Anschlag von Halle

Oberhausener setzen Zeichen der Solidarität mit allen Juden

Mahnwache vor der jüdischen liberalen Gemeinde auf dem Friedensplatz – die  Oberhausener „Initiative gegen Rechts“ gedachte der Opfer des Anschlags und zeigte Solidarität.

Mahnwache vor der jüdischen liberalen Gemeinde auf dem Friedensplatz – die Oberhausener „Initiative gegen Rechts“ gedachte der Opfer des Anschlags und zeigte Solidarität.

Foto: Jörg Schimmel / FUNKE Foto Services

Oberhausen.  Wie in anderen deutschen Städten haben Bürger am Freitag in Oberhausen ein Zeichen gegen Rechtsextreme, Antisemiten und Rassisten gesetzt.

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Mit einer demonstrativen Mahnwache, Solidaritätsschreiben und ausführlichen Stellungnahmen setzen Vereine, Multiplikatoren, Initiativen und ganz normale Bürger in Oberhausen ein Zeichen der Solidarität für Juden in Deutschland – und gedenken der Opfer des Terroranschlags in Halle (Saale).

So beteiligten sich einige Dutzend Bürger am Freitagnachmittag an einer eilig von der „Initiative gegen Rechts“ einberufenen Mahnwache. Sie platzierte sich gegen 16 Uhr am Friedensplatz in der Oberhausener Innenstadt vor der jüdischen liberalen Gemeinde „Perusch“. Auf dem verteilten Flugblatt heißt es: „Wir schämen uns, dass Menschen jüdischen Glaubens angegriffen werden. Wir wünschen allen Menschen in Halle die Kraft, um mit dem erlittenen Schrecken und Schmerz fertig zu werden. Wir solidarisieren uns mit der jüdischen Gemeinde Oberhausen. Möge sie ihren Glauben ungestört und ungefährdet leben können.“

Öffentlich nicht mit der Kippa

Lev Schwarzmann, Vorsitzender der Gemeinde, bedankte sich für die Solidarität der Bürger. „Ihr seid Rettter, Retter des Glaubens an das Gute im Menschen.“ Er forderte den Staat auf, die Sicherheitsmaßnahmen für Juden zu verstärken. „Ich gehe schon seit Jahren nicht mit der Kippa öffentlich herum, das ist zu gefährlich und ist immer gefährlicher geworden. Wir werden jetzt noch vorsichtiger sein und haben bei unseren Veranstaltungen eigene Sicherheitskräfte.“ Nach dem Halle-Anschlag hat die Oberhausener Polizei den Schutz der jüdischen Gemeinde durch verstärkte Präsenz ausgebaut.

Bürgerlisten-Ratsfrau Andrea-Cora Walther findet es vor der Mahnwache unverständlich, dass die Synagoge in Halle am Jom-Kippur-Tag nicht von der Polizei geschützt wurde. Sie nannte einzelne AfD-Politiker Faschisten. „Mit ihrer Sprache und Enttabuisierung bereiten sie den Boden für solche Attentate.“ Superintendent Joachim Deterding versichert, dass sich Christen Juden gegenüber solidarisch verhalten werden. „Wir haben aus der Vergangenheit gelernt: Heute stehen wir schützend an der Seite der Juden, wenn sie angegriffen werden.“

Oberbürgermeister schreibt Solidaritäts-Briefe

Oberbürgermeister Daniel Schranz beurteilt den Terrorakt in zwei Briefen an die beiden für Oberhausen zuständigen jüdischen Gemeinden als Anschlag auf unsere Gesellschaft: „Dieser Terror richtet sich gezielt gegen die Vielfalt in unserem Land und damit auch gegen die gelebte Toleranz und das friedliche Miteinander in unserer Stadt. Die jüdische Gemeinschaft ist ein wichtiger Bestandteil unserer Gesellschaft. Die Stadt Oberhausen wird auch künftig alles dafür tun, damit Antisemitismus, Rassismus und Hass keinen Platz in unserer Stadtgesellschaft haben.“ Neben „Perusch“ ist die jüdische Gemeinde Duisburg-Mülheim-Oberhausen mit ihrer Synagoge am Duisburger Innenhafen für Oberhausen zuständig.

Integrationsrat tief erschrocken

Auch der Integrationsrat der Stadt Oberhausen zeigt sich zutiefst erschrocken über den rechtsterroristischen Anschlag. Er habe das Ziel gehabt, möglichst viele Menschen jüdischen Glaubens an ihrem Versöhnungstag Jom Kippur, sowie Zuwanderer zu töten. Mit großer Sorge nehmen die gewählten Vertreter der Migranten die Entwicklung des Rassismus, Antisemitismus und Islamophobie in den vergangenen Jahren in Deutschland wahr.

Integrationsratsvorsitzende Nagihan Erdas sagt nach Angaben in einer Pressemitteilung des Integrationsrates: „Der unverantwortliche Umgang mit anderen Religionen, Ethnien und Kulturen in der Öffentlichkeit bestärkt Rassisten und Rechtsextremisten in ihrer menschenverachtenden Weltanschauung. Dieser Entwicklung wird dadurch Vorschub geleistet, in dem in der Öffentlichkeit Stimmung gegen Migrantinnen und Migranten gemacht wird. In dieser Atmosphäre werden Rassisten und Rechtsextreme geradezu ermutigt, mit ihren Taten als Vollstrecker des sogenannten Volkswillens zu handeln.“ Der Integrationsrat fordert die verantwortlichen Akteure dazu auf, entschieden gegen Rassismus, Rechtsextremismus und Rechtspopulismus vorzugehen.

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