Stadtentwicklung

Gemeinsam eine gute Nachbarschaft entwickeln

Quartiersmanagerin  Andrea Auner und Sozialarbeiter Mathias Ries bei einer Besprechung  im  so genannten „Stadtteilwohnzimmer“. Dort können sich auch Initiativen treffen. 

Quartiersmanagerin Andrea Auner und Sozialarbeiter Mathias Ries bei einer Besprechung im so genannten „Stadtteilwohnzimmer“. Dort können sich auch Initiativen treffen. 

Foto: Udo Gottschalk

Oberhausen-Ost.   Oberhausen-Ost erhält Mittel aus dem Programm „Altengerechte Quartiere“. Senioren sollen so lange wie möglich in gewohnter Umgebung bleiben.

So lange wie möglich im gewohnten Umfeld bleiben: Das wünschen sich die meisten älteren Menschen. Aber damit das gut gelingen kann, sind vor Ort entsprechende Strukturen nötig. „Altengerechte Quartiere entwickeln“, nennt das die Landesregierung und hat dazu ein entsprechendes Förderprogramm ins Leben gerufen.

Eines von vielen erst mal auf drei Jahre angelegten Projekten, die daraus landesweit unterstützt werden, ist im vergangenen Jahr in Oberhausen-Ost an den Start gegangen. Anlaufstelle für die stadtteilbezogene Sozialarbeit ist das „Leben im Pott“-Büro der Lebenshilfe an der Marienburgstraße 14 im Knappenviertel.

Rund 35 300 Menschen leben im Einzugsgebiet, das die seit dem Spätsommer dort ansässige Quartiersmanagerin Andrea Auner mit „46047 und drumherum“ umschreibt und das auch Borbeck/Neue Mitte/Grafenbusch, das östliche Marienviertel, das Brücktorviertel, Bermensfeld, Dümpten und das Schladviertel umfasst.

Barrierefreiheit geht noch viel weiter

„Altengerechtes Wohnen“ – das hat nicht nur mit barrierefreien Hauseingängen, ebenerdigen Duschen und gut erreichbaren Arztpraxen zu tun. Es bedeutet im besten Fall auch, sich in der Nachbarschaft gut aufgehoben zu fühlen, dort soziale Kontakte und Freizeitmöglichkeiten zu haben.

Besonders in diesem Bereich möchte Andrea Auner Impulse geben und nachbarschaftliche Eigeninitiativen unterstützen: „Wir wollen nicht die Menschen fit machen fürs Knappenviertel, sondern umgekehrt. Alle sollen hier gut und gerne leben können“, sagt die 47-Jährige und betont, dass man im Knappenviertel-Projekt auf einen inklusiven Ansatz setze. „Wir wollen hier alle miteinander gut leben – Alte, Junge, Menschen mit und ohne Behinderung. Vielfalt ist etwas Gutes.“

Deshalb finden in der Anlaufstelle der Lebenshilfe nicht nur Senioren Rat und Hilfe, wenn sie ihre Wohnsituation ihren altersbedingten Einschränkungen anpassen wollen oder müssen. „Wir wollen niemanden ausschließen.“ In die Nachbarschaftssprechstunde, die dort jeden Dienstag von 15 bis 17 Uhr angeboten wird, können alle kommen, die ein Anliegen haben – oder eine Idee, die sie vor Ort gerne umsetzen möchten.

Mitbringfrühstück oder Grillabende

Was die Menschen vor Ort sich wünschen, was sie ärgert oder ihnen Sorge bereitet, das gilt es erst einmal herauszufinden – zum Beispiel bei monatlichen Stadtteilcafés. Da kam neben Kaffee und Kuchen auch schon manche Idee auf den Tisch: ein regelmäßiges Frühstück samstagsvormittags, zu dem jeder etwas mitbringt, oder auch Sing- und Spielnachmittage oder ein nachbarschaftlicher Grillabend sind Anregungen, die zum Teil schon in die Tat umgesetzt sind.

„Da kommt unglaublich viel“, freut sich Auner. „Wir können hier überlegen, wie wir die Initiativen unterstützen können, aufnehmen, was kommt und helfen, neue Dinge anzuschieben, die vielleicht die Chance haben, zu wachsen und das Projektende zu überdauern.“ Dazu gehört, Ideengeber zu unterstützen und ihr Vorhaben bekannter zu machen, Mitstreiter zu suchen oder Räume zu stellen.

„Gemeinsam noch mehr auf die Beine stellen“

Denn das ist die eigentliche Aufgabe: Nicht selbst Angebote aus dem Boden zu stampfen, sondern „Entwicklungshilfe“ im Quartier zu leisten. Dazu gehört wesentlich das Zusammenspiel mit Kooperationspartnern: „Ich sehe hier im Knappenviertel, wie viele Menschen und Institutionen sich sehr darum kümmern, dass es den Menschen im Stadtviertel gut geht“ – von der Knappeninitiative und das Forum Oberhausen-Ost über Immeo bis zum Büro für Chancengleichheit.

„Ich wünsche mir, dass wir im neuen Jahr gemeinsam noch viel mehr auf die Beine stellen“, hofft Andrea Auner. Ein Frühlingsfest etwa oder Stadtteilspaziergänge stehen oben auf ihrer Ideenliste.

Förderprogramm istauf drei Jahre angelegt

Der „Masterplan altengerechte Quartiere NRW“ will helfen, eine gute, seniorengerechte Infrastruktur auch in den Stadtteilen entstehen zu lassen.

Das Förderprogramm ist auf drei Jahre angelegt. Im Mittelpunkt steht die Verbesserung der Bereiche „Wohnen“, „sich versorgen“, „sich einbringen“ und „Gemeinschaft erleben“.

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