Schlager-Baby

Oberhausen: Angelinas wundersame Geburt bei der Schlagerfete

Glückliche Mutter: Sarah Menrath durfte das Krankenhaus am Dienstag wieder verlassen. Auch einige TV-Teams berichteten über die ungewöhnliche Geburt.

Glückliche Mutter: Sarah Menrath durfte das Krankenhaus am Dienstag wieder verlassen. Auch einige TV-Teams berichteten über die ungewöhnliche Geburt.

Foto: Gerd Wallhorn / FUNKE Foto Services

Oberhausen.  Dramatische Geburt mit Happy End: Angelina erblickt früher als geplant das Licht der Welt – auf dem WC bei einer Schlagerparty in Oberhausen.

Du bist mein Glück, groß wie ein Planet. Sarah Menrath (28) nennt den munteren Feten-Song von Sänger Matthias Reim ihren ganz persönlichen Lieblingshit. Zu den Party-Rhythmen hat sie ihren Mann Heinz-Jürgen (58) kennengelernt. Und auch bei der Geburt ihrer Angelina kann sie das besungene Glück hinterher kaum fassen. Ihr kleiner Schatz kommt in der späten Samstagnacht während der Schlagerparty „Best of Popschlager“ in der Oberhausener Gaststätte „Klumpen Moritz“ zur Welt – notgedrungen in einer engen Toiletten-Kabine.

Sarah Menrath sitzt in ihrer Mietwohnung im Stadtteil Buschhausen und streicht Angelina über den kleinen Kopf, nennt sie liebevoll „kleine Maus“. Die Neugeborene nuckelt an ihrem Milch-Fläschchen. Sarah Menrath erinnert sich mit etwas Abstand an die dramatischen Momente, die ihr Leben um halb eins nachts mächtig durcheinanderwirbeln.

Kein Arzt, keine Hebamme – abgeschnitten durch eine WC-Tür

„Es kam von jetzt auf gleich“, sagt sie. „Ich spürte vorher keine Schmerzen. Mein Arzt hatte keine Bedenken, dass ich die Veranstaltung besuche.“ Eigentlich sollte ihre Tochter ja auch erst eine Woche später zur Welt kommen. „Mit meinem Schwager Udo Fenger und dessen Frau Martina hatte ich mich verabredet. Wir haben uns einen Sitzplatz an einem ruhigen Tisch abseits des Getümmels gesucht.“

Der Abend nimmt seinen Lauf. In der Region bekannte Popschlagersänger wie Michael Fischer („Wo bist du?“) und Nico Gemba („Der letzte Fox“) lassen weiter vorne in der Gaststätte vor mehreren Hundert feiernden Fans die Hände zum Himmel steigen.

Später geht Sarah Menrath auf die Toilette. Die Kabine hat sie abgeschlossen. Plötzlich spürt sie eine heftige Presswehe. „Angelina ist mein viertes Kind, ich wusste also, wie sich so etwas anfühlt.“ Doch die Tür kann sie nicht mehr eigenständig öffnen. „Ich habe nur noch geschrien!“ Den Kopf ihrer Tochter kann sie schon sehen, als die ersten Helfer an die Tür klopfen.

Nun geht alles blitzschnell. Ihre Tochter hat es ganz eilig. Sarah Menrath bringt sie eigenhändig zur Welt. Ohne Arzt, ohne Hebamme – abgeschnitten durch eine WC-Tür von anderen Besuchern. Eine absolute Sondersituation. Aber die Geburt ihrer drei vorherigen Kinder, zwei Töchter (7, 4) und ein Sohn (5), helfen ihr, wie sie sagt. „Natürlich habe ich mich zunächst in Schockstarre befunden, weil alles so schnell ging!“ Aber sie verfällt nicht in Panik, bringt das kleine Mädchen letztlich sicher zur Welt.

Kellner bringen Decken, Kissen und warme Waschlappen

Als Angelina schon schreit, kann sie die Tür der Kabine selbst öffnen. Kellner der Gaststätte bringen Decken, Kissen und warme Waschlappen. Türsteher sperren das WC ab. An die ersten Worte, die sie sagt, erinnert sich die Mutter noch ganz genau. „Kümmert euch um mein Kind, um mich könnt ihr euch später kümmern!“ Sie ist dankbar, dass sofort Helfer zur Stelle sind.

Der Notarzt trifft ein, Polizei fährt vor. „Angelina war da schon dick in Decken eingepackt. Der Notarzt hat sie zuerst gar nicht gesehen!“ Die erste Reaktion der Retter lässt alle aufatmen: „Die Kleine ist aber fit dabei!“ Sie wird ins Clemens-Hospital im Oberhausener Stadtteil Sterkrade gebracht, nur wenige hundert Meter von der Gaststätte entfernt. Ehemann Heinz-Jürgen, der als Dachdecker arbeitet, wird telefonisch benachrichtigt. „Als so spät das Telefon klingelte, wusste ich sofort, was los war!“

Angelina, ein Happy End! Welcher Schlagersänger zeitgleich zur heftigen Wehe auf der Bühne steht, dazu gehen die Meinungen auseinander. Popschlager-Veranstalter Andre Kusch spricht von Chriss Martin („Jetzt weiß ich Bescheid“). Sarah Menrath hat die Mallorca Cowboys („Das rote Pferd“) in Erinnerung. „Aber das war in diesem Moment auch nicht wichtig“, sagt sie und lächelt. Das Programm unterbrechen die Veranstalter sofort. Der Name der kleinen Angelina hat übrigens nichts mit Schlagermusik zu tun. Es ist eher eine spontane Eingebung während der Schwangerschaft: „Ich bin eines morgens aufgewacht und habe gedacht: Das wär’s doch!“

Kurios: Schon ihr heute fünfjähriger Sohn Luca kam unter besonderen Umständen zur Welt. Er erblickte in einem Oberhausener Krankenhaus zeitgleich mit dem Final-Tor von Mario Götze bei der Fußball-Weltmeisterschaft 2014 das Licht der Welt. „Die Ärzte rannten damals in den Kreißsaal und sagten: Jetzt haben wir ein Weltmeister-Baby!“, erinnert sich Vater Heinz-Jürgen.

Ob Angelina die musikalische Leidenschaft ihrer Eltern teilen wird, bleibt erst einmal offen. Ihre Geschwister sind allerdings schon Feuer und Flamme für die deutschsprachige Stimmungsmusik. Wenn ein Schlagersänger ihrer Angelina nun einen Song widmen würde? Die Meinung von Mama Sarah ist zu dieser Idee eindeutig: „Dann würden wir nicht nein sagen. Das kann er ruhig machen!“

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