Ev. Kirche

Wunschcafé soll in Gotteshaus einziehen

Die Kirche an der Kempkenstraße inmitten einer Siedlung steht unter Denkmalschutz; das gilt es, bei Nutzungskonzepten zu bedenken.

Foto: Gerd Wallhorn

Die Kirche an der Kempkenstraße inmitten einer Siedlung steht unter Denkmalschutz; das gilt es, bei Nutzungskonzepten zu bedenken. Foto: Gerd Wallhorn

Schmachtendorf.   Die ev. Kirche an der Kempkenstraße steht vor der Entwidmung. Nun haben Gemeindemitglieder ein Konzept für die Weiternutzung ab 2019 entwickelt.

Im Januar 2019 wird es leise im Dorf, denn dann rufen die Glocken der evangelischen Kirche an der Kempkenstraße am Sonntagmorgen nicht mehr zum Gebet. Nie wieder. Dieses evangelische Gotteshaus wird entwidmet. Daran führt kein Weg mehr vorbei; die Vorbereitungen dafür laufen bereits. Aus Kostengründen muss eine der beiden Kirchen der Gemeinde Königshardt/Schmachtendorf aufgegeben werden. Die Wahl fiel auf die Kirche in Schmachtendorf.

Um dem schmerzlichen Abschied in Schmachtendorf doch etwas Positives abzugewinnen, kämpfen die Gemeindemitglieder nun um die Weiternutzung des traditionsbehafteten Gebäudes im Ortskern. „Wunschcafé“ – diesen Titel trägt das Nutzungskonzept, das die Gemeindemitglieder Daniela Handwerk, Verena Altena und Silke Hartmann am Sonntag bei der Gemeindeversammlung in Schmachtendorf vorstellten.

Ein Wunsch ist auch der Grund für das Engagement der Frauen: Sie wollen – wie viele andere Schmachtendorfer – das denkmalgeschützte Kirchengebäude nebst Pfarrhaus nach dem Ende des Gottesdienstbetriebs nicht sich selbst überlassen.

Hintergrund des Prozesses ist die Gemeindefusion der evangelischen Gemeinden Königshardt und Schmachtendorf. Diese bedeutete vor allem, mit alten Traditionen abzuschließen. In Königshardt fiel das Gemeindehaus der Zusammenlegung zum Opfer, in Schmachtendorf ist es die Kirche.

Das scheint für die Bürger besonders schmerzlich zu sein, verbinden sie mit diesem Ort doch so viele Erinnerungen. Hochzeiten, Taufen, Trauergottesdienste: Diese Momente verbinden viele Schmachtendorfer mit „ihrer“ Kirche. „Die gute Nachricht ist, dass dieses Kirchengebäude weiter genutzt werden wird“, versuchte Pfarrerin Stephanie Züchner am Sonntag zu beruhigen.

Noch gibt es viele Hindernisse

Dazu soll die Kirche zum Veranstaltungszentrum werden. Musikveranstaltungen, Lesungen und Ausstellungen sollen bald dort stattfinden. Ein neu zu gründender Verein wird die Organisation und Finanzierung übernehmen. Im Pfarrhaus möchten Daniela Handwerk, Verena Altena und Silke Hartmann ein Café eröffnen. Außerdem sollen die oberen Stockwerke zu Ferienwohnungen und Seminarräumen umfunktioniert werden. Die Kosten dafür wollen die Frauen zum Großteil als Unternehmerinnen selbst tragen.

Ein Konzept, das trotz aller Trauer über die Entwidmung bei den Bürgern ankommt. Dennoch gilt es noch viele Hürden zu überwinden: Probleme drohen zum Beispiel beim Brandschutz und durch das Fehlen einer Behinderten-Toilette. Auch die Finanzierung steht auf wackligen Beinen, stützt sie sich doch hauptsächlich auf Mitgliedsbeiträge des noch nicht gegründeten Vereins.

60 Euro täglich kostet der Unterhalt der Kirche immerhin. Das haben die Verantwortlichen berechnet. Die Presbyteriumsmitglieder sind trotzdem positiv gestimmt: „Mit vereinten Kräften schaffen wir das“, sagte Jutta Maaß.

<<<<<Ausbleibende Kirchensteuereinnahmen<<<<<

453 Kirchen, Kapellen und Gemeindehäuser sind seit dem Jahr 2000 in NRW geschlossen worden. Der Grund: ausbleibende Kirchensteuer-Einnahmen.

Die Zahl der Gläubigen ist in den vergangenen Jahren massiv gesunken. Im katholischen Bistum Essen hat sie sich zum Beispiel in den vergangenen 60 Jahren halbiert.

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