlang des Hauptkanals. „Die Emschergenossenschaft bittet die Anwohner um Verständnis, wenn es aufgrund dieser Rodungsarbeiten zu Lärmbelästigungen kommen sollte“, sagt Ilias Abawi, Sprecher der Emschergenossenschaft. Er erklärt auch den Hintergrund dieser Arbeiten: „Auch diese aktuelle Maßnahme ist ein Bestandteil des Generationenprojekts Emscher-Umbau.“

Die Emscher transportiert auf ihren 51 Kilometern Länge die Abwässer von mehr als 1,8 Millionen Einwohnern, Industrie und Gewerbe und leitet sie der Kläranlage Bottrop und dem Klärwerk Emschermündung zu.

Nach dem Umbau werden die Abwässer dem Hauptkanal über unterirdische Kanäle zugeführt. Für den Abwasserkanal hat man eine Trasse gewählt, die sich am alten Entwässerungssystem und damit am heutigen Verlauf des Flusses Emscher orientiert.

Auf 100 Jahre konzipiert

Abawi: „Die extreme Tiefenlage des Abwasserkanals Emscher ist technisch anspruchsvoll, birgt aber viele Vorteile. So können Anlagen wie Straßen, Bahnlinien oder der Rhein-Herne-Kanal und seine Schleusen unterfahren werden.“

Der Abwasserkanal Emscher wurde als Stahlbetonkanal konzipiert. Die künftigen Abwässer beanspruchen diesen Kanal in hohem Maße. Für den Abwasserkanal legten die Experten in der Planung eine Mindestnutzungsdauer von 100 Jahren fest.

>> DIE EMSCHERGENOSSENSCHAFT

Die Emschergenossenschaft ist ein öffentlich-rechtlicher Wasserwirtschaftsverband und wurde 1899 als erster seiner Art in Deutschland gegründet.

Die Aufgaben sind unter anderem die Unterhaltung der Emscher, die Abwasserentsorgung und -reinigung sowie der Hochwasserschutz. Mehr Info: eglv.de oder blog.eglv.de

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