Kommunalpolitik

Oberhausenerinnen fordern höheren Frauenanteil im Stadtrat

Oberbürgermeister Daniel Schranz (li.) empfängt die Aktivistinnen vor dem Ratssaal. Ratsfrauen aus allen Fraktionen, hier vorne im Bild Steffi Opitz (re.) und Sandra Gödderz (li.), beide Grüne, erklären sich solidarisch.

Oberbürgermeister Daniel Schranz (li.) empfängt die Aktivistinnen vor dem Ratssaal. Ratsfrauen aus allen Fraktionen, hier vorne im Bild Steffi Opitz (re.) und Sandra Gödderz (li.), beide Grüne, erklären sich solidarisch.

Foto: Christoph Wojtyczka / FUNKE Foto Services

Oberhausen.  Nur 35 Prozent der Mitglieder des Stadtrates sind Frauen. Das muss sich ändern, fordern Bürgerinnen. Sie sehen die Parteien in der Verantwortung.

Sie sind nicht laut, aber sichtbar an diesem Nachmittag kurz vor Beginn der Ratssitzung: Ein Zug überwiegend weiß gekleideter Frauen zieht am Montag vor den Ratssaal, um einer politischen Forderung Nachdruck zu verleihen: Im Stadtparlament sollten genauso viele Frauen wie Männer vertreten sein. „Politische Parität jetzt“, steht auf dem Banner.

Beim Blick in den Ratssaal, kurz bevor die Sitzung beginnt, sind die Reihen weiß getupft: Die Ratsfrauen aller Fraktionen haben sich mit den Frauen vor der Tür solidarisch erklärt und sind auch weiß gewandet erschienen. Weiß in Anlehnung an die Suffragetten, die zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts für das Wahlrecht von Frauen kämpften. Sie trugen bei ihren Protesten weiße Kleider, um sich von den Männern in schwarzen Anzügen abzuheben und aufzufallen. Nun, das Wahlrecht haben Frauen in Deutschland seit 1918, seit der Weimarer Verfassung, aber gleiche Chancen haben sie in der Politik noch immer nicht.

Listen werden aufgestellt

Auch die Demo mit rund 50 Teilnehmerinnen und Teilnehmern sieht das so und fällt auf. Die Gruppe quert kurz die Schwartzstraße und postiert sich dann vor dem Ratssaal mit Karten und Plakaten. Mit Blick auf die Kommunalwahl am 13. September 2020 hat Britta Costecki, Gleichstellungsbeauftragte der Stadt, die Aktion organisiert. Denn in der nächsten Zeit werden die Listen aufgestellt, die darüber entscheiden, welche Kandidaten eine Partei bei einem entsprechenden Wahlergebnis in den Rat entsendet. Diese Listen sollen paritätisch besetzt sein, fordern Costecki und ihre Unterstützerinnen, darunter auch ein paar Männer wie Theater-Intendant Florian Fiedler.

Noch Luft nach oben

Die Parteien sollen also in gleicher Anzahl Männer und Frauen ins Rennen schicken, damit künftig zu gleichen Anteilen Frauen im Stadtrat vertreten sind. Bisher sind gerade einmal 35 Prozent der Ratsmitglieder weiblich. Das findet sogar Oberbürgermeister Daniel Schranz (CDU) noch „deutlich ausbaubar“, wie er zu Beginn der gestrigen Sitzung sagt. „Da ist noch Luft nach oben“ – auch, wenn 35 Prozent im Vergleich mit anderen Städten gar nicht so schlecht seien, so das Stadtoberhaupt.

Parteien sind verantwortlich

„Die Parteien tragen dafür die Verantwortung“, sagt Britta Costecki. „Denn Parität müssen Parteien wollen und fördern.“ Das Argument, Frauen seien selbst schuld und würden sich vor politischen Ehrenämtern drücken, lässt die Gleichstellungsbeauftragte, selbst SPD-Mitglied, nicht gelten. Frauen seien einerseits immer noch mehr belastet bei dem Versuch, Familie und Beruf unter einen Hut zu bringen und könnten es sich häufig nicht vorstellen, in diesem Gefüge noch ein Mandat zu übernehmen. Und ja, Frauen seien häufig keine Rampensäue, unnötige Selbstzweifel und fehlendes Machtbewusstsein hinderten sie daran, ihren Platz einzufordern, „das hat etwas mit Sozialisation zu tun“. Frauen stärken und fit machen, zum Beispiel durch Mentoring-Programme, sei Aufgabe der Parteien. „Es gibt ja welche, wo das funktioniert“, sagt Costecki Richtung Grüne oder Linke.

Dass immer noch so wenig Frauen im Rat vertreten seien, liege jedenfalls nicht daran, dass Männer Kommunalpolitik besser könnten. „Mir soll keiner erzählen, es gebe nicht genügend talentierte oder qualifizierte Frauen in Oberhausen.“

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