Gefahr für Arbeitsplätze

Oberhausener MAN-Arbeiter gegen Verkauf durch Mutter VW

Beeindruckende Turbinen, auf den tausendstel Millimeter genau gebaut, produzieren die über 1800 Arbeitnehmer von MAN Energy Solutions im Oberhausener Werk an der Steinbrinkstraße.

Beeindruckende Turbinen, auf den tausendstel Millimeter genau gebaut, produzieren die über 1800 Arbeitnehmer von MAN Energy Solutions im Oberhausener Werk an der Steinbrinkstraße.

Foto: Kerstin Bögeholz / FUNKE Foto Services

Oberhausen.   Die Nachricht kam für die gut 1800 Oberhausener MAN-Arbeitnehmer überraschend: VW will das Unternehmen verkaufen. Die Betriebsräte wehren sich.

Mehr Digitalisierung, mehr Strom als Antrieb für Autos – die mit dem Dieselskandal kämpfende Volkswagen AG konzentriert sich auf den Umbau der Autoproduktion und will sich von MAN Energy Solutions (ES) mit seinem größten Produktionswerk in Oberhausen trennen.

Doch die Belegschaft an der Steinbrinkstraße wendet sich strikt gegen einen vollständigen Verkauf der früheren MAN Diesel & Turbo AG an einen schwer einzuschätzenden Investor – und befürchtet ohne die schützende Hand ihrer Mutter VW schlimme Folgen auch für Oberhausener Jobs. Derzeit arbeiten im Sterkrader Werk über 1860 Menschen, die Spezialturbinen für Kraftwerke und Raffinerien herstellen.

Bei VW wohl gefühlt

„Wir fühlen uns bei Volkswagen wohl und haben auf eine Dauerlösung dort gehofft. Wir haben uns alle von der Nachricht überrannt gefühlt, dass VW sogar an einen Verkauf denkt“, sagt Helmut Brodrick, seit 2009 Betriebsratsvorsitzender der Oberhausener MAN ES.

In einer Stellungnahme wehrt sich der Gesamtbetriebsrat von Energy Solutions nicht nur gegen eine Veräußerung des Maschinenbauunternehmens, sondern auch gegen eine Zerschlagung in seine Bestandteile – Großdieselmotoren und Turbomaschinen. „Unsere Zukunftsstrategie funktioniert nur im Zusammenwirken aller Einheiten. Jeder Versuch, in die Struktur des Unternehmens einzuschneiden, wird auf unseren entschiedenen Widerstand treffen.“

Betriebsräte akzeptieren eine Partnerschaft mit VW-Beteiligung

Brodrick, der auch Gesamtbetriebsrat-Vizechef des in Augsburg sitzenden Unternehmens ist, hofft darauf, dass der VW-Vorstand im Zusammenspiel mit dem Aufsichtsrat eine andere Lösung findet – eine Partnerschaft oder ein Joint-Venture.

Volkswagen sieht sich offenbar nicht mehr in der Lage, angesichts des gewaltigen Umbruchs in der Autoindustrie auch noch andere Zweige voranzutreiben. „Wir müssen uns aber weiterentwickeln, um im weltweiten Wettbewerb auch künftig bestehen zu können“, sagt Brodrick.

Kein Notverkauf

Für VW ist die Trennung von MAN Energy Solutions kein Notverkauf – das Unternehmen macht jährlich einen zweistelligen Millionengewinn. Im ersten Halbjahr 2018 wurde eine operative Rendite von 3,6 Prozent ausgewiesen. „Uns geht es gut – wir bauen in Oberhausen derzeit sogar Belegschaft auf“, sagt der Betriebsratschef. Investiert werde weiter in 3-D-Drucktechnik und einen Gas-Turbinen-Prüfstand.

Durch die starke Stellung der Arbeitnehmer im VW-Aufsichtsrat erwartet Brodrick, dass dort im Fall des Falles Beschäftigungs- und Standortgarantien durchgesetzt werden. Erst kürzlich schloss VW betriebsbedingte Kündigungen für seine Kernmannschaft bis 2029 aus.

Was bei einem Verkauf passieren kann, haben die MAN-Arbeiter in Sterkrade hautnah erlebt: Die US-Eigentümer der benachbarten GHH Rand machen das gewinnträchtige Oberhausener Werk mit 250 Jobs in Trump-Zeiten einfach dicht.

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