Pflege

Oberhausen: Kommt es zu wieder zum Besuchsverbot in Heimen?

Isoliert im Heim: Zu vollständigen Besuchsverboten wird es nach Einschätzung von Oberhausens Krisenstabsleitung trotz steigender Coronazahlen nicht mehr kommen. Sehen es die Heime ähnlich?

Isoliert im Heim: Zu vollständigen Besuchsverboten wird es nach Einschätzung von Oberhausens Krisenstabsleitung trotz steigender Coronazahlen nicht mehr kommen. Sehen es die Heime ähnlich?

Foto: Socrates Tassos / FUNKE Foto Services

Oberhausen.  Altenheime sollen besonders vor der zweiten Corona-Welle geschützt werden. Was das für Oberhausener Heime bedeutet und wann Schnelltests kommen.

Obwohl der Schutz der Altenheime vor der zweiten Corona-Welle eine besondere Priorität hat, geht Krisenstabsleiter Michael Jehn nicht davon aus, dass es dort erneut zu Besuchsverboten kommen wird. „Wir werden als Stadtverwaltung keine Regelungen entwickeln, die eine Einschränkung des Besuchs in den Einrichtungen mit sich bringt“, so der Ordnungsdezernent. Hier werde das Land tätig werden müssen - von dem Jehn jedoch keine so strikten Besuchsvorgaben wie zu Beginn der Pandemie erwartet. Man werde alles daran setzen, Corona-Verbreitungen in Altenheimen auszuschließen – und dabei verträgliche Besuchsregeln mit Infektionsschutz in Einklang bringen.

Oberhausener Heimleiter wirbt für mehr Gelassenheit

Stefan Welbers, der als Leiter des Sterkrader Seniorenzentrums „Gute Hoffnung“ als Vertreter für die Oberhausener Pflegeeinrichtungen im Krisenstab sitzt, wirbt für mehr Gelassenheit, falls es erneut zu Zutrittsbeschränkungen kommen sollte. „Wir messen die Lebensqualität unserer Bewohner mit einem validierten System - und können nicht bestätigen, dass sie wegen der Besuchsverbote insgesamt auffällig schlechter geworden war“, so Welber. „Ich werbe deshalb für mehr Entspannung bei dem Thema, den Bewohnern wird hier im Heim ja ein gutes Programm geboten.“ Man müsse den Angehörigen nachvollziehbar machen, dass das Gut Gesundheit aktuell wichtiger sei als das Gut Freiheit.

Weniger entspannt blickt die Ruhrgebietskonferenz Pflege als Arbeitgeber-Initiative von hiesigen Pflegeunternehmen auf striktere Besuchsregeln. „Die Schäden in den Einrichtungen von Vereinsamung sind groß“, sagt Sprecher Ulrich Christofczik. Hier müsse man unbedingt abwägen zwischen Infektionsschutz auf der einen und menschlichem Bedürfnis auf der anderen Seite.

Corona-Schnelltests: Noch viele offene Fragen

Um Corona-Ausbreitungen in Heimen zu verhindern, hat Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) diese Woche flächendeckende Schnelltests für Pflege- und Seniorenheime angeordnet. Die Tests sollen das Ergebnis innerhalb von 15 Minuten liefern. Weil Oberhausen inzwischen den kritischen Inzidenzwert von 35 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner erreicht hat, sollen nun auch sämtliche Bewohner und Mitarbeiter in den hiesigen Altenheimen getestet werden.

Bis die Schnelltests in den Einrichtungen ankommen, wird es allerdings noch etwas dauern. Sie müssen dafür zunächst ein Testkonzept mit der Anzahl der zu testenden Personen beim Gesundheitsamt einreichen und erhalten folgend die Freigabe, sich die Schnelltests bei entsprechenden Anbietern selbst zu beschaffen. Selbst wenn alle Heime gleichzeitig testen wollen: Von Kapazitätsproblemen geht Krisenstableiter Michael Jehn nicht aus. „Die Tests werden ja nicht an Labore geliefert, sondern liefern das Ergebnis vor Ort.“

Heimleiter Stefan Welbers hat noch „viele offene Fragen“ mit Blick auf die Schnelltests. Auch wie das Testkonzept aussehen soll, sei noch nicht klar und müsse schnellstmöglich im Krisenstab konkretisiert werden. „Ich vermute allerdings, dass ich noch eine weitere Person einstellen muss, weil die Testung sehr aufwendig sein wird.“

Pflegeheim-Leiter: Schnelltests kein Allheilmittel

Manfred Lübke, Leiter der Pflegeheims des Arbeitersamariterbundes (ASB) am Randes des Knappenviertels, warnt vor zu hohen Erwartungen an die Schnelltests. „Die Tests sind lediglich eine Momentaufnahme“, so Lübke, in dessen Heim es im Mai bereits einen Corona-Ausbruch mit zwei Todesfällen gegeben hat. Ein negativer Test schließe nicht aus, dass man das Virus bereits im Körper habe.

Ohnehin gebe es auch in einem Pflegeheim „keinen 100 prozentigen Schutz“ - wie sich Angehörige und Bewohner bei einem Treffen außerhalb der Einrichtung verhalten, habe man ja beispielsweise überhaupt nicht in der Hand. Standard in den Heimen ist seit Monaten, dass Besucher am Empfang für Hygienemaßnahmen sensibilisiert werden, bei ihnen Fieber gemessen wird und sie einen Fragebogen ausfüllen müssen. Lübke: „Darüber hinaus wird man nicht viel mehr machen können.“

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