Klassenausflüge

Oberhausener Polizei verweigert allgemeinen Reisebus-Check

Hier kontrolliert die Polizei bei einer allgemeinen Verkehrskontrolle in Dortmund die Verkehrssicherheit von Reisebussen.

Hier kontrolliert die Polizei bei einer allgemeinen Verkehrskontrolle in Dortmund die Verkehrssicherheit von Reisebussen.

Foto: Knut Vahlensieck

Oberhausen.   Eltern wünschen sich eine allgemeine Reisebuskontrolle ohne sichtbaren Missstand vor Klassenausflügen. Die Polizei hält das nicht für sinnvoll.

Die Oberhausener Polizei will auch in Zukunft einen für Klassenfahrten georderten Reisebus vor der Abfahrt nur dann kontrollieren, wenn Eltern, Lehrer oder Schüler einen konkreten Verdacht auf einen Missstand haben. Verdachtsunabhängige Kontrollen vor jedem Klassenausflug sehen die Ordnungshüter hier nicht vor. Ihr Argument: Dafür sind andere Institutionen wie etwa Qualitätsprüfer, Techniker und der TÜV zuständig.

Kölner bieten Basis-Service an

Eltern der Heinrich-Böll-Gesamtschule halten dagegen regelmäßige Kontrollen von Reisebussen direkt vor der Abfahrt zu einem Schulausflug für notwendig, um die Sicherheit ihrer Kinder zu garantieren. Diesen bundesweit besonderen Service bietet die Kölner Polizei im Rahmen der Verkehrsunfall-Vorbeugung seit einiger Zeit auf Antrag an. Sie nennt ihn originellerweise „B.u.s“ – was „Beruhigt unterwegs sein“ heißen soll.

Auf diesen Sicherheitscheck des Kölner Polizeipräsidiums hat ein Vater die Vize-Schulleiterin der Heinrich-Böll-Gesamtschule aufmerksam gemacht – vor einer Klassenreise nach England. Corinna Buchenau versuchte bei der Oberhausener Polizei, auch hier einen solchen Service zu beanspruchen – allerdings ohne Erfolg. „Man hat mir mitgeteilt, dass nur anlassbezogene Kontrollen der Oberhausener Polizei möglich seien.“

Abgefahrene Reifen und Alkoholgeruch

Erst wenn Eltern oder Lehrer vor der Abreise Missstände bemerken wie beispielsweise abgefahrene Busreifen oder gar Alkoholgeruch beim Busfahrer, sollten sie die Polizei benachrichtigen. Diese werde dann selbstverständlich eine Kontrolle vor Ort durchführen.

Der Vater findet eine solche Praxis der hiesigen Polizei falsch. „Was in Köln die Sicherheit von Kindern erhöhen kann, ist für die Oberhausener Polizei nicht zu machen? Das ist ein Debakel.“ Tatsächlich müssen Eltern in Köln nur ein Formular im Internet ausfüllen: Schule, Reiseziel, Anzahl der Fahrgäste, Abfahrts-Ort und Abfahrtszeit, Ansprechpartner. Die Kölner Polizei weist aber auch darauf hin, dass es keine Garantie für diesen kostenlosen Service gibt – und er von der aktuellen Personallage abhängt.

Schlimme Unfälle in der Vergangenheit

Die Ablehnung der Buskontrolle durch die Oberhausener Polizei kurz vor der England-Reise der Gesamtschüler ging nicht spurlos an den Eltern vorüber. „Das wird heiß diskutiert“, sagt die Vize-Schulleiterin. „Der Unmut ist groß.“

Den Kölner Service und die Aufregung an der Heinrich-Böll-Gesamtschule hat die Leiterrunde des Oberhausener Polizeipräsidiums kürzlich intensiv beschäftigt. „Wir haben großes Verständnis für die Sorgen der Eltern, da es ja in der Vergangenheit schlimme Unfälle mit Reisebussen gegeben hat“, sagt Polizeisprecher Maik Podlech.

Aus mehreren Gründen sei der Kölner Service aber kein Vorbild für Oberhausen. „Wir können nicht alle Reisebus-Unternehmer unter einen Generalverdacht stellen. In erster Linie sind die Schulen und Eltern verantwortlich dafür, nicht unbedingt den günstigsten Veranstalter, sondern den vertrauenswürdigsten auszuwählen.“

Überwachungsvereine zuständig

Für die technische Sicherheit seien grundsätzlich die interne Qualitätsaufsicht der Busunternehmer und technische Überwachungsvereine zuständig. „Wir würden als Polizei ja ohnehin nur eine Scheinsicherheit geben, denn wir können keinen Bus auf eine Bühne heben und technische Kontrollen durchführen“, meint Podlech.

>>> Info: Polizei rät zu Bussen mit Sicherheitsgurten

Die Englandfahrtender Heinrich-Böll-Gesamtschule werden seit zehn Jahren vom Bremer Veranstalter S.E.T.-Reisen organisiert (Study Explore Travel). Die Reisebusse zu chartern, sind in dessen Service-Paket inklusive.

Die Kölner Polizeiempfiehlt Schulen, bei der Buchung der Reisebusse für Klassenfahrten die Veranstalter darauf hinzuweisen, nur Busse mit Sicherheitsgurten auf allen Sitzen zu akzeptieren.

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