Therapiehund

Oberhausens erster Schulhund als Integrationshelfer

Cookie ist der Star der Anne-Frank-Realschule, hier mit Kindern der Klasse 6d. Dank Cookie hält die Klasse jetzt auch mehr Ordnung, erzählen die Kinder.

Foto: Daniel Elke

Cookie ist der Star der Anne-Frank-Realschule, hier mit Kindern der Klasse 6d. Dank Cookie hält die Klasse jetzt auch mehr Ordnung, erzählen die Kinder. Foto: Daniel Elke

Oberhausen.   Die Anne-Frank-Realschule Oberhausen setzt einen Hund als Integrationshelfer ein. Nach einem halben Jahr steht fest: Das Projekt ist erfolgreich.

Die Anne-Frank-Realschule ist eine von bundesweit 450 Schulen, die beim Inklusionsunterricht einen Schulhund einsetzen. In Oberhausen nimmt sie damit eine Vorreiterrolle ein.

Cookie geht in die Inklusionsklasse 6d an der Anne-Frank-Realschule. Er hat dort viele Freunde und fühlt sich sichtbar wohl. Die meisten Schüler lieben es, mit ihm zu kuscheln. Ganz genau registrieren sie, wenn der zehn Monate alte Labrador bockig ist und genau das Gegenteil von dem macht, was Klassenlehrerin und Besitzerin Nicola Poole gerade von ihm verlangt.

„Cookie ist halt in der Pubertät“, sagen die Kinder lachend. Schulleiterin Ursula Niemann erzählt: „Ich war nicht gleich begeistert, als Nicola Poole mit diesem Vorschlag zu mir kam“. Doch die Deutsch- und Englischlehrerin könne sehr überzeugend sein. Sie ließ nicht locker. „Heute sind Lehrer, Eltern und vor allem unsere Schüler sehr froh darüber“, sagt Niemann schmunzelnd.

Fotos von Cookies Geburt

Gemeinsam hatte man sich auf ein Wagnis eingelassen, das sich als Hauptgewinn entpuppen sollte. 110 Schüler unterrichtet Nicola Poole regelmäßig mit ihrem Hund, der parallel speziell geschult wird. Die Kinder lernten Cookie früh kennen. Die Pädagogin zeigte ihnen schon Fotos und Videos von der Geburt. „Bewährt hat sich, dass ich mit den Klassen eine Reihe zum Thema Hund geleitet habe.“ Vereinbarte Regeln erschienen so den Kindern sinnvoll.

Als Cookie 15 Wochen alt war, nahm er seine Arbeit an der Realschule auf. Sechs Monate später hat sich der Alltag mit Hund eingespielt. „Die Kinder kommen meist gut gelaunt in die Klasse und halten sofort Ausschau nach Cookie.“

Selbst Kinder, die mal nicht so gut drauf seien, würden begeistert von dem Hund begrüßt. „Dann fangen sie plötzlich an zu lächeln und es fällt sichtbar Anspannung von ihnen ab.“ Die erfahrene Hundehalterin beobachtete sogar: „Als es einmal zu einem heftigen Streit unter zwei Schülern gekommen war, stellte sich der Hund zwischen sie und leckte ihnen die Hände.“ Die Kinder seien sofort von ihrem Streit abgelenkt gewesen.

Fröhliche Kinder

Zappelige Kinder kämen beim Streicheln des Hundes schneller zur Ruhe. Ruhige, in sich gekehrte Schüler ständen plötzlich positiv im Mittelpunkt, wenn sich der Hund lange bei ihnen aufhält: „Oh, der mag dich aber sehr!“ Als ein Schüler einmal auffallend traurig war, sei der Hund die ganze Stunde nicht von seiner Seite gewichen. „Selbst der Integrationshelfer war von der Wirkung überrascht – nach der Stunde ging es dem Jungen besser.“

Die Atmosphäre im Unterricht sei insgesamt entspannter, fröhlicher geworden, erzählt Poole. Da können auch die Schüler nur zustimmen. „Das ist so spannend geworden“, meint Joys (11). Manchmal renne Cookie wie ein Verrückter zwischen den Bänken hin und her. „Und er sieht so süß aus, wenn er in seinem Körbchen liegt.“ Cerina (12) findet: „Es ist lustig, dass er morgens im Unterricht oft schläft, aber dafür mittags fit wird.“

Dank Cookie hält die ganze Klasse mehr Ordnung, meint Chiara (12). „Wenn dann doch mal Bänder aus den Schultaschen gucken, knabbert er aber sofort daran herum.“ Auf dem Boden liege jedenfalls nichts mehr herum, ergänzt Julien (12). Schließlich wissen ja alle: „Cookie frisst alles auf.“ Stifte, Radiergummis, Kleber – wenn den Kindern etwas herunterfällt, wird es schnell wieder aufgehoben. Da passt jetzt jeder auf jeden auf.

Mikaela (11) liebt es, den Hund zu streicheln. Marvin (13) meint, dass es jetzt ein wenig ruhiger in der Klasse geworden ist. „Hunde hören viel besser als Menschen, wenn wir so laut sind, tut das Cookies Ohren weh.“

>>>> Spenden für die Ausbildung sind willkommen

Cookie gehört Nicola Poole. Sie hat mit ihm eine Welpenschule besucht; zurzeit macht sie mit dem Labrador eine Junghund-Ausbildung. Nach der Basisausbildung soll er zum Therapiehund weitergebildet werden.

Die Kosten dafür können bis zu 2000 Euro betragen. Die Schule werde sie dabei unterstützen, versichert Schulleiterin Ursula Niemann. Spenden sind aber willkommen: 0208 23475, E-Mail: sekretariat@afr-ob.de

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