Atelierhaus Ludwigstraße

Oberhausener Künstler sprechen Sprache der Farben und Formen

Paul Schulte (links) zeigt Besuchern seine Werke aus dem 3D-Drucker.

Paul Schulte (links) zeigt Besuchern seine Werke aus dem 3D-Drucker.

Foto: Kerstin Bögeholz / FUNKE FotoServices

Das Atelierhaus an der Ludwigstraße hat nach 15 Jahren eine feste Fangemeinde. Und die bummelte beim Sommerfest gemütlich durch die Werkstätten.

Seit 15 Jahren gibt es das Atelierhaus an der Ludwigstraße. Die dort ansässigen Künstler haben inzwischen eine feste Fangemeinde. Beim Atelierfest am Samstag statteten ihnen viele Interessierte einen Besuch ab. Rund 70 Personen verfolgten am späten Abend den Auftritt des „Drucktheaters“ von Marion Simmberg und Jörg Eisentraut vor dem Haus, einem sprachlosen Dialog.

Wer sich einen systematischen Überblick verschaffen wollte, dem bot die Künstlergemeinschaft eine Führung an. Die Essener Kunsthistorikern Cornelia Kesper führte durch die Räume, machte mit den Besonderheiten jedes Künstlers vertraut.

Fotokunst und mehr

Zum Beispiel mit Wolfgang Kleinöder. „Er macht Fotokunst und auch wieder nicht“, umschrieb Kesper die Arbeiten des gebürtigen Oberhauseners. Denn ihre Wirkung erzielen seine Fotografien erst durch die Sprachspiele, die er damit anstellt. Zum Beispiel die Bilder von tristen Ladenlokalen, denen er markante Schriftzüge verliehen hat. So gab er einer Bankfiliale den Namen „Zinsschmelze“ und einer Gaststätte das Kneipenschild „Raucherkneipe“. „Das sind ja letztlich Unwörter. Aber sie setzen ein Gefühl für Sprache voraus“, erklärte Kesper.

Neuzugang im Atelierhaus ist Paul Schulte. Jahrzehntelang trugen Pressefotos in Duisburg seinen Namen. Dabei ist der Bottroper von Hause aus Schiffsbauingenieur. Die Fotografie lässt ihn auch im Ruhestand nicht los, mit freilich anderer Perspektive. Cornelia Kesper machte das an der Nahaufnahme eines Krokodilgebisses deutlich. „Es appelliert unterschwellig ja gleich an die Angst von uns Hollywood-Geschädigten“, sagte sie. Außerdem versteht der Künstler sich darauf, den 3-D-Drucker zu programmieren. Er erstellt damit Gebilde, die sowohl präzisen Metallkons­truktionen, aber auch menschlichen Eingeweiden ähneln.

Massiv sind dagegen die Marmor-Skulpturen von Adelheid und Karl Schönlebe. „Sie sind die einzigen mir bekannten Künstler, die Kunst nicht machen, um sie verkaufen zu können“, erklärte die Führerin. Im Rohzustand sei Marmor ja nicht besonders attraktiv. Ganz anders, wenn daraus spiegelglatte Oberflächen gemacht oder damit figürliche Bewegungen angedeutet würden.

„Ein stimmiges Ganzes“ aus dem Drucker

An der gelernten Goldschmiedin Brigitte Münch wiederum beeindruckte Kesper, dass sie sich in ihrer Kunst vollständig vom filigranen Handwerk löst und damit der Fantasie des jeweiligen Betrachters Raum schafft. Zum Beispiel bei ei­nem weiblichen Akt, der nur zart angedeutet ist, aber erst durch die farbliche Abstimmung von Bild- und Wandhintergrund für den Betrachter räumlichen Eindruck schafft.

„Ein stimmiges Ganzes“ erkannte ein 59-jähriger Besucher aus Stadtmitte in der ausgestellten Kunst. Bianka Briehn-Eichholz aus Duisburg hatte es die 3-D-Kunst von Paul Schulte besonders angetan. „Ich kannte das vorher nicht. Mich wundert, wie man so etwas ausgedruckt bekommt“, sagte sie.

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