Autopfändung

Oberhausen: Und plötzlich ist mitten im Sturm das Auto weg

Oliver Schuster klagt die Stadt Oberhausen an, sein Auto ohne Vorwarnung am Montagmorgen gepfändet zu haben.

Oliver Schuster klagt die Stadt Oberhausen an, sein Auto ohne Vorwarnung am Montagmorgen gepfändet zu haben.

Foto: Jörg Schimmel / FUNKE Foto Services

Oberhausen.  Während des Sturms „Sabine“ pfändet die Stadt Oberhausen das Auto von Oliver Schuster. Ohne Vorwarnung, sagt dieser – die Stadt hält dagegen.

Die Kombination Auto, Baum und „Sabine“ macht Oliver Schuster Angst. Der Sterkrader parkt am Sonntagabend also seinen Mazda um – und ist umso erstaunter, als am nächsten Morgen der Abschleppdienst vor der Tür steht. Doch die beiden Männer helfen nicht gegen Sturmschäden, sondern vollstrecken einen Pfändungsbescheid. Der erwischt Oliver Schuster nach eigenen Angaben buchstäblich aus heiterem Himmel.

Warnlampen tauchen die Einfahrt zur Erzstraße am Montagmorgen in gelbes Licht. Ehefrau Alexandra Schuster ist schnell am Schlafzimmerfenster und noch schneller auf 180, denn die Lampen gehören zum Abschleppdienst – und der nimmt gerade den roten Pkw ihres Mannes ins Visier. „Als ich rauskam, hing der Wagen schon am Haken“, sagt Oliver Schuster. Gründe oder Schriftliches haben die Mitarbeiter nicht dabei, dafür prangt an der Autoscheibe überraschend ein Pfändungsbescheid der Stadt Oberhausen.

Oliver Schuster: Keine Schulden bei der Stadt Oberhausen

Überraschend für Schuster ist das deshalb, weil sein betagter Flitzer – Baujahr 1996 und kurz vor dem TÜV – beim Umparken am Vorabend nach seiner Beobachtung noch papierfrei gewesen sei, wie der 52-Jährige meint. Von Geldforderungen der Stadt weiß Schuster angeblich nichts: „Es gab keinen Mahnungsbescheid, keinen Vollstreckungsbescheid, keinen Gerichtsvollzieher. Und wenn ich Schulden habe, dann bin ich niemand, der nicht bereit ist zu zahlen.“

Oliver Schuster versucht noch an Ort und Stelle Licht ins Dunkel zu bringen, doch unter der Telefonnummer auf dem Pfändungsbescheid hebt niemand ab. Drei Vermittlungsversuche der zentralen Service-Hotline versanden in der Warteschleife – der dort immer wieder gespielte berühmte „Oberhausen“-Song von den Missfits raubt Schuster endgültig die Nerven. Derweil erledigen ein weiterer Abschlepper und die herbeigerufene Polizei den Auftrag, den Wagen einzuziehen.

Gehbehinderter Oberhausener auf das Auto angewiesen

Bitter aus Sicht von Oliver Schuster: Sein Herz arbeitet nach drei Infarkten nur noch mit 32 Prozent Leistung, dazu kommt die Diabetes – ohne Auto geht mit 70-prozentiger Gehbehinderung also nicht viel. Selbst der Weg zum Supermarkt gerät zur Hürde, von Notfällen ganz zu schweigen. „Ich bin weder doof noch uneinsichtig, aber für mich sieht das ein bisschen nach Willkür aus“, glaubt der Frührentner.

Die Stadt sieht das komplett anders und hält dagegen. „Das ist ein normaler Fall der Zwangsvollstreckung“, erklärt Martin Berger aus der Pressestelle. „Das Verfahren läuft über einen längeren Zeitraum, passiert also nicht von heute auf morgen.“ Auf Oliver Schusters Einwand, nicht informiert worden zu sein, entgegnet der städtische Pressesprecher: „Das glaube ich ihm nicht.“ Weiter zu dem Fall äußern möchte sich der Stadtbedienstete nicht, ebenso verhält sich der Fachbereich Vollstreckung – aus Datenschutzgründen.

Oliver Schuster hat noch am Montag einen Anwalt eingeschaltet. Der ist inzwischen aktiv und hat Einspruch eingelegt. Doch ob dadurch der Wagen wieder zurückkehrt? Schuster plant jedenfalls vorerst ohne Auto.

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