Kirchen-Zukunft

Osterfeld plant Kirchen-Zukunft ohne Abrissbirne

Propst Christoph Wichmann (St. Pankratius; rechts), hier im Gespräch mit Pfarrer Vinzent Graw, schildert PEP in Osterfeld.

Foto: Lars Fröhlich

Propst Christoph Wichmann (St. Pankratius; rechts), hier im Gespräch mit Pfarrer Vinzent Graw, schildert PEP in Osterfeld. Foto: Lars Fröhlich

Oberhausen.   Die St. Pankratius und St. Antonius werden weiterhin erhalten bleiben, für andere Standorte werden Investoren für neue Nutzungen gesucht.

„Das vielleicht größte Aha-Erlebnis für viele Gemeindeglieder war die Erkenntnis, dass die Veränderungen in der Kirche jetzt beginnen und nicht erst 2030.“ Das sagt Propst Christoph Wichmann über den Pfarrentwicklungsprozess, den das Bistum Essen angeschoben hat und bei dem bis 2030 die Hälfte der Ausgaben eingespart werden muss. Auch in Osterfeld wurde in den vergangenen Monaten genau hingeschaut, welche Kirchen und Gemeindehäuser künftig erhalten bleiben und für welche neue Nutzungen entwickelt werden sollen. Ein erstes Ergebnis: Die Propsteikirche St. Pankratius an der Bottroper Straße bleibt – auch über 2030 hinaus – ebenso wie die Kirche St. Antonius Klosterhardt.

„Wir haben von Anfang an auf Transparenz Wert gelegt, haben den Prozess auf unserer Internetseite dokumentiert, aber auch in Aushängen und bei Versammlungen,“ sagt Christoph Wichmann. Immerhin hatten sich bis zu 200 Menschen an den Diskussionen beteiligt und in Arbeitsgruppen Ideen gesammelt. In 35 sogenannten M-Häusern haben die Osterfelder ihre Vorschläge zusammengestellt – vom Kirchentaxi über Kitas bis hin zu Seniorenheimen und Stätten der Begegnung.

Für Christoph Wichmann ist es wichtig, „die Lust auf Veränderungen bei den Menschen zu wecken“: „Es soll bei diesem Prozess keine Gewinner und Verlierer geben. Und die Menschen sind realistischer, als man vielleicht denkt. Sie bemerken doch schon seit Jahren, dass sich die Kirche verändert und verändern muss. Viele sehen darin auch Chancen.“

Kirchentaxi für ältere Gläubige

Dabei ist ihm durchaus bewusst, dass es vor allem die älteren Kirchgänger sind, denen ein Abschied von „ihrem“ Gotteshaus schwerfällt: „Sie sorgen sich, wie sie dann in den Gottesdienst kommen sollen. Das verstehe ich.“ Ein Kirchentaxi könnte hier beispielsweise Abhilfe schaffen.

Während nun St. Pankratius und St. Antonius sicher bleiben, sollen die anderen Standorte wie St. Josef Heide und St. Marien Rothebusch mit Hilfe von Investoren auch erhalten bleiben: „Hier sind Mehrfachnutzungen mit Cafés, Kunst- und Kultur-Angeboten denkbar, in denen auch kirchliche Angebote erhalten bleiben“, sagt Wichmann. Der Bau von Häusern für Demenz-Wohngruppen auf kirchlichem Grund und Boden sei ebenfalls eine Möglichkeit. Erste Anfragen von Investoren seien bereits eingegangen. In St. Pankratius und St. Antonius werden aber nicht nur die Kirchen erhalten bleiben, auch die Gemeindehäuser werden weiterhin kirchlich genutzt: „Sie bleiben damit Vollstandorte.“ In kirchlichen Diensten bleibe auch das Gemeindehaus von St. Josef Heide.

„Wir wollen nicht den Kahlschlag proklamieren“

Propst Wichmann: „Wir wollen nicht den Kahlschlag proklamieren und uns auch nicht unter Wert verkaufen. Unsere Standort haben Qualitäten und die wollen wir künftig mit neuen Akzenten zu Orten der Begegnung ausbauen. Wir planen in Osterfeld die kirchliche Zukunft ohne Abrissbirne.“ Auch weil der Denkmalschutz schon den Abriss der Kirchen St. Pankratius, St. Josef Heide und St. Antonius Klosterhardt verhindere.

Bis zum Jahresende werde die Osterfelder Pfarrei ihre Vorschläge dem Bistum Essen zur Bewilligung vorlegen: „Die Arbeit an konkreten Lösungen und neuen Nutzungen wird dann im kommenden Jahr beginnen,“ sagt Wichmann.

>>>>>>>>> Arbeit an drei Handlungsfeldern

Bei dem im Jahre 2016 initiierten Pfarrei-Entwicklungsprozess (PEP) sollen die Pfarreien herausfinden, wie Kirche im Jahr 2030 aussehen soll. Der Prozess wird dafür in drei Handlungsfelder unterteilt: Sehen — Urteilen — Handeln.

Die Osterfelder Pfarrei St. Pankratius informiert in ihrem Blog regelmäßig über den Planungsstand: pep-osterfeld.de

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