Lernen

Am „Elsa“ in Oberhausen wird Zukunftsschule täglich gelebt

Im offenen Unterricht machen es sich die Schülerinnen und Schüler auch schon mal auf Decken im Gang bequem, um individuell zu forschen.

Im offenen Unterricht machen es sich die Schülerinnen und Schüler auch schon mal auf Decken im Gang bequem, um individuell zu forschen.

Foto: Gerd Wallhorn

Oberhausen.   Was bedeutet ein Schulzertifikat konkret? Ein Besuch am „Elsa“. Von der Musik bis zur vegetarischen Kost: Gymnasiasten entdecken ihre Interessen.

Mütter und Väter verlieren bei all den Zertifikaten für die allgemeinbildenden Schulen leicht schon mal den Überblick – was steckt dahinter, wenn sich eine Schule mit einem werbewirksamen „Label“ schmückt? Unsere Redaktion ging dieser Frage anhand eines Beispiels aus der Stadtmitte nach. Seit Ende 2018 ist das Elsa-Bränd-ström-Gymnasium offiziell eine „Zukunftsschule“ – ein schöner Titel oder doch mehr?

„Wir machen das nicht, um uns mit einem tollen Begriff zu schmücken, sondern um konkret etwas für unsere Schülerinnen und Schüler zu erreichen“, sagt Schulleiterin Alice Bienk. Sie hat selbst jahrelang als Beraterin für Schulen im Bereich der Schulentwicklung gearbeitet. Melanie Dehne, Beauftragte für Netzwerkarbeit und Fortbildung am „Elsa“ und Mittelstufen-Koordinator Markus Klein nehmen ebenfalls an unserem Gespräch teil und entfalten sogleich ein Bündel konkreter Programmpunkte zur individuellen Begabungsförderung.

Mit offenem Unterricht

Neben dem Regelunterricht gibt es am „Elsa“ stets auch offenen Unterricht. Jede Klasse hat eine bestimmte Anzahl von Stunden, die dafür zur Verfügung steht. Hier können Schülerinnen und Schüler ihre fachlichen Vorlieben pflegen oder einen bestimmten Themenstoff in intensiver Form selbst nachspüren.

Da gibt es zum Beispiel einen Schüler, der selbst E-Gitarre spielt und die Welt der analogen und digitalen Musik erforscht; zwei Mädchen erkunden das Pro und Contra vegetarischer Nahrung und haben sogar ein Video-Tagebuch dazu geführt, denn ein halbes Jahr haben sie sich selbst vegetarisch ernährt.

Die Themenfülle des offenen Unterrichts ist beeindruckend: ein an Physik und Astronomie besonders interessierter Schüler startet Forschungen zur Struktur der Milchstraße, eine (ehemalige) Schülerin legte eine beeindruckende Kunstmappe mit eigenen Arbeiten an (und hat bereits ein Kunststudium begonnen). Diese Liste ließe sich noch lang fortsetzen, doch deutlich wird, dass der Regelunterricht hier eine zeitgemäße Ergänzung erfährt, die den individuellen Interessen gerecht wird und so der späteren Berufsfindung dient.

Netzwerk der Zukunftsschulen NRW

Es gibt zudem ein Netzwerk der Zukunftsschulen NRW, wo man beste Beispiele aus dem Schulalltag austauscht, wo man sich regelmäßig trifft und fortbildet. Zu den Netzwerkpartnern des „Elsa“ zählen die Freie Christliche Gesamtschule Düsseldorf (zum Thema: Mehr Individualisierung durch Digitalisierung), das Leibniz-Gymnasium in Remscheid (zum Thema: Offener Unterricht) sowie das Lanfermann-Gymnasium in Duisburg und das Helmholtz-Gymnasium in Essen (zum Thema: sanfter Übergang von der Klasse 4 zur Klasse 5).

Bei all dem steht das selbstständige Lernen im Mittelpunkt, „Selbstständigkeit ist die Grundlage jeder beruflichen Ausbildung, ist aber auch abhängig von der Vermittlung durch guten und modernen Unterricht“, sagt Alice Bienk.

Eltern sind mit eingebunden

Bei einer Fachtagung in Krefeld wurde die Netzwerkarbeit zur „Zukunftsschule NRW“ Ende 2018 vom „Elsa“ offiziell unterzeichnet. Auch die Eltern werden in das Programm mit eingebunden. So gibt es regelmäßige Vorstellungen der Ergebnisse aus dem offenen Unterricht. Am „Elsa“ laufen diese Präsentationen unter dem Projektakronym „indive“, inspiriert von Bildungsforschern der Universität Duisburg-Essen. So hat man sich einem Dreiklang der Ziele verschrieben: In-dividualisieren von Lernprozessen, Di-fferenzieren im Unterricht, Ve-rnetzen von Theorie und Praxis.

Stets im Blick: die individuelle Förderung

Die „Zukunftsschulen NRW“ haben bereits seit dem Jahr 2013 das Ziel, die Unterrichts- und Schulentwicklung im Sinne einer individuellen Förderung auszubauen.

Die Arbeit der Zukunftsschulen wird durch das nordrhein-westfälische Bildungsministerium gefördert und auch von den Bezirksregierungen kontinuierlich begleitet.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben