Kurzfilmtage-Archiv

Oberhausen muss neue Klimaanlage für Filme teuer austauschen

Die „Internationale Kurzfilmtage Oberhausen gGmbH“ lagert über 2000 Filmkopien im Stadtarchiv. Doch die Klimaanlage in der umgebauten ehemaligen Hauptschule Lirich funktioniert seit Jahren nicht richtig.

Die „Internationale Kurzfilmtage Oberhausen gGmbH“ lagert über 2000 Filmkopien im Stadtarchiv. Doch die Klimaanlage in der umgebauten ehemaligen Hauptschule Lirich funktioniert seit Jahren nicht richtig.

Foto: Gerd Wallhorn / FUNKE Foto Services

Oberhausen.  Erst Anfang 2016 wurde das Oberhausener Stadtarchiv eröffnet – doch bis heute funktioniert die Klimaanlage im Filmmagazin nicht richtig.

Über 2000 Filmkopien der weltweit berühmten Sammlung der Oberhausener Kurzfilmtage liegen in klimatisierten Räumen des Anfang 2016 eröffneten neuen Stadtarchivs, das sich nach einem zweijährigen Um- und Anbau in der ehemaligen Hauptschule Lirich an der Eschenstraße 60 befindet.

Doch die Ende 2015 fertiggestellte Klimaanlage liefert so schlechte Klimawerte, dass sie wohl komplett abgebaut werden muss – zugunsten einer neuen Steuerungsanlage für Lufttemperatur und Luftfeuchtigkeit. Das empfiehlt zumindest ein externer Sachverständiger im Auftrag der zuständigen Oberhausener Gebäudemanagement GmbH (OGM), der sich die gesamte Anlage genau angeschaut hat. Die OGM ist nun im Gespräch mit Fachingenieurbüros, die die Lage nochmals begutachten, um eine Lösung und eine Kostenschätzung für eine neue Anlage vorzuschlagen. Der genaue Preis ist also noch unbekannt, klar ist aber: Billig wird das nicht.

Klima-Versuche über drei Jahre im Stadtarchiv Oberhausen

Das Sachverständigengutachten war jedenfalls notwendig, weil man seit Anfang 2016 über drei Jahre lang versucht hat, mit verschiedenen Maßnahmen die Hauptklimaanlage so zu steuern, dass die Raumluft die erforderlichen Archiv-Normwerte erreicht – etwa nur eine Luftfeuchtigkeit von 45 Prozent. Richtiger dauerhafter Erfolg an dieser Hauptanlage stellte sich nach Informationen aus den beteiligten Organisationen OGM, Stadtarchiv und Kurzfilmtage allerdings lange Zeit nicht ein; man erreichte erst mit einer zusätzlichen beweglichen Entfeuchtungsanlage in den Archivräumen seit Sommer 2019, dass die Luft den wertvollen Kurzfilmen nicht gefährlich werden kann.

Der Gutachter stellt in seiner Expertise zur eigentlichen Klimaanlage von Herbst 2019 zunächst relativ nüchtern fest: „Bei Außentemperaturen ab 23 Grad wird der Temperatursollwert nicht mehr gehalten, die Luftfeuchtigkeit war zu keinem Zeitpunkt der Begutachtung auf den gewünschten 45 Prozent, sondern lag meist bei 90 Prozent oder höher.“ Um danach mit Ausrufezeichen im alarmierenden Schriftstil fortzufahren: „Die Gefahr von Schimmelbildung ist sehr hoch! Auch ist die Gefahr für Personal nicht unerheblich, mit Schimmelsporen belastete Raumluft einzuatmen. Die installierte Anlage kann nicht verwendet werden, ein Umbau oder eine Sanierung ist nicht möglich!“

Keine akute Gefahr der Schimmelbildung

Gleichwohl besteht derzeit nach Einschätzung von Kurzfilmtage-Geschäftsführer Lars Henrik Gass auf Grundlage dieses Gutachtens keine akute Gefahr, dass die wertvollen Filmschätze im Stadtarchiv verschimmeln – vor allem dank der Entfeuchtungsanlage.

„Solange im Stadtarchiv die mobile Entfeuchtungsanlage durchgehend betrieben wird, besteht keine Gefahr in Verzug, sind also größere Schäden nicht zu befürchten. Eine temporäre Verlagerung der Filmbestände ist nicht nötig“, stellte er gegenüber dem Aufsichtsrat der Gesellschaft Ende 2019 fest. Allerdings sagte er auch: „Besonders prekäre Kopien, die wenig oder gar nicht mehr eingesetzt werden, sollen kurzfristig ins Filmarchiv Düsseldorf verbracht werden.“

Doch wie sicher ist sich der Kurzfilmtage-Chef, dass durch die zeitweise archivwidrige Klimatisierung im Stadtarchiv seit Januar 2016 keine Kopien beschädigt worden sind? „Wir haben stetig stichprobenhaft Filmrollen an unterschiedlichen Stellen im Archiv genau angesehen – und kein Kondenswasser als Voraussetzung für Schimmelbildung entdecken können“, sagt Gass im Gespräch mit der Redaktion. Zudem sei kein Schimmel an den Wänden des Archivraums vorhanden. Sein Fazit in einer Mail an die Redaktion: „Die Archivbestände befinden sich aus konservatorischer Sicht in sehr gutem Zustand. Keiner der Filme hat durch instabile Werte erkennbar Schaden genommen.“

Den Um- und Anbau der Hauptschule Lirich in den Jahren 2014 bis 2015 zum neuen Stadtarchiv Oberhausens und die Beseitigung diverser Mängel im Jahre 2017 für insgesamt 1,4 Millionen Euro hat die Stadttochter OGM zu verantworten – deren Technischer Geschäftsführer Horst Kalthoff klingt nicht gerade begeistert, wenn er über das Klima-Desaster im Stadtarchiv sprechen muss. „Wir gehen davon aus, dass das von uns damals beauftragte Fachingenieurbüro die Klimaanlage von Anfang an fehlerhaft geplant hat. Wir wollen diese Firma in Regress nehmen.“ Die soll bereits ihren Anwalt eingeschaltet und ihre Versicherung informiert haben.

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