KKO-Finanzkrise

Oberhausener Klinikmitarbeiter befürchten harte Einschnitte

Auf dem Weg zur Betriebsversammlung im Bildungszentrum Medikon: Die Mitarbeiter des Katholischen Klinikums wurden über die Insolvenzverfahren informiert. Sie wollten sich verständlicherweise nicht direkt fotografieren lassen.

Auf dem Weg zur Betriebsversammlung im Bildungszentrum Medikon: Die Mitarbeiter des Katholischen Klinikums wurden über die Insolvenzverfahren informiert. Sie wollten sich verständlicherweise nicht direkt fotografieren lassen.

Foto: Nikolina Miscevic

Oberhausen.  Auf zwei eilig einberufenen Betriebsversammlungen hat die Geschäftsführung des Klinikums KKO die 2370 Mitarbeiter informiert. Die Stimmungslage.

Es ist kurz nach 10. Vor dem Medikon-Seminargebäude im Gewerbegebiet Kaisergarten warten rund 30 Menschen in Weiß. Manche sind vor der Schicht da, manche kommen gerade erst aus einem Krankenhaus, Altenheim oder Hospiz des Katholischen Klinikums Oberhausen (KKO). Einige rauchen, stecken sich gleich zwei Zigaretten hintereinander an.

Kleine Gruppen entstehen, wer allein ist, wischt nervös übers Smartphone und hebt nur den Kopf, wenn wieder ein Autofahrer in der Kurve des Max-Planck-Rings nach einem Parkplatz lechzt. Sehnsüchtige Blicke überall. „Schade, dass wir uns hier wiedersehen“, begrüßt eine ältere Dame vorm Eingang einen Brillenträger. Er hebt die Augenbrauen über den Rand seines Kassengestells, seine Mundwinkel rutschen abwärts. „Ja, das hätte ich mir anders gewünscht.“

Anlass für die düstere Stimmung ist das „Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung“ des KKO: Schon seit drei Jahre schreibt die Krankenhaussparte rote Zahlen – sparen bei Büroklammern und Papier reicht nicht mehr. Vier externe Fachleute wurden eingestellt, die sehen das Insolvenzverfahren als große Chance, das KKO neu aufzustellen. Doch die Skepsis ist groß, vor allem unter der Belegschaft.

Von einer dreistelligen Zahl ist die Rede, wenn das Thema Arbeitsplatz-Abbau zur Sprache kommt. Für die 2370 Mitarbeiter des KKO beunruhigend, verwirrend und eine Nachricht, die keine gute Laune macht. Wer wird gekündigt, wo wird gestrichen und muss sogar ein Krankenhaus schließen? Vor einer von zwei Mitarbeiterversammlungen am Donnerstagmorgen wollen nur wenige etwas sagen, die Verunsicherung des Personals ist spürbar.

Kein Kommentar in Dauerschleife

Unkraut, alte graue Betonplatten, ramponierte Ziegel-Ecken: Der Eingang des Tagungsgebäudes Medikon hat schon bessere Tage gesehen. Es regnet leicht, als ein silberner Transporter in die Einfahrt biegt. Eine Frau steigt eilig aus. „Kein Kommentar“, sagt sie reflexartig, nur um sich gleich darauf zu verteidigen. „Keine Ahnung, ob das Management Fehler gemacht hat! Ich weiß nichts von den Zusammenhängen, um mir ein Urteil zu erlauben.“ Hastig schwingt sie die Tasche um den Hals und hetzt zur Eingangstür. „Wir hoffen mit einem blauen Auge davonzukommen!“ Weg ist sie.

Doch nicht alle Angestellten gehen so sanft mit der Geschäftsführung um Michael Boos um. „Das St.-Josef und das Marienhospital wurden systematisch kaputtgemacht“, orakelt eine der vielen Bürokräfte aus der Verwaltung. Ihr sei es ja egal, sie gehe bald in Rente. Sorgen macht sie sich um ihre jüngeren Kollegen.

„Das McDonald’s der Krankenhaus-Branche“

Neben ihr steht so ein junger Mann und zieht an seiner Zigarette. Er habe bereits nach Jobs geschaut. „Zeitvertrag“, sagt er und pustet den Rauch aus. Intern sei länger bekannt, dass es mit den Finanzen schlecht steht. „Kugelschreiber sparen, kaputte Aufzüge – und wenn ich einen Ordner brauche, wird das überprüft. Klar, dass da was nicht stimmt.“

Eine mögliche Option, um die Schlagfähigkeit des Klinikums wieder herzustellen, ist die Fusion mit einem finanzkräftigen Partner. „Vielleicht kommt ja Helios“, mutmaßt der junge Mann, „das ist so etwas wie das McDonald’s der Krankenhäuser“ – ein Konzept, was ja funktioniert. „Trotzdem wird ein Standort gekippt“, mischt sich die Kollegin nochmal ein. „Ehrlich: Sechs Krankenhäuser sind für Oberhausen zu viel.“

Mit einer Fusion oder dem Verkauf eines ihrer Krankenhäuser sind nicht alle einverstanden. Wer bei den Gesprächen lauscht, hört meist vom „gesunden“ St.-Clemens in Sterkrade und den „kranken Patienten“ Marienhospital und St.-Josef. So vergleicht eine Dame im blauen Pflegekittel ihren Arbeitgeber sogar mit einem Familienbetrieb, weil Paare oft gemeinsam beim KKO arbeiten würden. Eine Umstrukturierung bereitet ihr Sorgen.

Sie selbst habe zwei Kinder, eines im Grundschulalter. Ihr Schichtplan hat bisher immer gepasst, doch nun, wo alles auf dem Prüfstand steht, bedrückt sie die vage Situation. Angst habe sie keine, der Pflegemarkt suche derzeit Kräfte. „Einen Job finde ich auch woanders,“ ist sie sich sicher, „aber natürlich würde ich lieber beim KKO bleiben! Hier kenne ich mich aus.“

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