Studium

Oberhausen: Kneipe Gdanska fördert Studentin mit Stipendium

Bekommt als erste das „Gdanska-Stipendium“: Die 20-jährige Mehtap Atasever. Sie studiert Mathematik an der Uni Duisburg-Essen. Im Hintergrund ihre Unterstützer (v.l.); Maria Golebiewski (Gdanska), Sabine Meder (Schulleiterin Fasia-Jansen-Gesamtschule) und Ralph Dera.

Bekommt als erste das „Gdanska-Stipendium“: Die 20-jährige Mehtap Atasever. Sie studiert Mathematik an der Uni Duisburg-Essen. Im Hintergrund ihre Unterstützer (v.l.); Maria Golebiewski (Gdanska), Sabine Meder (Schulleiterin Fasia-Jansen-Gesamtschule) und Ralph Dera.

Foto: Gerd Wallhorn / FUNKE Foto Services

Oberhausen.  Eine Oberhausenerin bekommt monatlich 300 Euro für ihr Mathematik-Studium. Damit will das Gdanska junge Frauen mit Migrationshintergrund fördern.

So manche Idee, die am Kneipentresen geäußert wird, bleibt eine Schnapsidee. Nicht so im Gdanska: Das beliebte polnische Restaurant am Oberhausener Altmarkt sprudelt nur so vor Eingebungen und Projekten, nicht selten sind es welche im Kulturleben. Dieses Mal geht es um den Bildungssektor: Maria und Czeslaw Golebiewski, die beiden Wirte der Kultkneipe, haben jüngst ein Stipendium für junge Studentinnen aus der Taufe gehoben.

Und eine aufgeweckte junge Frau darf sich als Erste darüber freuen: Die 20-jährige Mehtap Atasever bekommt zehn Monate lang 300 Euro ins studentische Portemonnaie. Damit wird sie bei ihrem Mathematik-Studium an der Uni Duisburg-Essen unterstützt.

Junge talentierte Frauen mit Migrationshintergrund fördern

„Wir wollen der Gesellschaft etwas zurückgeben“, erklärt Maria Golebiewski. „Als wir vor 30 Jahren mit unseren Kindern nach Deutschland gekommen sind, haben wir viel Herzlichkeit, Hilfe und Unterstützung erfahren.“ Schnell hätten sich die Golebiewskis integriert und wohlgefühlt, ihre Kinder eine gute akademische Ausbildung genossen. Das Stipendium stellt für das Ehepaar nun eine Art große Dankesgeste dar – und es hat auch noch einen weiteren Schwerpunkt: Gerade talentierte Mädchen mit Migrationshintergrund sollen vom „Gdanska-Stipendium“ profitieren.

„Wir wollen damit Mut machen, Persönlichkeit fördern und den jungen Frauen dabei helfen, souveräner zu werden“, betont Maria Golebiewski, die genau weiß, wovon sie spricht. Trotz der berühmten Anpacker-Mentalität und Macher-Attitüde der beiden Gastwirte galt es aber erst einige Fragen zu klären, etwa: Wie finden wir eine geeignete Stipendiatin? Wie verwalten wir das Geld? Eines war allerdings klar: „Es muss um Mathematik gehen.“ Das hat Czeslaw, selbst studierter Mathematiker und Ozeanograf, von Anfang an betont.

Kneipengäste halfen den Gdanska-Inhabern auf die Sprünge

Da das Gdanska am Altmarkt ein wahrer Schmelztiegel ist, in dem die unterschiedlichsten Oberhausener zusammenkommen, waren jene Fragen schnell an die kundigen Gäste gerichtet. Über Bande wurde der Kontakt zum Schulamt der Stadt Oberhausen und schließlich zur Fasia-Jansen-Gesamtschule hergestellt. Schulleiterin Sabine Meder fiel sofort eine geeignete Kandidatin ein. „Ich hatte Mehtap bei mir im Mathe Leistungskurs und war ganz beeindruckt von ihrer Facharbeit über die ‘vollständige Induktion’“, schwärmt die Direktorin über ihre ehemalige Schülerin.

Die Abiturientin hatte sich zum Wintersemester bereits für das Mathematikstudium in Essen eingeschrieben. Die Nachricht von der unverhofften Förderung, so ganz ohne Bewerbung, konnte sie dann auch kaum glauben. „Ich freue mich immer noch total, dass ich jetzt diese Chance bekommen habe“, zeigt sich Mehtap Atasever überglücklich. Mit dem finanziellen Zuschuss hat sie mehr Zeit zum Lernen und muss nicht nebenher noch einem Job nachgehen. Das Fachstudium Mathematik sei schwer, selbst für jemanden, der in der Schule immer schon Begeisterung für die Welt der Zahlen aufgebracht hat, meint Mehtap Atasever.

Zusammenarbeit mit der Johannes und Cordula Trum-Stiftung

Die Jüngste von drei älteren Geschwistern ist die erste in ihrer Familie mit türkischen Wurzeln, die direkt nach dem Abitur an einer Universität studiert. „Meine Eltern sind dankbar für das Stipendium, weil es nicht einfach nur um Geld geht, sondern dahinter Menschen stehen, die mich würdigen und meine Leistung unterstützen“, sagt Mehtap Atasever. Im Januar hat sie ihre erste Überweisung erhalten.

Auf der steht aber nicht Gdanska, sondern „Johannes und Cordula Trum-Stiftung“ (kurz: jct-Stiftung). Denn formal bekommt Mehtap die Fördersumme über die Stiftung des Oberhausener Unternehmer-Ehepaars Trum. „Das war für uns ein Glücksgriff“, weiß Maria Golebiewski, der die Stiftung vorher kein Begriff war. „Es war total schwierig, jemanden zu finden, der das Geld ordnungsgemäß verwaltet.“ Die Stiftung passte jedoch hervorragend zu ihrem Vorhaben. Denn auch die jct-Stiftung will Jugendliche und junge Erwachsene fördern. Sie verwaltet nun die 3000 Euro-Spende und zahlt sie in Raten an die Studentin.

Die Golebiewskis hoffen nun, dass ihr Vorhaben einige Nachahmer in der Stadt findet. Im Juni wollen sie entscheiden, wie es weitergeht. Wenn alles gut läuft, dann geht das „Gdanska-Stipendium“ bereits 2020 in die nächste Runde.

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