Corona-Krise

Oberhausen: Wie die Corona-Streife die Kontakte checkt

Patrouille im Volkspark: Der Kommunale Ordnungsdienst (KOD) dreht nun in allen Oberhausener Stadtteilen regelmäßig seine Runden und kontrolliert das Kontaktverbot.

Patrouille im Volkspark: Der Kommunale Ordnungsdienst (KOD) dreht nun in allen Oberhausener Stadtteilen regelmäßig seine Runden und kontrolliert das Kontaktverbot.

Foto: Kerstin Bögeholz / FFS

Oberhausen.  Amtliche Kontaktkontrolle des öffentlichen Lebens. Vor wenigen Wochen undenkbar, jetzt Realität. Auf Streife mit dem Ordnungsdienst.

Ein kalter Wind weht am Donnerstagmittag vor dem Technischen Rathaus über die Bahnhofstraße. Die Corona-Streife des Kommunalen Ordnungsdienstes (KOD) hat wärmende Dienstkleidung angezogen: Patrouille in Sterkrade-Mitte ist angesagt.

Tag Vier des Kontaktverbotes in Oberhausen. Ansammlungen von mehr als zwei Personen sind seit Montag untersagt. Ordnungsämter und Polizei sind zuständig für die Kontrollen. In Oberhausen sind zwölf KOD-Zweierteams gebildet worden, die jetzt über alle Quartiere verteilt durch die Stadt streifen.

Eine Aufgabe, der in diesen Tagen eine geradezu existenzielle Bedeutung zukommt: Es gilt, die weitere Ausbreitung des Virus zu minimieren. Eine Frage von Leben und Tod. Halten sich also die Menschen an die Kontaktsperre? Wir machen uns mit den beiden KOD-Mitarbeitern, die ihren Namen lieber nicht in der Zeitung lesen wollen, auf den Weg. Gleich zu Beginn kommt eine ältere Frau mit Rollator direkt auf die beiden zu: „Darf ich überhaupt noch einkaufen gehen“, fragt sie. Die Antwort vom KOD beruhigt die Passantin: „Natürlich dürfen sie das. Aber halten sie immer genügend Abstand zu anderen Menschen.“ Die Dame nickt und geht los in Richtung Steinbrinkstraße.

Die Streife führt uns weiter über die Bahnhofstraße. Am Center Point stehen die Menschen vor der dortigen Fleischerei Schlange – mit dem nötigen Abstand. Alles in Ordnung. Bei Lantermann sitzt ein Akkordeonspieler – ganz allein. Sein „Que Sera“ hallt über die fast menschenleere Einkaufsachse. Passanten sind hier entweder allein oder zu zweit unterwegs. Gruppenbildungen sind nicht zu erkennen. Auch vor Rossmann ist korrekte Schlangenbildung zu verzeichnen.

„Ja“, sagt einer der beiden KOD-Mitarbeiter, „In der Regel haben wir nicht viel zu beanstanden. Und jene Menschen, die wir ansprechen, weil sie etwa zu dritt oder mehr unterwegs sind, zeigen sich meistens kooperativ und verständnisvoll.“ Auch Spiel-, Sport- und Bolzplätze werden kontinuierlich überprüft. Am Mittwoch wurden bei den Kontrollen von KOD und Polizei immerhin 26 Mal ein Bußgeld von 200 Euro verhängt und eine Strafanzeige gestellt. Doch im Vergleich zu den Nachbarstädten präsentieren sich die Oberhausener in dieser ersten Woche der Corona-Kontaktsperre überraschend diszipliniert: In Duisburg etwa berichtet die Polizei aktuell von bis zu 80 Einsätzen pro Tag gegen unerlaubte Menschenansammlungen. Auch in Essen und Gelsenkirchen werden höhere Fallzahlen verzeichnet. Die beiden KOD-Mitarbeiter auf Streife in Sterkrade sagen dazu: „Wir sind natürlich froh, dass die Oberhausener bei diesen Maßnahmen so mitziehen.“

Gruppenbildung auf dem Großen Markt

Nach einer Zwischenstation im Volkspark (alles okay) kommen wir auf den Großen Markt. Ganz hinten nahe der St.-Clemens-Kirche stehen drei Menschen zusammen und genießen offenbar ein Bier aus der Flasche. Ein Fall für den KOD, der die Gruppe unverzüglich anspricht: zwei Frauen, ein Mann. Eine der beiden Frauen sagt, sie warte hier auf ihre Tochter. Die KOD-Mitarbeiter weisen eindringlich auf die Kontaktsperre hin und fordern das Trio auf, sich schnellstmöglich zu entfernen bzw. zu zerstreuen. Die drei nicken, nehmen die amtliche Ermahnung mit ernster Miene an. „Wir sind gleich weg. Bestimmt.“

Die KOD-Mitarbeiter fragen sich durchaus, ob diese Kooperationsbereitschaft der Bürgerinnen und Bürger auch noch anhält, wenn die Kontaktsperre längere Zeit gilt, wenn dann das Frühlingswetter immer wärmer wird und gerade Wochenende angesagt ist.

Doch in Sterkrade weht an diesem Donnerstag erst einmal weiterhin der eiskalte Märzwind, der einen bibbern und frieren lässt. Hier denkt noch niemand an Freiluft-Partys gegen den Corona-Frust.

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