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Oberhausener stehen RWO überwiegend ablehnend gegenüber

Die Zeiten, in denen das Stadion Niederrhein regelmäßig ausverkauft war, sind längst vorbei. Trotzdem gibt es einen treuen Kern, der seine Mannschaft bei jedem Heimspiel lautstark unterstützt.

Die Zeiten, in denen das Stadion Niederrhein regelmäßig ausverkauft war, sind längst vorbei. Trotzdem gibt es einen treuen Kern, der seine Mannschaft bei jedem Heimspiel lautstark unterstützt.

Foto: Micha Korb

oberhausen.   Mehr als ein Drittel der Befragten kann sich mit Rot-Weiß Oberhausen überhaupt nicht identifizieren. Aber es gibt ein Häuflein der Aufrechten.

RWO und seine Zuschauer – das ist ein leidiges Thema. Einige wenige lieben den Club und seine Historie, manche verbindet eine Hassliebe, deutlich vielen mehr ist das Gehabe um Bälle im Stadion Niederrhein egal. Wie schafft man Identifikation, gibt es Erklärungen für Mitgliederzuwächse oder Abwanderungen? Wir haben nachgefragt.

Jörg Groth ist bei RWO der Mann für Moneten und Mitglieder. Er verwaltet die Einnahmen des Spieltags, er pflegt die Dateien der aktiven und passiven Kleeblätter. Seit vielen Jahren. In der Ära Hermann Schulz begann er, für den Verein zu arbeiten und macht das noch heute. Er hat den Überblick über die Fieberkurven der Mitgliederentwicklung.

RWO hat aktuell 1255 Mitglieder

„Zunächst einmal: Mit der ersten Mannschaft und wo die spielt, hat das wenig zu tun. Ich glaube, da steckt die Jugend hinter den Kurven.“ Seit 1999 werden bei RWO die Mitgliederzahlen erfasst, 762 waren es damals beim Aufstieg in die 2. Liga. In den Folgejahren stieg die Kurve bis 2004 auf 1433. Um mit dem Abgang von Schulz und dem Abstieg aus der 2. Liga ins Loch zu fallen: 1045 im Jahr 2005, 948 2008. Da ging es wieder in Liga zwei, wegen der neuen 3. Liga war das ein Sprung über zwei Klassen.

Mit Trainer Günter Bruns und einem Vorstand um Hajo Sommers, der den Verein von der Intensivstation auf die Gesundungsstation rollte und dem geneigten Oberhausener als (fast) geheilt präsentierte. Mit Unterstützung der Agentur contact um Norbert Lamb wurde die imagefördernde Aktion „1904“ ins Leben gerufen. Es galt so viele Mitglieder hinzuzugewinnen, um das Gründungsjahr auch in der Mitgliederdatei abzubilden. Es ließ sich gut an, der zunehmend erfolgreiche wie sympathisch wirkende Underdog fand Anhänger. Bis 2012 sprang die Zahl auf das nicht wieder erreichte Allzeithoch 1520. Dann ging es in den Ligen wieder runter und jetzt pendelt sich das bei aktuell 1255 ein.

Nicht der größte Verein in Oberhausen

„Das ist eben ein gewisser Kern, der RWO treu bleibt“, findet Groth. Die Schwankungen sind dann wohl doch den sportlichen Erfolgen der ersten Mannschaft zuzuordnen. Begeisterte Fans kommen, enttäuschte Anhänger gehen, die Treuen bleiben. Der Rückzug der U 23 etwa hatte laut Groth nicht die geringsten Auswirkungen. „Ich bin davon überzeugt, dass diese Bewegungen von Kindern, Jugendlichen und ihren Eltern herrührt“, sagt Groth.

Mit Blick auf die Besucherzahlen im Stadion kann er auch nicht ermessen, ob die Stadt und ihre Bürger ihrem Verein denn nun in echter Liebe, Hassliebe oder Gleichgültigkeit verbunden sind. Ersteres gilt in der Regionalliga, wo sich ein harter Kern von 1800 Besuchern eingependelt hat. Zu Zweitliga-Zeiten waren es bei Derbys auch fünfstellige Besucherzahlen. Und dann wäre da noch das legendäre 0:0 gegen Erfurt, wo ein Tor den vorzeitigen Aufstieg in die 2. Liga im eigenen Stadion bedeutet hätte. Mit knapp 15.000 ausschließlich Oberhausener Fußballfans war dies das bislang letzte ausverkaufte Fußballspiel im Stadion Niederrhein. Was wohl auch damit zusammenhing, dass es im Aufstiegsfall Feier und Freibier gegeben hätte. Fiel bekanntlich ins Wasser, eine Woche später machte es RWO bei Union Berlin besser.

Mit seinen 1255 Mitgliedern ist RWO nicht der größte Verein in Oberhausen, Tbd. Osterfeld, TC 69 und Jahn Königshardt liegen mit jeweils um die 1800 Mitgliedern davor. „Doch das sind Mehrsparten- und Breitensportvereine“, sagt Groth zu Recht, „bei uns gibt es Fußball pur.“ RWO hat 13 Mannschaften am Start, der Mehrspartenverein Arminia Klosterhardt dagegen 24. Aber bewegte Geschichte hat der SC RWO, in guten wie in schlechten Zeiten. Und das spaltet nun mal RWO-Fans von denen, die meinen, dass im Fußball und speziell bei RWO viel zu viel falsch gemacht wird.

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