Wirtschaft

Oberhausener Unternehmen sorgt für saubere Luft in China

Um die Luft von Abgasen zu befreien, verschärft die chinesische Regierung die Umweltbestimmungen. Davon profitiert ein Unternehmen aus Oberhausen.

Um die Luft von Abgasen zu befreien, verschärft die chinesische Regierung die Umweltbestimmungen. Davon profitiert ein Unternehmen aus Oberhausen.

Foto: epa Diego Azubel / picture alliance / dpa

Oberhausen.  Ein Unternehmen in Oberhausen stand kurz vor dem Aus. Doch nun profitiert es von immer strenger werdenden Abgas-Richtlinien in China.

Technologie aus Oberhausen sorgt in China dafür, dass die Luft sauberer wird. Der Erfinder und Bergbau-Experte Horst Grochowski hat bereits Ende der 80er Jahre ein spezielles Reinigungsverfahren entwickelt, um Schadstoffe wie Stickoxide und Dioxin aus Abgasen zu filtern. Während in Deutschland die Geschäfte mit dem Ende der Kohle- und Stahlproduktion einbrachen, profitiert der Unternehmer nun von einem großen Boom auf dem asiatischen Markt.

Industriegebiete vor allem in China erleben in seiner Wahrnehmung derzeit einen ähnlichen Wandel wie ihn das Ruhrgebiet in den 80er Jahren bewältigen musste. „Die chinesische Regierung unternimmt teils drastische Maßnahmen, um die Luftqualität zu verbessern“, sagt Grochowski. Umweltauflagen für Kraftwerke und Verbrennungsanlagen würden immer strenger.

Krisen in den 90er und 2000er Jahren

Davon profitiert nun das Oberhausener Unternehmen, das seine besten Zeiten zunächst scheinbar hinter sich hatte. Große Industrie-Partner wie Babcock, Lentjes und Steinmüller verschwanden teils oder ganz vom Markt. Die Krisen der Stahl- und Kraftwerksbauer der 90er und 2000er Jahre trafen auch Grochowskis Betrieb, die WKV Anlagentechnik mit Sitz an der Lindner Straße. Der mittlerweile 80-Jährige wollte seine Firma aufgeben. Zumal auch keines seiner Kinder in seine beruflichen Fußstapfen treten wollte.

Doch die Liebe zum Ingenieurwesen hat in der Familie offenbar schlicht eine Generation übersprungen. 2017 ist der Enkel von Horst Grochowski in den Betrieb eingestiegen, zunächst als Werkstudent, mittlerweile als Geschäftsführer. Eddy-John Franziskus kam „wie Phönix aus der Asche“, sagt dessen Großvater. Dem Betrieb geht es besser und besser, die Zahl der Mitarbeiter steigt. Im vergangenen Jahr hat WKV Anlagentechnik zwei Konstrukteure und einen Verfahrenstechniker eingestellt, im Januar folgte die nächste neue Kraft. Zehn Mitarbeiter gibt es derzeit.

Einen Fuß in die Tür des asiatischen Marktes hat Grochowski über einen Umweg gesetzt. Zu seinen Hauptkunden in den Anfangsjahren zählten neben Kohle- und Stahlwerken auch Müllverbrennungsanlagen. Seine auf Aktivkohle basierende Filteranlage wurde unter anderem auch in ein Werk in Warschau verbaut. „Es war lange die Müllverbrennungsanlage mit den niedrigsten Emissionswerten überhaupt“, sagt Grochowski.

Weltkonzern Samsung klopfte in Oberhausen an

Das lockte gar einen Weltkonzern: Samsung stieg damals in die Produktion von Flachglas für Fernseher und LCD-Bildschirme ein. Grochowski entwickelte auf Wunsch des koreanischen Konzerns eine Methode, um giftige Abgase, die bei der Produktion des Spezialglases entstehen, zu filtern. Weitere Auftraggeber aus Japan, China und Taiwan folgten.

Grochowskis Firma WKV baut für seine Kunden die Technik nicht selbst, sondern vergibt die Lizenzen für die jeweiligen Technologien – inklusive der Baupläne und Anleitungen. Zusammen mit seinem Enkel Eddy-John Franziskus reist der 80-Jährige heute immer noch um die Welt, um vor Ort den Aufbau der Anlagen zu begleiten. Rund 100 Anlagen weltweit arbeiten mittlerweile mit der Technik aus Oberhausen, 60 internationale Patente hat das Unternehmen über die Jahre angemeldet.

So langsam sei es dann doch Zeit, in den Ruhestand zu gehen, sagt Grochowski. Enkel Eddy-John Franziskus wird den Betrieb übernehmen. Um die Zukunft sind beide nicht bange; denn nach Asien steht der nächste (Sub-)Kontinent in den Startlöchern für eine reinere Luft: Das Oberhausener Unternehmen erhält seit einiger Zeit vermehrt Anfragen aus Indien.

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