Stadtentwicklung

Noch ist das Quartier Sterkrade nicht in Bewegung

Franz Linder war im Sommer 2017 für „Quartier in Bewegung“ in Sterkrade. 

Foto: Michael Dahlke

Franz Linder war im Sommer 2017 für „Quartier in Bewegung“ in Sterkrade.  Foto: Michael Dahlke

Oberhausen.   Politiker ziehen durchwachsene Bilanz zum jüngsten Modellprojekt. Diskussion und Fazit in der Bezirksvertretung.

Es ist schon paradox: Krankheiten wie Diabetes, Herzinfarkt oder Schlaganfall, sie haben auch etwas mit zu wenig Bewegung zu tun. Gleichzeitig wird jede zweite Strecke, die mit dem Auto zurückgelegt wird, über höchstens fünf Kilometer gefahren, über Entfernungen also, die sich auch zu Fuß oder mit dem Fahrrad zurückliegen ließen. Dass das auch umweltschädlich ist, liegt auf der Hand. Um ein Bewusstsein dafür zu schaffen, hat die Stadt mit dem Zentrum von Sterkrade 2016/17 am Modellprojekt „Quartier in Bewegung“ teilgenommen. Die Bezirksvertretung erhielt jetzt den Abschlussbericht.

Im Frühjahr wurde das Projekt beim Spiel- und Sportwochenende in Sterkrade präsentiert. Im Technischen Rathaus wiesen seitdem Aufkleber auf dem Boden darauf hin, dass man dank der erhaltenen Fitness drei Sekunden Lebenserwartung pro Treppenstufe gewinnt, die man statt des Aufzugs benutzt. In der Fußgängerzone waren Plakate zu sehen, die zeigten, wie dicht die meisten Einrichtungen im Ortsteil eigentlich beieinander liegen. Im Juni führte Franz Linder von der Agentur P 3 dies einer Gruppe von Interessierten bei einer Ortsbegehung auch praktisch vor. Außerdem interessierte ihn, welche Hindernisse die Bürger bei dem Bestreben sahen, mal auf das Auto zu verzichten.

Fragebögen mit geringem Rücklauf

Im Juli wurde über die dabei gesammelten Eindrücke in einem Forum diskutiert. „Ein aktiver Lebensstil kann den Alterungsprozess um 15 bis 20 Jahre nach hinten verschieben“, schärfte Linder den Teilnehmern dabei ein. Die hielten ihm unter anderem entgegen, dass zum Beispiel der Volkspark nicht attraktiv genug sei, um ihn als Abkürzung zu benutzen – von dem Problem, dabei an Trinkern oder Drogenabhängigen vorbei zu müssen, ganz zu schweigen.

Im August musste Linder bei einer „Mini-Zukunftskonferenz“ einräumen, dass es nicht gelungen war, genügend Bürger für die Aktion zu mobilisieren. So füllten nur 21 Personen ei­nen von der Sporthochschule Köln entwickelten Fragebogen zum eigenen Bewegungsverhalten aus. Es lohnte nicht, ihn wissenschaftlich auszuwerten.

Fit für die Zukunft

Aber die Stadt ist ja auch gerade erst dabei, Sterkrade mit Mitteln der Städtebauförderung fit für die Zukunft zu machen. Und dazu gehört es, den Aufenthalt draußen für die Menschen angenehmer zu machen. Ein Konzept soll Aufschluss darüber geben, wie mehr Menschen dazu gebracht werden können, kurze Strecken gesundheitsfreundlich und umweltschonend zurückzulegen. Dazu gehört zum Beispiel die Beleuchtung der Wege im Volkspark.

Über all das informierte Linder zum Abschluss die Bezirksvertreter. Zu den Hinweisen dabei gehörte auch, Fußgänger mit Schildern darauf hinzuweisen, wie kurz die Entfernungen zu wichtigen Orten in Sterkrade ist. Das könnte sogar kurzfristig umgesetzt werden. An geeigneten Haltestellen könnten statt Sitzbänken auch Schaukeln aufgestellt und im Park Gute Hoffnung ein Bewegungsparcours angelegt werden. Schwarze Heide könnte mit einer Brücke über die Bahn an den Volkspark angeschlossen werden. In der Bezirksvertretung plädierte die SPD dafür, das Nahmobilitäts- und das Freiraumkonzept zusammenzuführen und die nötigen Konsequenzen zu ziehen. Die CDU beklagte die bescheidene Resonanz des Projekts. „Offen für Bürger“ plädierte dafür, vor dem Ausbau von Radwegen erst einmal mehr für die Diebstahlsicherung bei Fahrrädern zu tun.

>> EIN GEMEINSCHAFTSPROJEKT

„Quartier in Bewegung“ ist ein Gemeinschaftsprojekt von NRW-Landesregierung, Landessportbund, Sporthochschule Köln und der Arbeitsgemeinschaft fußgänger- und fahrradfreundlicher Städte und Gemeinden.

Jedes Jahr wird die Aktion in zwei Kommunen durchgeführt. 2016/17 waren das Hamm und Oberhausen. Die Aktion hat rund 70 000 Euro gekostet, von denen die Stadt selbst zehn Prozent aufbringen musste. Mit der Durchführung war in den Sommermonaten 2017 die Kölner Agentur „P 3“ für Kommunikation und Mobilität beauftragt.

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