Kirche

Neuer Pastoralreferent von St. Clemens in Oberhausen

Mark Bothe, der neue Pastoralreferent von St. Clemens in Sterkrade, stellt sich vor.

Foto: Gerd Wallhorn

Mark Bothe, der neue Pastoralreferent von St. Clemens in Sterkrade, stellt sich vor. Foto: Gerd Wallhorn

Der Pastoralreferent von St. Clemens in Oberhausen spricht die Sparmaßnahmen an. Er sagt, Kirche muss sich wandeln.

Sterkrade. Mark Bothe fegt in die Redaktion. Der 36-Jährige wirkt energiegeladen. Er spricht von Ideen, Projekten und Konzepten. Die Katholische Kirche muss 50 Prozent ihrer Ausgaben einsparen, muss etliche Gotteshäuser schließen. Bothe sieht, wie kritisch das ist, wie wichtig sakrale Orte für alle Menschen sind. Lebensraum-formend seien sie. Gleichzeitig ist er überzeugt: „Aber wenn wir in der Welt Fußabdrücke hinterlassen wollen, brauchen wir dafür keine Gebäude.“ So sucht der neue Pastoralreferent der Pfarrei St. Clemens im Norden der Stadt unbekannte Wege, den Glauben zu leben. „Der ist nicht von Gebäuden abhängig“, sagt er. „Wir sind eines der ärmsten Bistümer. Die Armut treibt uns voran in die Innovation.“ Sie müssten individuell werden. All die kleinen Gruppen bedienen.

Bothe gehört jetzt mit Pfarrer Peter Fabritz und Pastor Michael Danne zu dem Trio, das auf Pfarreiebene arbeitet. Dabei ist die Pfarrei St. Clemens – noch ein Superlativ – mit 32 000 Christen die zweitgrößte in ganz Deutschland. Sie ist städtisch und ländlich geprägt. Die Ansprüche der Menschen sind hier sehr verschieden.

Bothe wird Fabritz unterstützen. Unterstützen müssen. Der Propst und Pfarrer ist Seelsorger, als Stadtdechant für alle Priester zuständig, und zudem ist er noch Oberster Richter am Bischöflichen Offizialat (Kirchengericht). Dazu die Riesen-Pfarrei. Der neue Pastoralreferent ist trotz der zu erwartenden vielen Arbeit froh, im Bistum Essen arbeiten zu dürfen. Hier, wo der Bischof einsichtig sagte, die Volkskirche habe geendet. „Das gibt uns viel Freiheit, wir können uns ganz neue Konzepte ausdenken“, sagt Bothe. Dabei denkt er auch schon an Ökumene und daran, womöglich die Gebäude der Evangelischen Kirche mitzubenutzen.

Gründerbüro des Bistums

„Wir erfinden uns als Kirche neu“, überlegt Bothe. Im Bistum gebe es jetzt ein Gründerbüro, führt er gleich ein Beispiel an. Wer ein Projekt realisieren wolle, erhielte hier Tipps und finanzielle Unterstützung. Bothe selbst hat an seinem Ausbildungsort, der Pfarrei St. Urbanus in Gelsenkirchen-Buer, zwei Projekte umgesetzt. Zum einen einen Laden für Flüchtlinge eröffnet und zum anderen die Audio-Kirche ins Leben gerufen. Das heißt Kirchenbesucher haben mit Hilfe ihres Handys die Möglichkeit, bei einem Rundgang durch die Kirche ganz viel über das Gebäude zu hören. Bothe ist sich sicher, dass Kirche sich wandeln muss, um Menschen anzusprechen. Spiritualität sei gefragt wie eh und je. Selbst Werbebotschaften begännen mit dem Satz: „Ich glaube ...“

>>> IN MÜNSTER AUSGEBILDET

Wie wird man Pastoralreferent? „Ich bin Diplom-Theologe“, sagt Mark Bothe. Er sei in Münster ausgebildet worden, hätte auch Priester werden können. Doch zwei Berufe habe er für sich zunächst ausgeschlossen. „Lehrer wollte ich nicht werden, weil ich dachte, mir fehlt die Empathie“, erklärt er. Und irgendwas mit Kirche habe er auch nie machen wollen.

Trotz seiner Vorsätze wurde Bothe, der seit zwei Jahren mit einer evangelischen Christin verheiratet ist, Lehrer. Er unterrichtete am Berufskolleg Essen-West. Eine spannende Zeit sei das gewesen. Mit angehenden Fachkräften für Schutz- und Sicherheitsdienst habe er über die Menschenwürde gesprochen. Es sei nicht ganz einfach gewesen, deutlich zu machen, dass Menschenwürde nicht vom Geldbeutel abhänge, sondern gottgegeben sei.

Nach vier Jahren Schule kam die Kirche. „Heute sage ich, das muss gelenkt worden sein“, erklärt Mark Bothe.

Sein Bild von Kirche und Priestern war nicht gut. Sein erster Chef, Propst und Pfarrer Markus Pottbäcker in Gelsenkirchen, änderte das. Wohlwollen und Nächstenliebe zeichneten diesen traditionellen Priester aus. Bei ihm absolvierte Bothe seine dreijährige Ausbildung zum Diakon. Jetzt darf er alle Aufgaben eines Priesters jenseits der Sakramente übernehmen.

Auch interessant
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben
    Aus der Rubrik