Quartiersarbeit

Theaterprojekt verbindet Schüler und Senioren in Oberhausen

Ab ins Hasenkostüm: Auch das zählt zum Stück „Tabuzone“, das im Seniorenzentrum „Gute Hoffnung Leben“ derzeit erarbeitet wird und das am 27. Mai im Malersaal des Theaters Oberhausen zu sehen sein wird.

Foto: Kerstin Bögeholz

Ab ins Hasenkostüm: Auch das zählt zum Stück „Tabuzone“, das im Seniorenzentrum „Gute Hoffnung Leben“ derzeit erarbeitet wird und das am 27. Mai im Malersaal des Theaters Oberhausen zu sehen sein wird. Foto: Kerstin Bögeholz

Oberhausen-Sterkrade.   Akteure rücken alltägliche Probleme im Pflegeheim in den Fokus. Das generationenübergreifende Projekt soll mit Vorurteilen aufräumen.

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Kostümproben, Sprechübungen und Schauspieltraining statt Kaffee, Kuchen und Bingo: Im Neuapostolischen Seniorenzentrum „Gute Hoffnung Leben“ wird fleißig geprobt. Neun rüstige Senioren bereiten sich zusammen mit Theaterpädagogin Michaela Kuczinna auf die Premiere ihres Theaterstücks „Tabuzone“ im Theater Oberhausen am 27. Mai vor.

Die Agentengeschichte spielt in einem Altersheim und verbindet Jung und Alt. Auch Schüler sind dabei: Der jüngste Teilnehmer des generationenübergreifenden Projekts ist 16 Jahre alt, der älteste 87. Dabei stoßen die Organisatoren auf völlig neue Probleme, denn die Gruppen müssen teils getrennt proben, weil einige Schauspieler vormittags in der Schule sind.

Generationen tauschen sich aus

Gemeinsame Aktivitäten gibt es trotzdem, denn beide Gruppen haben sich viel zu erzählen. „Jugendliche haben im Prinzip ähnliche Probleme wie die Senioren“, sagt Kuczinna. Vor allem Fragen der Selbständigkeit beschäftigen beide Gruppen: „Die Jüngeren kommen in die Autonomie, die Älteren im Heim verlieren sie Schritt für Schritt“, erklärt Kuczinna.

Das Theaterstück thematisiert ganz alltägliche Probleme im Pflegeheim ohne Tabus. Die Schauspieler stellen zum Beispiel die Vorlieben beim Körperwaschen im Pflegeheim nach oder fragen, ab welchem Alter Frauen keinen Bikini mehr tragen sollten. Besonderheit: Die Bewohner im Stück sind Agenten.

Inge Dittgen ist 80 Jahre alt und seit der ersten Stunde an dem Projekt beteiligt: „Wir freuen uns jede Woche auf die Proben und haben immer viel Spaß. Ich habe oft Tränen gelacht“, erzählt sie. Theatererfahrung hat sie, wie die meisten Teilnehmer, keine. „Wir bekommen oft Sprechübungen als Hausaufgaben“, sagt Rosemarie Linden (84). Sie kommt seit zwei Jahren regelmäßig in die Einrichtung und ist begeistert von dem neuen Projekt.

Auch Ingo Mersmann, bekannt durch die Ausstellung „Top Secret“ im früheren Oberhausener Spionage-Museum, lobt das Projekt. Als Geheimdienst-Experte unterstützt er Autor Thorsten Bihegue, spielt aber auch selbst eine Rolle in dem Stück. Er lobt die Atmosphäre bei den Proben: „Hier ist es entspannter als im Theater. Die Schauspieler werden mehr mit einbezogen“, sagt er.

„Perspektivwechsel erreichen“

Bihegue hofft, durch die ungeschönte Darstellung der Realität Vorurteile abzubauen. Auch Kuczinna sagt: „Wir möchten einen Perspektivwechsel erreichen.“

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